
Zum Kapitel 1. LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 2. MAISON RAMAGE - ANTIQUITÄTEN - SEIT 1973
Zum Kapitel 3. WAS TUN IN LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 4. DIE MOORE DER SOMME – LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 5. DAS HAUS DER MOORE – LA MAISON DES MARAIS
Zum Kapitel 6. BIOANBAU IN LONGPRÉ - CHÉ BIO GARDIN - BERTRAND BOUVIER
1.
LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Folgt mir nach Longpré-les-Corps-Saints, einem kleinen, facettenreichen Dorf in der Picardie, mit seinen lieblichen Landschaften zwischen Kindheitserinnerungen, üppiger Natur und reichem Kulturerbe.



Unbeschwerte Zeiten auf dem Land
Longpré-les-Corps-Saints, ein Ort mit rund 1600 Einwohnern, ist das Feriendorf meiner Kindheit. Falls ihr den Film Willkommen bei den Sch’tis gesehen habt, werdet ihr euch vielleicht ausmalen, wie meine Freundinnen dreinschauten, wenn ich ankündigte, dass ich an die Somme fahren würde. Hätten sie nur gewusst, welche unbeschwerten Momente ich dort erlebt habe – wie ich mit dem Fahrrad durch die Sümpfe streifte, mit meinem Opa Milch auf dem Schlosshof holte oder mir mit meinem Bruder auf den Böschungen die Hosen grün schürfte…
Eine üppige Natur, genährt von den Sümpfen
Damals wie heute war die Natur reich und vielfältig – mit ihren Tälern, ihren Larris (steilen Kalksteinhängen), ihren Wasserläufen, in denen sich die Fische in den Wasserpflanzen verstecken, und überall eine unendliche Palette an Grüntönen, eine üppige Vegetation, die die Region unter anderem den Mooren verdankt. Einst Orte der Torfgewinnung und des Pflückens eleganter Seerosen, die per Zug auf die Tische der vornehmen Pariser Restaurants des jungen 20. Jahrhunderts gelangten, sind die Moore heute ein beliebtes Freizeitgebiet zum Angeln, Jagen und Spazierengehen geworden.
Ferne Erinnerungen an die großen Kriege
Die Dörfer der Gegend blieben lange von den Weltkriegen gezeichnet, die dort gewütet hatten, ohne sie jemals zu verschonen. Longpré, im Zweiten Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört, wurde größtenteils vom Architekten Paul-René Chauvin wieder aufgebaut – was seine architektonische Harmonie erklärt.
Ein lebendiges und gastfreundliches Dorf
Heute ist Longpré ein ruhiges, gepflegtes Dorf mit hoher Lebensqualität – ein Ort, wo man alles Nötige und noch ein bisschen mehr bekommt : Bäckereien, ein Lebensmittelladen, ein Supermarkt, ein Café, eine Apotheke, Ärzte, Schulen und Märkte. Sein besonderes Plus: die zwei Wochenmärkte. Der mittwochs vormittags vor dem Rathaus stattfindende Markt ist in den letzten Jahren leider etwas vernachlässigt worden. Dafür ist der Bio-Markt der lokalen Erzeuger, der jeden Freitag von 16:30 bis 18:30 Uhr vor dem Maison des Marais stattfindet, umso lebendiger.
Maison des Marais
Lust auf Natur ? In der Maison des Marais (Rue de l’Ancienne Gare), geöffnet vom 1. April bis zum 30. September, von Mittwoch bis Sonntag, 9:30–12:30 Uhr und 13:30–18:00 Uhr, steht im Mittelpunkt. Dort kann man u. a. Fahrräder mieten und Informationen und Broschüren erhalten, z. B. zu Wanderrouten oder idyllischen Ausflügen mit dem Elektroboot durch die Moore.
Trödeln bei Monsieur Ignace
Im Herzen des Dorfes, gegenüber der Kirche, befindet sich der Antiquitäten- und Trödelladen von Monsieur Ignace. Ein Muss in Longpré, wenn man gerne auf Schnäppchenjagd geht. Der Laden ist ganzjährig geöffnet und wird von einem Leidenschaftlichen Händler geführt, der fast immer für ein kleines Schwätzchen zu haben ist.




Notre-Dame de l’Assomption: ein lichtdurchflutetes Bauwerk voller Geheimnis
Gegenüber dem Antiquitätengeschäft erhebt sich die Stiftskirche. Sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Vibert, dem Kaplan des verstorbenen Aléaume de Fontaines, des Herrn von Longpré, gegründet. Dort sollten die Reliquien bewahrt werden, die sein Herr während der Kreuzzüge erworben und die er nach dessen Ableben aus dem Heiligen Land mitgebracht hatte. Notre-Dame de l’Assomption (Rue des Cloîtres) wurde über einer romanischen Krypta aus dem
Jahr 1190 errichtet. Diese verfügte über einen Gang, dessen durch Einstürze verschlossener Eingang noch heute sichtbar ist. Er ermöglichte es den Kirchenmännern, unbemerkt nach Hause zurückzukehren. Einige sagen, dass dieser Tunnel auch zum längst verschwundenen Schloss führte – und manche behaupten sogar, er habe sich bis zum Meer erstreckt. Beschädigt, zerstört und mehrfach wieder aufgebaut, stammen die ältesten erhaltenen Teile der Kirche – das gotische Portal und der Glockenturm, dessen Spitze im Zweiten Weltkrieg abbrannte – aus dem 17. Jahrhundert. Der übrige Bau sticht durch seine selbstbewusst gewählte Modernität hervor: sein heller Innenraum mit abstrakten Glasfenstern aus den 1960er Jahren, die an sonnigen Tagen bunte Muster auf die Kalksteinmauern zeichnen.
