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- Le quartier anglais d’Amiens : charme britannique à Saint-Acheul l | La Somme, mon Amour
Une charmante parenthèse britannique: le quartier anglais au cœur d'Amiens. in charmantes britisches Intermezzo: das englische Viertel im Herzen von Amiens. Zurück AMIENS, QUARTIER ANGLAIS Im Herzen von Amiens verbirgt sich ein unerwarteter Schatz: Das englische Viertel von Saint-Acheul. Dieses kleine Stück England auf picardischem Boden bewahrt ein bedeutendes Kapitel der Industriegeschichte und lädt zu einem bezaubernden Spaziergang ein, bei dem der britische Charme ganz im Mittelpunkt steht. Saint-Acheul – ein Viertel voller Geschichte Amiens ist berühmt für seine Kathedrale und den Perret-Turm, die schon aus Kilometern Entfernung die Präsenz dieser großen Stadt ankündigen. Bekannt sind auch die "Hortillonnages" sowie die Verbindung zu Jules Verne. Vielleicht hat man auch vom Viertel Saint-Acheul gehört, das bei Paläontologen und Archäologen auf der ganzen Welt bekannt ist und zusammen mit Abbeville als Wiege der Prähistorienforschung gilt. Das typisch britische Flair, geprägt von Walter Mason Lange, einem visionären Industriellen Doch nur wenige wissen, dass Saint-Acheul eine winzige Enklave beherbergt: das englische Viertel. Mit der Avenue de Londres, der Avenue d’Édimbourg und der Avenue de Dublin überrascht und verzaubert es – inmitten der Stadtlandschaft von Amiens – mit seinen Häusern im typisch britischen Stil, seinen von Balkonen gekrönten Erkerfenstern und den gepflegten Vorgärtchen, die als schmale blumengeschmückte Grünstreifen die Häuser vom Gehweg trennen. Dieses schmucke Viertel verdanken wir Walter Mason Lange, einem englischen Industriellen, der einst dort eine Spinnerei eröffnete. Um 1895 ließ er Häuser im englischen Stil errichten, um seine Angestellten zu unterbringen. Er selbst wohnte in der Chaussée Périgord 35, der heutigen Chaussée Jules Ferry, deren Fassade noch heute ein Porträt seiner Tochter schmückt. Die Telefonzelle aus Darlington – Symbol der Freundschaft und ein einzigartiger Ausblick auf den Perret-Turm Im Jahr 1999 weihte der Bürgermeister der englischen Stadt Darlington eine britische Telefonzelle ein, die seine Gemeinde Amiens geschenkt hatte. Stellt man sich daneben, an der Kreuzung der Chaussée Jules Ferry und der Avenue de Londres, bietet sich einem einen prächtigen Ausblick auf den Perret-Turm am Ende der Straße. Viel Spaß beim Entdecken des Englischen Viertels und, warum nicht, von Saint-Acheul! Eure Kommentare Facebook Zurück
- Antiquitäten und Trödel Antiquités et brocantes | La Somme, mon Amour
Pour les amateurs de chine : les villages et les villes de la Somme vous attendent avec des magasins d’antiquités et de brocante où dénicher toutes sortes de trésors : mobilier, vase, jouets, vaisselle, tableaux… Pour tous les goûts et toutes les bourses ! Ihr stöbert gern? Die Dörfer und Städte der Somme warten mit Antiquitäten- und Trödelläden auf, in denen Sie allerlei Schätze warten entdeckt zu werden: Möbel, Vasen, Spielzeug, Geschirr, Gemälde… Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel! Back Antique & Vintage Antiquités C.Ramage -M.Ignace (Longpré-les-Corps-Saints) Brocante de l’Enclos Picard Antiquité de l’Abbaye Antiquités-brocante, Sandrine Leclerq La brocante du bricoleur Atelier 27
- La frênette, une délicieuse boisson végétale. Die Frênette ein leckeres pflanzliches Getränk | La Somme, mon Amour
La frênette, une boisson ancestrale rafraîchissante, dépurative et désaltérante, avec et sans alcool. On la surnomme aussi champagne de la forêt. Die Frênette, ein erfrischendes, blutreinigendes und durstlöschendes Getränk aus alter Tradition, mit oder ohne Alkohol. Sie wird auch Waldchampagner genannt. FRÊNETTE Zurück Zwar wird Frênette auch noch in einigen anderen Regionen außerhalb der Picardie hergestellt, aber dieses uralte, fermentierte und natürlich prickelnde Getränk, das manchmal auch als Waldchampagner, Elixier der Hundertjährigen oder Eschencidre bezeichnet wird, zählt zu den lokalen Spezialitäten und besitzt wertvolle erfrischende und blutreinigende Eigenschaften. Seinen besonderen Geschmack, ein subtil grünes Aroma zwischen Tonic und Cidre, verdankt es den Blättern