Geöffnet anlässlich der Tage des offenen Denkmals, mit Besichtigung der Krypta und Gottesdiensten (siehe Aushang an der Kirchentür).
Ein Schatz entdecken… allerdings in Abbeville
Der Schatz von Longpré-les-Corps-Saints, einst in einem Safe gehütet, wurde inzwischen der Stadt Abbeville anvertraut. Er wird im Carmel (34-36 Rue des Capucins) ausgestellt, der zu einem Depot für sakrale Kunstschätze von Gemeinden geworden ist, die nicht in der Lage waren, deren Sicherheit zu gewährleisten und sie daher nur sehr selten präsentierten.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 14:00 bis 18:00 Uhr (17:00 Uhr von Oktober bis März).
Freier Eintritt
Aux bulles d’eau douce
Parc du Bel Air
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mail: auxbullesdeaudouce80@gmail.com
Internet: https://air.tl/wxr4Pf5L
Facebook: Aux bulles d’eau douce
Instagram: aux_bulles_deau_douce
Sehnsucht nach Natur? Ein Rückzugsort voller Wärme und Poesie erschaffen für Erholungssuchende.
Gîte de la Terrière
Anne Drouvin
16 rue du 8 Mai
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 3 22 31 22 19
Mobil: +33 6 21 61 50 41
Sehr gastfreundliche Gastgeber auf dem Bauernhof. Frühstück ist inbegriffen.
Étang de l'Hôpital
Herr und Frau Regis und Eva Buchalet
Étang de l'Hôpital (Teich des Krankenhauses)
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Festnetz: +33 3 22 31 19 47
Mobil: +33 6 14 37 92 19
E-Mail: etangdelhopital@orange.fr
Ein prächtiger Rahmen.
Chalets/Unterkünfte für Angler
Gîte du Bel Air
Ludivine Leblond
9 Tor D - Weg Marais Roselle 1
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mobil: +33 6 35 46 58 44
Aux p'tits plaisirs (gesicherter Zugang zum See)
Herr und Frau Allan Emilie
Rue des Mules
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mobil: +33 6 83 28 22 71
Campingplatz de la Haute Borne
Cavée Vincent
80510 Longpré-les-Corps-Saints
+33 3 22 24 42 50
Geöffnet vom 1. April bis zum 30. September.
Dieser 3-Sterne-Campingplatz liegt auf der Anhöhe und bietet einen herrlichen Blick auf das Tal. Dort kann man in Mobil Homes wohnen oder nackte Stellplätze mieten. Der Campingplatz verfügt außerdem über ein beheiztes Schwimmbad.
Gastronomie
Für Pizza-Fans steht Jéjés Wagen jeden Montagabend ab 17 Uhr vor dem Rathaus. Bestellen vor Ort oder unter +33 6 33 05 38 35. Früh kommen empfiehlt sich oder besser noch anrufen.
Die Bäckerei in der Rue des Cloîtres bietet köstliche hausgemachte Sandwiches und an manchen Tagen auch Quiches, Ficelles Picardes...
Mittwochs geschlossen
Le Korrigan’s Bar
10 Grande Rue
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Um etwas trinken zu gehen, drinnen oder auf der Terrasse. Sehr freundliche Bedienung.
2.
MAISON RAMAGE - ANTIQUITÄTEN - SEIT 1973
MICHEL IGNACE – DEM LAUF DER ZEIT ENTGEGEN
Taucht ein in die verzauberte Welt eines Antiquitäten- und Trödelladens, in dem jedes Objekt eine Geschichte erzählt und die Zeit stillzustehen scheint.
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|---|---|---|
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Erinnerungen an die Kindheit und unvergessliche Begegnungen
Als Teenager verbrachte ich oft einen Teil der Ferien allein im Wochenendhaus meiner Eltern in Longpré-les-Corps-Saints. Wenn ich mich nicht gerade aufs Fahrrad schwang, um durch die Sümpfe zu fahren, oder mich mit meiner Freundin Valérie traf, liebte ich es, in Madame Ramages Antiquitäten- und Trödelladen zu stöbern. Aus dieser Zeit sind mir zwei Bücher und wunderbare Erinnerungen an eine elegante, entschlossene und schöne Frau geblieben, die mich stets mit großer Freundlichkeit empfing. Sie hat uns im September 2023 verlassen, aber ihr Geist beseelt noch immer das Geschäft, das heute von ihrem Mann, Michel Ignace, geführt wird.
Betreten wir den Laden: Auf der rechten Seite steht immer noch Madames Sessel und ihr Portrait mit einigen persönlichen Gegenständen auf einer Konsole, als ob sie jederzeit wiederkommen könnte. Gegenüber der Eingangstür steht Luckys Sessel, dem treuen Begleiter des Ehepaars, der oft bellend herbeigeeilt kommt, um Kunden und Besucher zu begrüßen, denn der Laden ist nicht nur ein Geschäft, sondern auch ein Ort, gut für ein Besuch, für einen kleinen Plausch, eine willkommene Auszeit von der allzu modernen Welt, die stets auf uns einwirkt.
Der Charme eines sich ständig verändernden Ambientes
Der Laden besteht aus zwei Räumen, deren Einrichtung wöchentlich wechselt, ohne dass er jemals etwas von seiner Vertrautheit verliert. Verlassen wir nun den Hauptraum gegenüber dem Eingang an der Straße, biegen links in einen Flur ab, dessen Dekor sich ebenfalls ständig verändert, lassen die Treppe zur Privatwohnung rechts liegen und betreten das Lager, Ali Babas Höhle, in der man fast immer kleine Schätze findet: Bücher von Autoren, derer manche in Vergessenheit geraten, aber trotzdem nicht weniger interessant oder charmant sind, Kleinigkeiten, Geschirr... Dies ist der Ort, wo ich in meiner Jugend liebend gerne bummelte – was ich immer noch mit dem größten Vergnügen tue.
Eine Geschichte von Liebe und Leidenschaft
Als ich heute Michel Ignace besuche, ist er gerade damit beschäftigt, einen Kartenhalter aus Schildpatt mit eleganten goldenen Initialen zu reparieren. Lucky bettelt um seine Aufmerksamkeit und reibt sich dann an meinen Beinen, bevor er sich in seinem Sessel zusammenrollt. Monsieur Ignace stammt aus Ruffec, einer kleinen Stadt in der Charente, und zog 1969 nach Longpré-les-Corps-Saints. Dort war er bis 1997 als Grundschullehrer tätig. 1971 lernte er seine zukünftige Frau Christiane Ramage kennen, die damals ein Team von hochspezialisierten Arbeitern leitete, darunter auch Schweißer für die Kernkraftindustrie, deren Dienste sie an Kraftwerke in ganz Frankreich verkaufte. Ein solches Team zu führen und ständig quer durch Frankreich zu reisen, weckte in ihr schließlich den Wunsch nach Stabilität. Ihre Mutter war Antiquitätenhändlerin in Hyères gewesen. Daher war sie mit diesem Geschäft bestens vertraut. So kam sie auf die Idee, einen Laden in Longpré zu eröffnen. C. Ramage Antiquités war geboren und Michel Ignace folgte ihr in dieses Abenteuer. Während sie am Wochenende nach Paris zum Marché aux Puces in Saint-Ouen fuhr, um zu verkaufen, führte er das Geschäft. Nach der Schule und mittwochs kümmerte er sich um die Lieferungen und lernte außerdem von einem alten Tischler aus dem Dorf, wie man alte Möbel restauriert. Heute stapelt sich antikes Holz, Bretter, Möbelstücke usw., in der Werkstatt bis auf den Hof. Das nutzt er für Reparaturen. Die Sitzungen mit dem alten Tischler brachten Monsieur Ignace auf den Geschmack eines Berufs - den er seit seiner Pensionierung hauptberuflich und mit sichtlichem Vergnügen ausübt, ein Beruf, der ihn fit hält, denn wie er mir erklärt: ein Antiquitätenhändler muss sich immer auf sich selbst verlassen können, auch wenn die Möbel schwer sind.
Das wertvolle Erbe eines traditionsreichen Ortes, dessen Tür seit 1973 immer offen steht
Seit über 50 Jahren wenden sich Menschen an diese Adresse, wenn es um Nachlässe oder den Verkauf von Gegenständen geht. Sie vertrauen auf den guten Ruf, den Christiane Ramage und Michel Ignace in diesem halben Jahrhundert aufgebaut haben. Michel führt zwar nun das Geschäft allein, aber seine Frau, so sagt er, steht ihm immer zur Seite. Der Gedanke, den Laden nach ihrem Tod zu schließen, war ihm unerträglich. Das lehnte er ab, zur Freude seiner Kunden, aber auch um das Lebenswerk seiner verstorbenen Frau fortzuführen und sich nicht der Einsamkeit zu ergeben.Der Laden öffnet seit 1973 nahezu jeden Tag, das ganze Jahr über, auf. Nur sehr wenige Male blieben seine Türen geschlossen. Wenn Michel abwesend ist, übernimmt seine Angestellte Francine die Aufgabe, die Kundschaft zu empfangen und zu informieren, eine Kundschaft, die sich aus Menschen der Region und der angrenzenden Departements, aber auch aus ausländischen Händlern zusammensetzt.Hoffen wir, dass dieser das Leben im Dorf noch viele Jahre bereichern wird.
C. Ramage Antiquités
5 rue des Cloîtres
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel. : +33 6 07 80 10 56
7/7 geöffnet, von 10 bis 18 Uhr
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3.
WAS TUN IN LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Die Tennisplätze, der Spielplatz und der Basketballplatz befinden sich im Zentrum des Dorfes, auf einer vom Flüsschen Airaines und den Sümpfen gesäumten Grünanlage.
Vermietung der Tennisplätze
Place du Marquelet
Wenden Sie sich an Maryline Willeretz.
Reservierungen
Mobil: +33 6 82 07 85 21
Preis: 6 €/Stunde

Basketballplatz
Kann frei genutzt werden.
Eingang rechts neben den Tennisplätzen.
Spielplatz
Freie Nutzung.
Eingang rechts von den Tennisplätzen.
Vermietung von Fahrrädern
La maison des marais
Rue des Marais
Einzelne Fahrräder :
- 4 €/Person 1/2 Tag
- 8 €/Person der Tag
- 15 €/Person für 2 Tage
- 30 €/Person für 6 Tage
Räder für die Familie ( 2 Erwachsene + 2 Kinder) :
- 12 € der 1/2 Tag
- 24 € für einen Tag
- 45 € für 2 Tage
- 100 € die 6 Tage
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4.