der Esche (am besten ganz frisch und voller Saft gepflückt) und der Zichorie. Dieses durststillende Getränk, das man am besten kühl genießt, gibt es als alkoholfreie oder alkoholische Variante mit einem Alkoholgehalt von etwa 1 bis 4 %. Die Frênette aus dem Hause Delobel et Fils, die man häufig an der Somme findet, ist bio und alkoholfrei, was ihrem köstlichen Geschmack keinen Abbruch tut. Gute Adressen Die Cave du Perlé Delobel et Fils bietet das ganze Jahr über kostenlose Besichtigungen an. La Cave du Perlé 50 rue principale 62990 Loison sur Créquoise Tel.: +33 3 21 81 30 85 Fax: 03 21 86 05 80 Mail: contact@leperle.fr Ganzjährig montags bis freitags, 10:00-12:00 Uhr / 14:00-18:00 Uhr. Auch samstags von Mai bis September Empfang auf Französisch und Englisch. Frênette finden Sie aber auch zum Beispiel in Abbeville. La Brûlerie (ein charmantes Geschäft mit regionalen Produkten, in dem es nach dem Kaffee duftet, der vor Ort geröstet wird) in der 13 rue du Pont d’Amour. Täglich außer sonntags geöffnet. Au Temps des Mets , 18 parvis Saint-Vulfran, bietet hauptsächlich Produkte aus der Picardie an. Und schließlich, wenn ihr Lust habt, warum nicht einen Gin Frênette zusammenstellen, als Abwechslung zum Gin Tonic? Guten Durst! Eure Kommentare Facebook Zurück
- Aux bulles d'eau douce Gîte au bord de l’eau avec spa privé - Chalet mit Whirlpool und Seeblick | La Somme, mon Amour
Séjournez au gîte « Aux bulles d’eau douce » à Longpré-les-Corps-Saints : un chalet paisible avec spa privé, vue sur l’étang et nature apaisante. Parfait pour un week-end romantique ou des vacances avec votre chien. Entdecken Sie das Ferienhaus „Aux bulles d’eau douce“ in Longpré-les-Corps-Saints: ein ruhiges Chalet mit Whirlpool, Seeblick und Natur pur. Ideal für Paare, Familien und Urlaub mit Hund. „Aux bulles d’eau douce“, eine zauberhafte Auszeit am Wasser Sehnsucht nach Ruhe – zwischen Himmel und Wasser, eingebettet in grüner Natur? Dann begleitet mich auf eine Entdeckungsreise zu einem liebevoll gestalteten Ferienhaus im Herzen der Somme. Ein Ort voller Wärme und Poesie, an dem Leslie und Vincent mit viel Herz und Sinn fürs Detail einen wahren Rückzugsort für Erholungssuchende geschaffen haben. Ein friedvoller Ort am Wasser – mit Liebe zum Leben erweckt. Lust auf eine Auszeit am Wasser? Um das Gästehaus „Aux bulles d’eau douce“ zu erreichen, folgt man zunächst einer Privatstraße – nur einen Steinwurf vom Dorf Longpré-les-Corps-Saints entfernt. Entlang des Weges reihen sich frühlingshafte Gärten aneinander, gesäumt von den stillen Wassern des Sees, den sich die glücklichen Besitzer der Parzellen im Parc du Bel Air teilen. Leslie erwartet mich bereits. Ich fahre hinein durch das Tor in einer Welt aus Wasser, Himmel und stiller Schönheit. Seit 2016 lebt sie in Longpré und liebt ihr Dorf über alles. 2023 verliebten sie und ihr Lebensgefährte Vincent sich in ein Chalet, das sie in anderthalb Jahren – an jedem Wochenende – mit viel Herzblut, und der wertvollen Unterstützung ihres Freundes Romain, renovierten und modernisierten – die Mühe war es wert: Im Juni 2024 eröffneten sie ihr Ferienhaus. Das Ferienhaus „Aux Bulles d’eau douce“ ist zwar über Airbnb buchbar, aber hier ist nichts anonym: Leslie und Vincent sind nie weit weg – stets aufmerksam und präsent für ihre Gäste. Ein kleines Haus – mit viel Raum zum Atmen und der Natur als ständige Gefährtin Das Chalet besteht aus einem Schlafzimmer, einem großzügigen Wohnraum, einer Küche und einem Bad – doch das Herzstück ist das helle Wohn-Esszimmer mit seiner offenen, hohen Balkendecke aus hellem Holz und der großen Fensterfront, die sich auf eine überdachte Terrasse öffnet. Der Blick schweift hinaus in den kleinen Garten und weiter über das achatgrüne Wasser des Sees – das Innere des Hauses und die Umgebung verschmelzen miteinander. Von Innen aus betrachtet erscheint die Natur wie ein Gemälde und strömt frei herein. Und alles hier ist mit ihr verbunden: die schlichte Einrichtung, die natürlichen Materialien, die durchdachte Funktionalität – und immer wieder der Blick auf das stille Wasser und das junge, zartgrüne Laub, das bald schützend die Privatsphäre der Gäste wahren wird. Frühling in Arbeit – mit Liebe gepflegt Vincent hat geschnitten, getrimmt, geputzt – und den Garten vorbereitet für das große Frühlingserwachen. Die Zweige des Wildkirschenbaums sind bereits in Rosatönen gewandet, der Flieder deutet auf eine bevorstehende Blütenexplosion hin, die Narzissen recken sich stolz in die Höhe, und die letzte Christrose erinnert Ende März daran, dass der Winter sich bald verabschieden wird. Raymond und Huguette, zwei Stockenten, gehen gemächlich ihren Entengeschäften Entenpflichten nach – und würden, wenn man sie ließe, wohl auch gern ins Chalet watscheln. Das gefiederte Paar lässt sich nur mit leichter Mühe vertreiben, um sich dann ein paar Schritte weiter im Gras von der Sonne wärmen zu lassen. Innen wie außen im Einklang mit der Natur und ein Wellness-Highlight: ein Spa mit Ausblick Leslie führt mich weiter: in die voll ausgestattete Küche, ins Bad mit einem Waschbecken wie ein Kieselstein, in das Wohnzimmer, in dem die Grün-, Blau- und Holztöne an die Natur ringsum anknüpfen – und schließlich ins Schlafzimmer, wo zarte Wandornamente wie Sonnenblumen strahlen.Ideal für ein Paar mit zwei Kindern, die sich im Schlafsofa gegenüber der Terrasse gekuschelt Geschichten zuflüstern werden – bis tief in die Nacht hinein. Aber das ist lange nicht alles. Ein kleines Highlight wartet noch auf die Gäste: ein Spa, untergebracht in einem separaten Chalet. Dort lässt sich – bei 39 Grad Wassertemperatur – Sommer wie Winter der unverstellte Blick auf den See genießen. Authentisch und herzlich Zum Abschluss lädt mich Leslie auf einen Kaffee auf dem Holzsteg ein. Wir nippen an unseren Tassen und beobachten dabei die Schwäne, die etwas weiter draußen übers Wasser gleiten. Hier scheint die Welt ganz weit weg zu sein – nur das aufgeregte Zwitschern der Vögel, die Nester für den Frühling und den Nachwuchs bauen, durchdringt die Ruhe. So verlasse ich diesen Ort nur ungern – und verabschiede mich von seiner jungen Gastgeberin, die unser Dorf so sehr liebt. Ich bin sicher: Wir werden uns wieder begegnen. Übrigens , bei Leslie und Vincent sind auch vierbeinige Gäste herzlich willkommen 😊Und für einen angenehmen Start stehen bei Ankunft eine Flasche Apfelsaft der Vergers de Picardie ( https://g.co/kgs/koM2jQw) , die sie aus dem Lokalprodukt Supermarkt Otera in Amiens ( https://www.otera.fr/magasins/otera-amiens ) bezieht, zwei Teebeutel und zwei Kaffeekapseln bereit – eine kleine Aufmerksamkeit, um den Urlaubsbeginn zu versüßen. Eure Kommentare Aux bulles d’eau douce Parc du Bel Air 80510 Longpré-les-Corps-Saints Mail: auxbullesdeaudouce80@gmail.com Internet: https://air.tl/wxr4Pf5L Facebook: Aux bulles d’eau douce Instagram: aux_bulles_deau_douce
- Rue entdecken: Legenden, Kapelle & Belfried, Fliegereimuseum | Baie de Somme – La Somme mon Amour
Rue – Geheimnisvolles entdecken: wundertätiger Christus, mittelalterliche Legenden, Heilig-Geist-Kapelle. Reise in die Vergangenheit: der Belfried mit atemberaubender Aussicht. Pioniere der Luftfahrt: die Gebrüder Caudron und ihr Museum Zum Kapitel 2 - Der Belfried Zum Kapitel 3 - Caudron Museum Ein Streifzug durch Rue in drei Teilen Kapitel 1 Die Heilig-Geist-Kapelle und ihre Legenden Rue, eine Gemeinde mit etwa 3.000 Einwohnern, circa zehn Kilometer vom Meer entfernt gelegen, ist ein Ort der Legenden, Geheimnisse, Intrigen und Abenteuer. Um ihre verschiedenen Facetten zu entdecken, hatte ich mich im Tourismusbüro mit Karine Bellart verabredet, neben Virginie Demarest und Robin Frenel eine der drei für das Kulturerbe zuständigen Mitarbeiter der Stadt. Meine Stadtführerin wollte mir drei bedeutende Orte des lokalen Kulturerbes zeigen: die Kapelle des Heiligen Geistes, das Museum der Brüder Caudron und den Belfried. Bevor wir jedoch den Turm bestiegen, wollte Karine erst wissen, ob ich klaustrophobisch sei – oder zu Höhenangst neige. Obwohl beides auf mich zutraf, machte ich mir keine allzu großen Sorgen: einige Monate zuvor hatte ich ja schließlich die Grotten von Naours auch überlebt. Meine sehr sympathische Führerin, die unerschöpflich über die Geschichte ihrer Stadt erzählen konnte, entführte mich auf eine dreistündige Reise durch zwei Jahrtausende, deren drei Etappen ich Ihnen schildern möchte. Hier nun die erste. Anker 1 Der gestrandete Christus und die Entstehung einer Wallfahrt Verlassen wir nun das