DIE MOORE DER SOMME – LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
![]() Marc Dallery | ![]() Das MoorSeerosenwurzelstock | ![]() Maison des marais |
|---|---|---|
![]() Kohdistel | ![]() Long | ![]() Kohdistel |
![]() Calopterix | ![]() Kohldistel | ![]() Marais de Longpré |
![]() Bärenklau | ![]() Bärenklau | ![]() Maison des marais |
![]() Kohldistel | ![]() Étang de la Fontinette | ![]() Kohdistel |
Lange Zeit ausgebeutet, heute geschützt, erzählen diese Feuchtgebiete die jahrhundertealte Geschichte menschlicher Mühen und die Geheimnisse der Natur. An der Seite von Marc Dallery, Naturführer für den regionalen Naturpark (PNR) und zuständig für die Pflege der Moore in Longpré-les-Corps-Saints rund um das Maison des Marais, erkunde ich heute einen kleinen Teil der Moore. Insgesamt zählt das Gebiet zwischen Condé-Folie, Longpré-les-Corps-Saints, Long und Fontaine-sur-Somme 1.000 Hektar Sumpfgebiet – ein Teil der rund 3.000 Hektar Sumpflandschaft der Somme.
Torf: Das Gedächtnis des Sumpfes
Die Moore der Somme existieren seit Urzeiten. Ihre Nutzung seit dem Mittelalter ist aber relativ neu. Heute weiß man jedoch, dass diese natürlichen Flächen zehnmal mehr Kohlenstoff binden als Wälder und dass sie daher dringend geschützt werden müssen, zumal der gebundene CO2 beim Verbrennen wieder freigesetzt wird.
Seit sieben Jahrhunderte vom Menschen genutzt – von der Entstehung bis zum Niedergang
Marc, ein leidenschaftlicher Naturkenner, schlägt zunächst ein Kapitel der Geschichte auf. Die aus den Torfmooren entstandenen Seen verdanken ihre Entstehung dem Menschen, der hier um 1300 mit dem Torfabbau begann. Zu dieser Zeit gab es noch viele Wälder in der Picardie, aber der steigende Bedarf an Holz führte schließlich dazu, dass die Holzressourcen schwanden. Als sich die Rodung im 16. Jahrhundert intensivierte, nicht allein für den Bau von Wohnhäusern, sondern auch wegen der großen Anzahl von Schiffen, die vor allem im Rahmen der Konflikte mit England benötigt wurden, nahm das Torfstechen zu.
Torf entsteht durch den äußerst langsamen Abbau pflanzlicher Reste, der aufgrund des Fehlens von Zersetzern wie Schnecken und Würmern extrem langsam abläuft. Das Tal der Somme füllt sich im Herbst mit Wasser. Dadurch wächst die Torfschicht jährlich um etwa einen Millimeter – ein schwindelerregendes Ergebnis, wenn man berechnet, wie alt die an manchen Stellen bis zu 10 Meter dicken Moorschichten sind.
Der lehmige Boden und die Senke der Somme begünstigten die Entwicklung dieser Torfmoore. In diesen Mooren entstand Torf – ein preiswerter, jedoch weniger effizienter Brennstoff als Holz oder Kohle. Die Torfgewinnung war eine körperlich sehr anstrengende Tätigkeit, die sich über sechs Monate erstreckte. Anfangs war es mit dem vorhandenen Werkzeug nicht möglich, den Torf aus einer Tiefe von mehr als 1,5 Metern zu holen. Der so gewonnene Brennstoff, ein 1.500 Jahre junger Torf, war daher von schlechter Qualität.
Erst mit der Erfindung des großen Torfspaten im Jahr 1786 durch den aus der Somme stammenden Éloi Morel konnten Tiefen von bis zu sechs Metern erreicht werden. Ein Team von vier Torfstecherrn konnte so 8.000 Briketts pro Tag produzieren. Die Männer förderten und stapelten, die Frauen waren dann für die Trocknung zuständig. In den 1910er Jahren begann der Niedergang des Torfs, der durch Kohle, vor allem aus Nordfrankreich, verdrängt wurde. Bis in die 1960er Jahre wurde der Torf dann hauptsächlich für den Gartenbau und den Gemüseanbau verwendet und weiterhin von den alten Torfstecherfamilien als Heizmittel genutzt. Heute sind die Torfmoore durch die Ramsar-Konvention geschützt, die den Torfabbau verbietet. Der Torfabbau hatte den Gemeinden rund um die Moore einst Wohlstand gebracht. Mit seinem Ende begann jedoch auch ihr wirtschaftlicher Niedergang.
Ein Haus mit Blick – und mit Geschichte
Während Marc seine Erzählung fortsetzt, erscheint der frühere Bewohner des Maison des Marais. Bevor das Gebäude zum Tourismusbüro wurde, gehörte es dem Notar des Dorfes, der es an ihn vermietete. Damals war das Haus noch nicht um ein zusätzliches Stockwerk aufgestockt worden. Mit spürbarer Rührung erzählt uns der ehemalige Mieter von der Zeit, als er das Glück hatte, in dieser üppigen und friedlichen Umgebung zu leben – mit einem herrlichen Blick auf die Moore und in der Ferne auf die hoch gelegene Kirche von Long.
An den Wurzeln des Lebendigen: von der reinen Natur zu den mondänen Pariser Kreisen
Nachdem wir uns von dem ehemaligen Bewohner des Maison des Marais verabschiedet haben, führt Marc uns zu einem Holzsteg. Dort erklärt er uns, dass das klare Wasser des Étang de la Fontinette seine Transparenz den Helophyten verdankt. Diese halb im Wasser lebenden Pflanzen, deren Wurzeln und Rhizome im wassergesättigten Boden wachsen, säumen die Teiche und reinigen das Moorwasser auf natürliche Weise. Das klare Wasser ermöglicht den Wasserpflanzen die Photosynthese, wodurch sie das Wasser mit Sauerstoff anreichern. Dadurch wird das Wasser so rein, dass anschließend eine einfache Filterung genügt, um es trinkbar zu machen. Vorsicht jedoch, besonders während Hitzeperioden, da hohe Temperaturen das Wachstum bestimmter Bakterien begünstigen können.
Nun zeigt uns unser Guide die gelben und weißen Seerosen, die die Wasseroberfläche wie Tupfer schmücken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die gehobene Gesellschaft sich für asiatische Kunst und Kultur begeisterte, versuchte man, Lotusblüten zu importieren. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als unmöglich, denn die Blüten halten nur etwa vier Tage, und der Transport aus Fernost dauerte schlicht zu lange. So wurden stattdessen die Seerosen aus den Mooren der Somme, Verwandte der fernöstlichen Lotusblüten, bis in die 1930er Jahre geerntet. Anschließend verlud man sie an den Bahnhöfen von Le Catelet oder Longpré-les-Corps-Saints, von wo aus die Tische der großen Pariser Restaurants und Hotels schmückten.
![]() SchwanLongpré-les-Corps-Saints | ![]() Maison des MaraisLongpré-les-Corps-Saints | ![]() Das Moor im NebelLongpré-les-Corps-Saints |
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![]() TauLongpré-les-Corps-Saints | ![]() Aus dem NebelLongpré-les-Corps-Saints |
Der heilende und nährende Sumpf
Der Sumpf bildet auch ein riesiges Reservoir an Ess- und Heilflanzen. Marc zeigt uns den wilden Hopfen mit seiner beruhigenden Wirkung, das Mädesüß, ein natürliches Aspirin, sowie den Beinwell, aus dem bereits die Römer Umschläge herstellten, um die Heilung von Knochenbrüchen zu fördern. All diese Vegetation muss regelmäßig gepflegt werden, damit die Moore nicht nach und nach von Gehölzen überwuchert werden, von denen sich einige nur sehr langsam zersetzen. Während der sechs Monate dauernden arbeitsfreien Zeit konnten die Torfstecher ihrer eigentlichen Tätigkeit nicht nachgehen. Deshalb wandten sie sich dem Fischfang und der Jagd auf Wasserwild zu, um ihren Eiweißbedarf in dieser Zeit zu decken. Sie waren es auch, die damit begannen, die Moore zu pflegen – eine Tradition, die bis heute von einigen Anglern und Jägern fortgeführt wird.
Libellen, Wasserminze und Wildblumen
Wir setzen unseren Spaziergang rund um den Teich fort. Blumennamen, die Namen von Insekten, Fischen und Vögeln fallen in rascher Folge – ebenso wie Marcs Erklärungen zu ihren Eigenschaften – und lassen den unermesslichen Reichtum eines empfindlichen natürlichen Gleichgewichts erahnen, das es zu bewahren gilt. Grüne, blaue und rote Libellen schwirren um uns herum, jagen einander, paaren sich und lassen sich nieder – wie grazile Farbakzente auf Grashalmen, die sie kaum zum Schwanken bringen. Marc pflückt einen Zweig Wasserminze, deren kräftiger, an Schokolade erinnernder Duft uns auf unserem Spaziergang begleitet. Anschließend zeigt er uns das Gewöhnliche Pfeilblatt und seinen eleganten schneeweißen Blüten mit purpurfarbenen und zartgrünen Herzen. Dann folgen der Wald-Ziest, dessen Blüten an eine Traube winziger Orchideen erinnert, sowie die Kohldistel, deren Blüten zahlreiche bestäubende Insekten anlocken.
Landschaftspflege: Pferde, Kühe… oder doch Schafe?
Wir stoßen noch auf ein paar Angler, bevor wir uns auf den letzten Teil des Rundwegs begeben, einen von Weiden gesäumten Pfad. Während in Long die Sümpfe von Camargue-Pferden gepflegt werden, werden hier im Moment Kühe eingesetzt. Die ausgewählten Charolais-Kühe sind jedoch nicht besonders angetan von dem, was ihnen „auf dem Teller serviert“ wird, und trampeln mehr, als dass sie fressen. Daher sind sie viel weniger effizient als die Pferde aus der Nachbargemeinde; rustikalere Highlands, Ziegen oder Schafe, die das Gehölz fressen würden, würden sich besser eignen. Der Weg, dem wir nun folgen, wird von Dickicht gesäumt. Es wachsen hier Baumfarne, wie man sie aus tropischen Gewächshäusern kennt, und für einen Moment könnte man meinen, man sei in Südamerika.
Das Schweigen der Vögel
Die Strecke, die wir nun einschlagen, führt durch von dichtem Gebüsch gesäumte Abschnitte, in denen Baumfarne wachsen, die an die Pflanzen tropischer Gewächshäuser erinnern. Für einen Moment fühlt man sich beinahe wie in Südamerika. Als wir uns darüber wundern, dass kaum Vögel zu hören sind, erklärt uns Marc, dass sie sich Ende August mitten in der Mauser befinden und deshalb besonders verletzlich sind, weil sie weniger wendig und weniger schnell fliegen können. Deshalb halten sie sich verborgen und lassen ihren Gesang nur noch selten erklingen.