Tourismusbüro, überqueren die Straße und betreten die Heilig-Geist-Kapelle direkt gegenüber. Dieses religiöse Gebäude (errichtet von 1440 bis 1514) verdankt seine Errichtung einem wundertätigen Christus am Kreuz, der am ersten Sonntag im August 1101 in Rue strandete. Die Stadt, einst am Meer gelegen, versandete seit langem, was sie zu jener Zeit zu einem Strandhafen gemacht hatte, dessen Verschlammung die Hafenaktivität zunehmend bedrohte. Die Nachricht vom wundertätigen Christus verbreitete sich und zog Pilgerscharen an; die Wirtschaft der Stadt war gerettet. Es heißt, dieser Christus sei Teil einer Dreieinigkeit gewesen, die im 1. Jahrhundert von Nikodemus, dem Jünger Jesu, geschnitzt wurde. Einige Jahrhunderte später soll ein Kreuzfahrer namens Étienne sie in Jerusalem bei einem Christen, einem gewissen Gregor, entdeckt haben. Dieser weigerte sich, sie ihm zu übergeben, und zog es vor, sie in die Hände Gottes zu legen. Er legte sie in drei Boote und übergab sie dem Willen Gottes. Der erste Christus jedoch, der um 742 in Lucca in der Toskana ankam, wo er seitdem aufbewahrt wird, stellt diese Erzählung in Frage, wie die Kunsthistorikerin Claire Labrecque vermutet. Es scheint daher, dass die beiden anderen Christusfiguren – die von Dives-sur-Mer, die ebenfalls auf wundersame Weise in einem Boot an der normannischen Küste ankam, und das Kruzifix von Rue – eher zu einer ikonografischen Familie gehören, die vom italienischen Christus inspiriert ist, da dieser aus dem 8. Jahrhundert stammt, während die beiden anderen um das 12. Jahrhundert geschnitzt worden sein sollen. So fügen sie sich eher in die Tradition der hagiografischen* Erzählungen ein, die im Mittelalter sehr geschätzt wurden. Die Heilig-Geist-Kapelle: ein steinernes Buch Wie dem auch sei, Rue erlebte mit der Ankunft des Kruzifixes einen neuen Aufschwung. Bald reichte selbst die weitläufige Pfarrkirche nicht mehr aus, um die Pilgerströme aufzunehmen, ohne den liturgischen Alltag und die Andacht der Gläubigen zu stören. Es dauerte jedoch bis zum 14. Jahrhundert, bis der Bau der Heilig-Geist-Kapelle in Angriff genommen wurde, die bis 1525 reiche Spender wie Isabella von Portugal oder Ludwig XI. anzog. Rechts in der Kapelle befand sich einst der untere Schatzraum, in dem das Kruzifix ausgestellt war. Heute ist die Nische leer, doch der Raum lebt weiter – bevölkert von Statuen, die einst die Fassade schmückten. Vor der Witterung und dem Zahn der Zeit gerettet, warten diese steinernen Gestalten nun auf eine neue Bestimmung. Ganz hinten rechts führte eine dunkle, enge Treppe mit flachen und ungleichmäßigen Stufen den Pilger, der sie (wie Claire Labrecque betont) möglichst auf Knien erklomm, zum oberen Schatzsaal, wo er seine Gaben hinterlegte, bevor er über eine andere, deutlich besser begehbare Treppe wieder hinabstieg. Dieser Raum, der in der Blütezeit der Wallfahrten zweifellos einer Schatzhöhle aus Tausendundeiner Nacht glich, enthält heute nur noch eine Pietà, einen Messgewandschrank und eine Statue des Heiligen Wulphi, dessen Reliquien man in der danebenliegenden Kirche aus dem 19. Jahrhundert (nach der Zerstörung der vorherigen erbaut) besichtigen kann, die seinen Namen trägt. Vielleicht ist es sogar besser so, denn nichts lenkt den Blick ab vom Reichtum der Dekoration: Hier verschmelzen späte Gotik und Renaissance zu einem filigranen Spitzwerk aus Stein, aus der eine pflanzliche und tierische Welt hervorgeht – mal fantastisch, mal Abbild des regionalen Lebens. Der Weinstock, Symbol des Weinbaus, und der Hopfen, Zeichen des Bierbrauens, gesellen sich zum Meerkohl und bilden den Rahmen, in dem ein fantastisches Bestiarium und außergewöhnliche Gestalten sich tummeln: So begegnet man hier etwa dem Traubenmann, einem Skelett, einem Salamander, einem Fasanenhuhn – oder ist es gar ein Phönix? –, der einen geflügelten Fuchs füttert. Ein Drache lauert indes einer Schnecke auf, bereit, sie zu verschlingen, sobald sie ihr Haus verlässt, während ein anderer Salamander bereits eine weitere Schnecke verspeist. Alles hier erinnert an die Buchmalereien mittelalterlicher Werke; ein Gebäude wie ein steinernes Buch, reich an Symbolen und Erzählungen. Ganz wie die Randverzierungen in Handschriften bilden Pflanzen, Tiere und