Von gestohlenen Zäunen – und einem ungebrochenen Willen
Unser Spaziergang neigt sich dem Ende zu. Weißdorn, Hagebutten, Holunder, wir laufen an einer wahren Speisekammer für Mensch und Tier entlang. Einziger Wermutstropfen in dieser so unberührten Umgebung: Ein Zaun, der eine Ruhezone schützen sollte, wurde aufgerissen. Seit einem Jahr verschwindet er Stück für Stück. Marc nimmt es mit Gelassenheit. Wenn alles weg ist, soll er durch einen Schafzaun mit größeren Maschen ersetzt ersetzt – für Diebe kaum interessant, dafür aber durchlässiger für manche Tierarten.
Im Reich der Großmutter Fisch
Unser Ausflug neigt sich dem Ende zu. Marc erklärt uns noch die Bedeutung der ungemähten Flächen für die Artenvielfalt. Außerdem erzählt er die alte Legende von Großmutter Fisch, mit der man früher den Kindern Angst machte. Wenn sie sich nicht von den Teichen fernhielten, so erzählte man ihnen, würde die furchteinflößende Alte sie packen und in die Tiefen ihres Reiches hinabziehen. Heute jedoch sind die Gewässer ruhig und klar, und nichts trübt ihre spiegelglatte Oberfläche. In der schönen Jahreszeit herrscht Unbeschwertheit. Großmutter Fisch wird daher bis zu den Winterabenden warten müssen, um aus den Tiefen aus alter Erinnerung wieder aufzutauchen und so manches Kinderherz erschauern zu lassen.
Vom Sportlehrer zum Moorführer: Marc Dallerys ungewöhnlicher Weg
Bevor wir uns verabschieden, frage ich meinen Guide, welche Ausbildung er absolviert hat, um sich ein so umfassendes Wissen anzueignen. Tatsächlich war Marc Sportlehrer mit mobilem Einsatz. Fast zufällig wurde er Leiter der Maison des Marais in Longpré-les-Corps-Saints. Als Mitglied der Planungsgruppe und der Kommission, die mit der Einrichtung des Vogelschutzgebiets von Grand-Laviers betraut war, verfügte er bereits über ausgezeichnete Kenntnisse der regionalen Flora und Fauna. Diese Erfahrung brachte ihn schließlich dazu, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich danke ihm herzlich dafür, dass er sein wertvolles Wissen mit uns geteilt hat. Hoffen wir, dass er seine Begeisterung, die jede seiner Führungen zu einem ganz besonderen Erlebnis macht, noch viele Jahre weitergeben wird.
Praktische Informationen, wenn Sie die Vorzüge der Stille und einer unberührten Natur schätzen.
Warnung!
Das Baden in den Teichen ist verboten. Auch wenn ihr ruhiges, klares Wasser zum Baden einlädt, ist diese Ruhe trügerisch: Sie können schnell zu tödliche Falle werden. Aufgrund der stark unterschiedlichen Wassertiefen und Temperaturunterschiede besteht erhebliche Gefahr. Badegäste können sich leicht in der Unterwasservegetation verfangen, im Schlamm einsinken oder einen Kälteschock erleiden.
Ausflüge von April bis September.
Entdeckung des Moors mit dem Kanu.
Entdeckung der Sehenswürdigkeiten des Torfmoors.
Bukolische Ausflüge in traditionellen Booten.
Ausflüge zur Entdeckung der Vogelstimmen des Sumpfes (Juni).
Auskünfte im Maison des Marais
Rue de l'Ancienne Gare (Straße des alten Bahnhofs)
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 3 22 31 86 93
Facebook: Maison des Marais
Web: Maison des Marais – Longpré-les-Corps-Saints
Geöffnet vom 1. April bis zum 30. September.
Mittwoch bis Sonntag von 9:30 bis 12:30 Uhr und von 13:30 bis 18:00 Uhr
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ZUR LANDKARTE

Entlang der Fahrradroute Vallée de Somme präsentiert sich das Maison des marais (auf Deutsch das Haus der Moore) als ein echter Ausgangspunkt für Entdeckungen. Zwischen Kulturerbe, artenreicher Natur und abwechslungsreichen Aktivitäten unter freiem Himmel lädt es dazu ein, die verborgenen Schätze des Hinterlandes der Picardie kennenzulernen.
Maison des Marais – Zwischen Geschichte und Natur
Direkt an der Fahrradroute Vallée de Somme gelegen, gehörte das Maison des marais ursprünglich dem Notar von Longpré-les-Corps-Saints. Sein Mieter hatte damals das Privileg, mitten in einer unberührten Naturlandschaft zu leben. Im Jahr 2012 wurde das Gebäude in eine Touristeninformation umgewandelt. Heute ist es Ausgangspunkt zahlreicher Naturausflüge: zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf einem mehr als 100 Kilometer langen Netz ausgeschilderter Wege sowie mit dem Kanu oder einem Elektroboot.
Marc Dallery, den ich bereits in Kapitel 4 über die Sümpfe der Somme vorgestellt habe, bietet hier geführte Exkursionen an, bei denen Besucher die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt der Sümpfe des Départements Somme entdecken können.
Mélanie – Mit Leidenschaft für ihre Besucher da
Ich traf Mélanie, die an diesem Tag von Gauthier unterstützt wurde. Mélanie Houbron kam 2016 im Zuge mehrerer Verwaltungsreformen zum Maison des marais. Nach und nach arbeitete sie sich in ihre neue Aufgabe ein, die sie heute mit großer Kompetenz und viel Leidenschaft ausübt. Sie legt großen Wert auf eine persönliche Beratung und geht dabei oft über die eigentlichen Wünsche der Besucher hinaus, um ihnen auch weniger bekannte Seiten der Region näherzubringen. Darüber hinaus kümmert sie sich um die Reservierungen für Besichtigungen und geführte Naturausflüge. Vor allem während der Sommersaison ist ihre Arbeit sehr intensiv. Den Winter nutzt sie, um sich weiterzubilden und die Region, die ihr sehr am Herzen liegt, noch besser kennenzulernen. In dieser ruhigeren Jahreszeit kann sie ihrer sprudelnden Kreativität freien Lauf lassen und zahlreiche neue Projekte entwickeln.