Fantasiegestalten hier eine visuelle Sprache, die die Gläubigen im Mittelalter noch zu deuten wussten. Mit Ausnahme der heute im oberen Saal aufbewahrten polychromen Pietà wurden während der Revolution alle Figuren der Tympanon-Szenen über das Leben Jesu sowie die des heiligen Wulphi enthauptet. Die Hand Christi: Von der revolutionären Raserei zu Napoleons Feldzügen Das Kruzifix wurde 1793 verbrannt. Von Reue ergriffen, rettete ein Soldat die rechte Hand Christi und vertraute sie einer Nachbarin, Madame Dupont, an, die sie mehrere Jahrzehnte lang aufbewahrte. Der Daumen wurde davon abgetrennt und Joseph Charlet, genannt Morand, übergeben, der zu den Armeen aufbrach. Madame Dupont nähte ihn für die napoleonischen Feldzüge in den Saum von Josephs Hose. Der Mann, der unversehrt in seine Heimat zurückkehrte, war anwesend, als die Hand Christi in der Kapelle aufgestellt wurde. An dieser Hand, die sich heute hinter dem Altar der Kapelle befindet, fehlte jedoch weiterhin der Daumen. Wenn man von der Annahme ausgeht, dass sich die Ikonographie am Santo Volto von Lucca orientiert – dargestellt stehend, in einer langen Tunika, mit offenen Augen und waagrecht sowie symmetrisch ausgestreckten Armen –, ließ sich der aus Rue stammende Künstler Albert Siffait de Moncourt davon in einem seiner auf Leinwand aufgezogenen Wandbilder mit dem Titel „Die Ankunft des wundertätigen Kruzifixes“ inspirieren, obwohl das Kruzifix von Rue zum Zeitpunkt der Entstehung seines Werkes bereits nicht mehr existierte. Dagegen entspricht der Christus, der auf dem geschnitzten Holzaltar zu sehen ist, der von den Brüdern Duthoit bei der Restaurierung der Kapelle im 19. Jahrhundert geschaffen wurde, vermutlich dem Stil des Kruzifixes von Rue, wenn man das in der hängenden Schlusssteine eines der drei Gewölbe des Kirchenschiffs geschnitzte Kruzifix oder jene betrachtet, die in der Archivolte des Eingangsportals des Kirchenschiffs dargestellt sind. Dieser Hochaltar wurde 1850 von den Brüdern Duthoit geschaffen und gestiftet. Da jedoch keine detaillierte Beschreibung des ursprünglichen Kruzifixes von Rue vor seiner Zerstörung existiert, bleibt jede Aussage über sein genaues Aussehen hypothetisch – und das Geheimnis ungelüftet. Die anderen Fresken der Kapelle: Königliche Huldigung und mittelalterliches Wunder Der Künstler, der mit der Ausschmückung der Kapelle beauftragt war, hatte zudem zwei weitere Fresken geschaffen: die Wallfahrt Ludwigs XI. – eines großen Gönners der Kapelle – und das Pferdewunder, das eine mittelalterliche Episode schildert. Damals hatten die Bewohner von Abbeville vor dem Pariser Verwaltungsgericht die Übergabe des Kruzifixes gefordert: Sie argumentierten, Rue sei nicht in der Lage Angriffen potentieller Feinde standzuhalten und riskiere so, das wundertätige Kreuz zu verlieren. Die Legende erzählt, dass die vier Pferde, die vor den Karren gespannt waren, um das Kruzifix nach Abbeville zu bringen, sich plötzlich weigerten, weiterzugehen – als wären sie von Gottes Hand festgehalten. Stattdessen drehten sie um und brachten ihre kostbare Fracht zurück auf den Kirchplatz von Rue. Gott hatte entschieden: Das Kruzifix blieb in Rue. Heute bietet sich die Heilig-Geist-Kapelle dem Besucher als eine fesselnde Erzählung dar, abwechselnd Hommage an Gott, fantastisches Märchen oder Kapitel der Geschichte, die uns durch ihre Legenden bis in die Zeit der Jünger Christi entführt und es uns ermöglicht, durch die Epochen zu navigieren. Dafür muss man nicht einmal die gesamte Kapelle besichtigen, es genügt einfach einzutreten, im Narthex** stillzustehen und die Ruhe und das Wunderbare auf sich wirken zu lassen. Hier endet der Besuch der Heilig-Geist-Kapelle. Im zweiten Teil meines Streifzugs durch Rue werden wir 76 Stufen erklimmen und dem Maler Albert Siffait de Moncourt wieder begegnen. * Die Hagiographie bezeichnet erbauliche Erzählungen aus dem Leben von Heiligen, die Legenden, Wunder und Tugenden dieser Personen vermischen. ** Eingangshalle NACH OBEN Kapitel 2 Der Belfried Kommt mit zum Belfried von Rue, wo ich dem Maler Albert Siffait de Moncourt wieder begegnet bin und ich die 76 Stufen der Wendeltreppe zum Wehrgang erklommen habe. Anker 2 Eine Stadt emanzipiert sich Nach der Kapelle des Heiligen Geistes zeigte mir meine unermüdliche Stadtführerin Karine Bellart den Belfried von Rue – im Mittelalter ein Symbol der Emanzipation, wenn auch nur teilweise, von der herrschaftlichen Gewalt. Bereits 1147 oder1170 verfügte die Stadt Rue über Freiheiten, die Jean de Ponthieu ihr gewährt hatte. Erst 1211 jedoch bestätigte sein Sohn Guillaume diese Rechte durch eine Stadturkunde (die in den 1990er Jahren unglücklicherweise entwendet wurde). Diese Urkunde räumte den Bürgern der Stadt das Privileg ein, sich selbst zu verwalten, Recht zu sprechen, Steuern zu erheben und sogar Glocken zu läuten. Diese Rechte führten zur Errichtung eines ersten hölzernen Turms. Wohl während des Hundertjährigen Krieges zerstört, wurde er 1448 in Stein wieder aufgebaut – ob genau am selben Ort wie der erste, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Vom gotischen zum neugotischen Stil Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Belfried auf der Rückseite erweitert. Dort entstand ein Sitzungssaal für die Verhandlungen des Friedensrichters sowie eine Wohnung für den Hausmeister. Umbauten in den 1860er-Jahren gaben dem Belfried sein heutiges Erscheinungsbild im damals vorherrschenden neugotischen Stil. Der Turm erhielt vier Ecktürmchen in Kragbauweise mit spitzen Dächern sowie einen Dachreiter, der eine Uhr und die Glocke des eingestürzten Kirchturms aufnahm. Albert Siffait de Moncourt – ein Liebhaber seiner Stadt Beginnen wir am Anfang, genauer gesagt in der ehemaligen Gerichtsstube, wo ich Albert Siffait de Moncourt wiederbegegnet bin. Der postimpressionistische Maler wurde 1858 in Nantua, im Département Ain, geboren und kam im Alter von etwa zwei Jahren nach Rue, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Der leidenschaftliche Geschichtsfreund und Kenner seiner Region, der bereits drei Fresken für die Kapelle des Heiligen Geistes geschaffen hatte, bot 1898 an, den Saal zum Selbstkostenpreis auszuschmücken. So sind heute acht auf Leinwand aufgezogene Wandbilder zu sehen, die zwischen 2022 und 2023 restauriert wurden und das lokale Leben darstellen. Sie entführen uns in das späte 19. Jahrhundert, das der Künstler mit beinahe fotografischer Genauigkeit in einem rustikalen, lebendigen und detailreichen Stil einfängt – fast wie eine Erzählung. Nur das Bild zur Industrie zeigt eine düstere Szene: Schornsteine stoßen dichten schwarzen Rauch aus und erinnern an Motive der realistischen Literatur jener Zeit. Tatsächlich handelt es sich um eine Darstellung der Zuckerindustrie, im Spätherbst oder im frühen Winter, wenn die Rüben geerntet werden – daher die Szene in gedämpftem Licht, in der sich ein unruhiger Himmel in großen, stillen Wasserlachen spiegelt. Ein Kriegstagebuch verbindet ehemalige Gegner Albert war ein echter Zeuge seiner Zeit: Zu jung, um im Krieg von 1870 eingezogen zu werden, meldete er sich 1914 im Alter von 55 Jahren freiwillig – in der Hoffnung, seinem Sohn folgen zu können. Dieser Wunsch erfüllte sich erst 1917, und auch nur für wenige Monate. Sein Sohn wurde dem Senfgas ausgesetzt und starb leider kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Albert, der als Meldegänger eingesetzt war, führte ein Kriegstagebuch, in dem er seine Eindrücke während seiner zahlreichen Wege zu Pferd festhielt. Darin schrieb er unter anderem: „Ich hörte einen Soldaten sagen, als ich an ihm vorbeiritt: ‚Der Alte da reitet wie ein Zivilist.‘ Von all den Lobesworten, die ich während des Krieges erhalten habe, hat mich dieses besonders berührt.“* Daraus lässt sich schließen, dass Albert – anders als viele in der Kavallerie – bereits vor 1914 reiten konnte. Die Jahre vergehen. 