Verborgene Schätze im Herzen der Picardie – eine Einladung zum Entdecken
Während der Europäischen Tage des offenen Denkmals (Journées du patrimoine) im September können Sie Mélanie persönlich kennenlernen. Bei dieser Gelegenheit führt sie Besucher durch die Krypta der Stiftskirche von Longpré (siehe Kapitel 1: Longpré-les-Corps-Saints) und weiht sie in ihre faszinierende Geschichte ein. Die junge Frau bedauert, dass sich viele Besucher von der Küste anziehen lassen und darüber die Schätze des Hinterlandes aus dem Blick verlieren. Wenn Sie die Region während der Saison besuchen, sollten Sie unbedingt ihren Rat einholen – sie kennt die Gegend wie kaum jemand sonst und hält viele wertvolle Tipps für Sie bereit.
Öffnungszeiten
Das Maison des marais in Longpré-les-Corps-Saints ist vom 1. April bis zum 30. September jeweils von Mittwoch bis Sonntag geöffnet.
Vor Ort können Sie außerdem Fahrräder mieten.
Neben einer persönlichen Beratung finden Sie hier zahlreiche Informationsbroschüren und Prospekte. Im kleinen Laden werden Honig und weitere Imkereiprodukte der Imkerei MaMaTi, Kinder- und Erwachsenenbücher sowie in Frankreich gefertigte Souvenirs wie Vogelstimmenpfeifen, Magnete, Leinenbecher oder Postkarten angeboten.
Jeden Freitag findet ein Biomarkt mit regionalen Erzeugern statt. Der Gemüsestand Ché Bio Gardins von Bertrand ist jede Woche vertreten. Pascaline kommt alle zwei Wochen mit ihrem mobilen Lebensmittelladen Du Vrac dans le Bocal, während die Imkerei MaMaTi einmal im Monat ihre Honigspezialitäten anbietet. Auch eine Bäckerei, eine Käserei, Metzgereien und weitere regionale Erzeuger sind regelmäßig auf dem Markt vertreten.
Maison des Marais
Rue de l'ancienne Gare
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 3 22 31 86 93
Internet: https://www.tourisme-baiedesomme.fr/en/
Zum Kapitel 1. LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 2. MAISON RAMAGE - ANTIQUITÄTEN - SEIT 1973
Zum Kapitel 3. WAS TUN IN LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 4. DIE MOORE DER SOMME – LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS

Der Bio- und Regionalmarkt im Maison des Marais in Longpré-les-Corps-Saints besteht seit 2012. Waren die Anfänge noch bescheiden, zieht er heute regelmäßig zahlreiche Besucher an. Die außergewöhnliche Kulisse der Moorlandschaft mit ihrem je nach Jahreszeit, Tageszeit und Wetter ständig wechselnden Licht und Landschaftsbild verleiht dem Markt einen ganz besonderen Reiz. Auch das Angebot der Erzeuger hat sich im Laufe der Jahre erweitert: ein mobiler Biolebensmittelladen, ein Bäcker, ein Imker, ein Anbieter von Milchprodukten aus eigener Herstellung sowie viele weitere Direktvermarkter bieten hier regelmäßig ihre Erzeugnisse an. Lernen Sie nun den Mann kennen, mit dem alles begann und der diesem Freitagnachmittagstermin seit den Anfängen die Treue hält.
Hier haben die Pflanzen das Sagen
Mit seinem Stand für Biogemüse war Bertrand Bouvier der erste Händler auf dem Markt. Der gebürtige Longpréer bewirtschaftet Parzellen in Longpré, nur rund hundert Meter vom Maison des Marais entfernt, sowie im Nachbarort Fontaine-sur-Somme. Während ich auf ihn auf seinem Feld in Fontaine wartete, nutzte ich die Gelegenheit, zwischen seinen Kulturen umherzustreifen. Neben den Folientunneln, aus denen einem schon beim Näherkommen eine drückende Hitze entgegenschlägt, scheinen Kulturpflanzen, Wildblumen und Wildkräuter harmonisch nebeneinander zu gedeihen.
Hier haben die Pflanzen das Sagen. Nichts ist gestriegelt und geschniegelt, nichts streng in Reih und Glied gepflanzt – ganz im Gegenteil, und genau das ist beabsichtigt. „Bevor überhaupt etwas angebaut wird“, erklärt mir Bertrand, „muss zunächst der Boden vorbereitet werden, damit sich die Pflanzen gut entwickeln können.“ Anfangs jätet der junge Gemüsebauer noch von Hand. Doch irgendwann sind die Kulturen kräftig genug, um sich gegen das Beikraut durchzusetzen. So wachsen Topinambur, Wasserminze und Gänsedisteln hier ganz einträchtig nebeneinander.
In den benachbarten Folientunneln wechseln sich Reihen von Tomaten mit Auberginen und Paprika ab. Dazwischen wurden Basilikum, Estragon, Zitronenverbene, Pfefferminze und andere Kräuter gepflanzt, um ein natürliches Gleichgewicht zu schaffen und bestimmte Insekten fernzuhalten oder gezielt anzulocken.