1940 wird Rue besetzt. Ein deutscher Soldat, Martin Damm, entdeckt das Kriegstagebuch, das in Alberts Haus zurückgeblieben war, und nimmt es mit nach Deutschland. Martins Witwe findet es 2002 auf dem Dachboden ihres Hauses in einem Möbelstück wieder. Dank der französischen Ehefrau von Martin Damms Enkel und der beharrlichen Nachforschungen der Familie Damm findet das Tagebuch schließlich den Weg zurück nach Frankreich. Am 14. Juni 2003 wird es in Abbeville bei der Eröffnung einer Ausstellung über Albert Siffait de Moncourt offiziell an die Nachfahren des Malers übergeben – durch Helmut Damm, den Sohn Martins, gemeinsam mit seiner Frau sowie ihrem Sohn Stefan Damm und dessen französischer Ehefrau Nadia. So haben die zwei größten Konflikte des 20. Jahrhunderts am Ende doch einstige Feinde zusammengeführt. Ein Ort wie ein offenes Buch Verlassen wir nun die Welt von Albert Siffait de Moncourt und beginnen den Aufstieg über die ungleichmäßigen Stufen der Wendeltreppe, ursprünglich dazu gedacht, mögliche Angreifer auszubremsen, hinauf in einen Raum mit gotischem Gewölbe. Dort kann der Besucher unter anderem eine Nachbildung der Befestigungsanlagen von Rue sowie die Siegel der Stadt entdecken. Im zweiten Stock gelangt man in die ehemalige Wachstube mit angeschlossener Gefängniszelle. Der Überlieferung nach hieß es damals: „Morgens verhaftet, mittags gerichtet, abends gehängt“ – zweifellos eine Übertreibung. Die Wände dieses Raumes tragen noch heute Spuren vergangener Zeiten: historische Graffiti in Form von Windmühlen oder einem Schiff, Maskarons, die gekrönte Köpfe darstellen, und – aus jüngerer Zeit, aber nicht weniger bewegend, da sie uns mit der modernen Epoche verbinden – kleine Fläschchen des feinen Öls „La Jurassienne“, ordentlich auf einem Regal aufgereiht. Dazu kommen, mit Kreide auf das rohe Holz geschrieben, die Besuchsdaten und die Namen der Handwerker, die die Uhr warteten – bis zu jenem Tag, an dem der letzte von ihnen „elektrische Anlage 1964“ vermerkte. Nach der Anstrengung die Belohnung Nur wenige Stufen weiter betritt der Besucher den Wehrgang – breit genug und mit einem ausreichend hohen Geländer ausgestattet, sodass ich nicht Gefahr laufe, vor Schwindel gleich die Flucht zu ergreifen. Die Belohnung nach den 76 Stufen? Bei klarem Wetter reicht der Blick bis zu den Kreidefelsen der Côte d’Albâtre (Alabasterküste), zu den bewaldeten Dünenzügen von Saint-Quentin-en-Tourmont, zum Wohnhaus von Albert Siffait de Moncourt und sogar zum Verlauf der ehemaligen Stadtmauer, der heute durch eine Anreihung von Nachkriegsbauten sichtbar wird. Nach dieser erfrischenden Pause machten meine Begleiterin und ich uns wieder an den Abstieg und steuerten die letzte Etappe meines Streifzugs durch Rue an: das Museum der Brüder Caudron. Im dritten Teil erzähle ich die Geschichte von Gaston und René Caudron. Sie beginnt auf dem Bauernhof von Romiotte, wo sie – von der Luciole, ihrer Stute, gezogen – ihren ersten Flug unternahmen, und führt über den Aufstieg ihres Unternehmens bis nach China. Außerdem geht es um die Piloten und Pilotinnen, die in Le Crotoy ausgebildet wurden, sowie um ihre Leistungen und Schicksale. Quellen Plateforme ouverte du patrimoine https://pop.culture.gouv.fr/notice/merimee/IA80001214 * Albert Siffait de Moncourt https://www.daras.eu/asm/vie-peintre/ Eine Besichtigung des Belfrieds ist nur im Rahmen einer Führung möglich (Siehe Infos am Ende) NACH OBEN 3. Kapitel Das Museum der Gebrüder Caudron Das Fremdenverkehrsamt von Rue und das Caudron-Museum teilen sich ein Gebäude gegenüber der Heilig-Geist-Kapelle. Um zu den Sammlungen zu gelangen – bestehend aus Modellen, Trophäen und Fotografien – durchquert man zunächst das Touristenbüro, über dem ein Ornithopter schwebt und seine Flügel aus Baumwolle und Weidenholz zum Willkommensgruß ausbreitet. Dieses Modell im Maßstab eins zu zwei eines Flugapparats, den der preußische Ingenieur Otto Lilienthal entworfen hatte, erinnert zugleich daran, dass auch Lilienthal das Schicksal vieler Luftfahrtpioniere teilte: Am 9. August 1896 stürzte Lilienthal bei einem Flugversuch am Gollenberg tödlich ab. Doch das Museumsmodell lädt den Besucher dazu ein, in die Geschichte der Fliegerei einzutauchen – an der Seite zweier Brüder, denen eine Karriere als Flugzeugbauer kaum vorherbestimmt schien. Lassen wir diese Flugmaschine, diesen Ikarus-Traum, der wie aus einem Kodex von Leonardo da Vinci entsprungen scheint, hinter uns und begrüßen wir die beiden Hauptfiguren unserer Geschichte. Anker 3 Unzertrennlich Am Eingang des Museums stehen zwei Marmorbüsten, die nichts von dem außergewöhnlichen Abenteuer der unzertrennlichen Brüder erahnen lassen: rechts Gaston, der ältere, mit noch leicht kindlichen Gesichtszügen und ernstem Ausdruck; links René, jugendlicher und, man möchte fast sagen, verführerisch. Zwei Brüder aus bäuerlichem Milieu, denen keine Laufbahn