Der Natur ihren Lauf lassen
Etwas weiter erstreckt sich eine Spalierobstanlage mit Apfelbäumen, deren Äste schwer von Früchten beladen sind. Daneben wachsen noch junge Birnen- und Aprikosenbäume. Es wird noch etwa zwei Jahre dauern, bis sie die ersten Früchte tragen. Hier bleibt kein Quadratzentimeter unbewachsen; das hohe Gras verbirgt sogar einen naturbelassenen Teich. Zwischen dem üppigen Grün blüht Borretsch – ein tiefblaues, samtiges Sternchen, das man am liebsten berühren möchte. So weit wie möglich lässt Bertrand der Natur freien Lauf, damit sich Nützlinge ansiedeln können, die Schadinsekten parasitieren oder fressen. Diese Artenvielfalt trägt dazu bei, ein natürliches Gleichgewicht zu schaffen.
Wir gehen am Aussaatgewächshaus vorbei, lassen drei bei den Vögeln besonders beliebten Kirschbäume rechts liegen und gelangen schließlich zum Gewächshaus für Melonen und Wassermelonen. Die Ernte ist für Mitte September vorgesehen. Trotz der Mulchfolie bahnen sich Unkräuter immer wieder ihren Weg; Bertrand zieht einige davon aus. Die Früchte sind noch klein, und hier und da sind noch Blüten zu sehen.
„Dank der heutigen Sorten“, erklärt mir Bertrand, „kann man inzwischen Pflanzen anbauen, die man traditionell mit dem Süden verbindet.“ So kultiviert er beispielsweise einen rosa Knoblauch mit mildem, aromatischem Geschmack.
Ché bio gardins: ein Projekt gegen den Strom
Anfangs hatte der junge Mann in den Vierzigern nicht vor, im Gemüsebau tätig zu werden. Nach einer Kindheit in Longpré, wo er viel Zeit im Garten verbrachte, entschied er sich für ein Agrarwissenschaftsstudium, das er als Forstingenieur mit Schwerpunkt Energieholzproduktion abschloss. Nach seinem Abschlusspraktikum lehnte er ein unzureichend bezahltes Stellenangebot ab und stellte sich die Frage nach seiner beruflichen Zukunft. Dieser leidenschaftliche Gärtner beschloss daraufhin, Gemüseanbauer zu werden und gründete 2011 seinen eigenen Betrieb: Ché bio gardins.
Er, der zuvor nie Pflanzenschutzmittel eingesetzt hatte, änderte nichts an seinen Gewohnheiten. Anfangs stieß er auf große Skepsis seitens der konventionellen Landwirte, die seine Produktionsweise nicht verstanden und möglicherweise dachten, dass diese Modeerscheinung wieder vorübergehen würde. Mit einem schelmischen Lächeln erklärt Bertrand mir, dass seine damaligen Kritiker ihn und etwa ein Dutzend andere Bioproduzenten für – wie er sagt – regelrechte UFOs hielten. Sie lagen damit gründlich falsch.
Vom Feld ins Glas, ohne Umwege – Nähe ist Trumpf
Auch wenn natürliche Produkte derzeit im Trend liegen, bleibt es schwierig, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Diese Situation scheint der Leidenschaft des gebürtigen Longpréers für das Konzept des lokalen Bioanbaus jedoch nichts anhaben zu können. Für ihn wäre es unvorstellbar, dass die Menschen in der Umgebung nicht von seiner Produktion profitieren könnten.
Die Anfänge gestalteten sich zwar finanziell mitunter sehr schwierig, doch das Angebot des Verbands der Baie de Somme, seinen Verkaufsstand 2012 im Maison des Marais aufzustellen, kam genau zum richtigen Zeitpunkt und ermöglichte es ihm, den Verkauf seines Biogemüses dauerhaft zu etablieren. Darüber hinaus erlaubt ihm der extrem kurze Vertriebsweg ohne Zwischenhändler, wettbewerbsfähig zu bleiben und Preise anzubieten, die teilweise sogar unter denen mancher konventioneller Gemüsesorten im Supermarkt liegen.
Der Markt in den Mooren hat ihm außerdem geholfen, durchzuhalten, weiter dazuzulernen und sein Produktsortiment zu erweitern, das sich inzwischen nicht mehr auf Obst und Gemüse beschränkt: Tomaten werden zu Passata verarbeitet und Äpfel zu Saft, einige Gemüsesorten zu Suppen und andere zu Ratatouille.
Für die Verarbeitung des Gemüses setzt er auf die nahe Boulogne-sur-Mer gelegene Konservenmanufaktur Chênelet, eine biozertifizierte Organisation zur sozialen Integration durch Arbeit. Die Äpfel werden dagegen rund vierzig Kilometer entfernt in Bergicourt von Simon Lenoir, einem Produzenten von biologischem Apfelwein und Apfelsaft, zu Saft verarbeitet.
Nicht zuletzt sei erwähnt, dass die Früchte und das Gemüse von Bertrand, die am selben oder am Vortag geerntet wurden, nicht nur besonders geschmackvoll, sondern auch außergewöhnlich lange haltbar. Welcher Supermarkt kann da mithalten?
Ché bio Gardins
Verkauf im Maison des marais in Longpré-les-Corps-Saints, jeden Freitag von 16:30 bis 19:00 Uhr.
Rue de l’ancienne Gare
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Zum Kapitel 1. LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 2. MAISON RAMAGE - ANTIQUITÄTEN - SEIT 1973
Zum Kapitel 3. WAS TUN IN LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 4. DIE MOORE DER SOMME – LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Zum Kapitel 5. DAS HAUS DER MOORE – LA MAISON DES MARAIS
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