als Flugzeugbauer vorherbestimmt schien und die dennoch 10.330 Flugzeuge bauten und in ihren Flugschulen (Le Crotoy, Ambérieu en Bugey, Guyancourt-Voisins-le-Bretonneux, Royan et Rochefort-sur-Mer) nahezu 9.000 Piloten ausbildeten. Im Jahr 1900 sind Gaston sechzehn und René vierzehn Jahre alt, als die Familie die Ferme du Thurel verläßt – wo die Eltern als Landarbeiter tätig waren –, um die Ferme de Romiotte in Ponthoile zu pachten. Jahre später werden sie dort ihre ersten Flüge unternehmen. Gaston, ein fleißiger und exzellenter Schüler, träumt davon, Ingenieur zu werden. René hingegen interessiert sich vor allem für Sport. Doch beide entwickeln eine Leidenschaft für Mechanik und für die verschiedensten und mitunter gefährliche Experimente. Die Luftfahrt steckt noch in den Kinderschuhen, doch Konstrukteure und Piloten wecken bereits die Begeisterung der Öffentlichkeit. Das Publikum verfolgt fasziniert die Leistungen von Clément Ader, dem die Erfindung des Wortes „Avion“ – der französischen Bezeichnung für Flugzeug – zugeschrieben wird, von Louis Blériot, der 1909 den Ärmelkanal überquert, oder von den Brüdern Wright, Orville und Wilbur, die 1903 das erste motorisierte Flugzeug erfolgreich erproben. 1904 erhalten die Brüder Wright in Frankreich ein Patent für ihre Flugzeuge. Vier Jahre später reist Wilbur nach Le Mans, um dort Vorführungen zu geben, insbesondere kontrollierte Kurvenmanöver und längere Flüge. Optimismus und Beharrlichkeit Zu jener Zeit befinden sich Gaston und René noch in ihrer „Bastelphase“. Ihr Wunsch, ein zweimotoriges Flugzeug zu bauen, scheitert: Die bestellte Lieferung trifft nicht ein. Um 1908 hat Gaston, seit einem Jahr mit Charlotte Devisme verheiratet und Vater der kleinen Odette geworden, den Wein- und Spirituosenhandel seines Schwiegervaters im nahen Städtchen Rue übernommen. René hingegen ist auf dem Hof von Romiotte geblieben. Doch ihr Traum lebt weiter: Nachdem der Bau eines motorisierten Flugzeugs gescheitert ist, beschließen die Brüder 1909, ihre Stute Luciole vor dem Segelgleiter zu spannen. René nimmt darin Platz, während Gaston, vorsichtiger Familienvater, die Zügel hält. Noch heute erinnert eine Stele gegenüber dem ehemaligen Familienhof an die ersten, noch geradlinigen Flüge der beiden Pioniere, die sie immerhin auf eine Höhe von rund fünfzehn Metern führten. Errichtet wurde die Stele im Mai 1938 von Freunden und Bewunderern der Caudron-Brüder unter der Schirmherrschaft des Aéro-Club de France und auf Initiative ehemaliger Angehöriger der Escadrille 202. Sie trägt folgende Inschrift: „Ihr, die ihr hier vorbeikommt, sollt wissen, dass an diesem Ort im Jahr 1909 zwei Männer aus der Picardie, Gaston und René Caudron, ihre ersten Flüge mit einem von ihnen selbst entworfenen und gebauten Flugapparat unternahmen. Seit jenem denkwürdigen Tag ist ihr Name für immer in die Geschichte der Luftfahrt eingegangen.“ Der Aufstieg Dank ihrer Hartnäckigkeit und der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern verbessern Gaston und René stetig ihren Flugapparat. So gelingt es ihnen erstmals, zehn Kilometer am Stück zu fliegen. Im Frühling desselben Jahres gründen sie ihre Fabrik in Rue, über deren Eingang stolz die Aufschrift „AÉROPLANES CAUDRON FRÈRES“ prangt. Gleichzeitig eröffnen sie eine Flugschule in Le Crotoy, direkt am Meer, wo weder Vegetation noch Geländerelief die Flugübungen der angehenden Piloten behindern. Die Schüler werden in Le Crotoy ausgebildet und erwerben dann ihre Flugzeuge in Rue. Nun floriert das Geschäft – auch wenn die Produktion noch handwerklich geprägt bleibt. Es waren jedoch das Interesse der Armee an Caudron-Flugzeugen und der Krieg, die das Unternehmen zur Großindustrie katapultierten, seinen Ruhm begründeten und zur Zusammenarbeit mit Renault führten. Zuvor waren etwa 9.000 Piloten bei Caudron ausgebildet worden: Flieger wie der legendäre Jules Védrines, der 1919 auf dem Dach der Galeries Lafayette landete, Adrienne Bolland, die 1921 als erste Frau die Anden mit dem Flugzeug überquerte, der Schweizer François Durafour, der im selben Jahr auf dem Mont Blanc landete, oder Bessie Coleman, eine Ikone des Kampfes gegen die Rassentrennung, die als erste afroamerikanische Pilotin und als erste schwarze Frau überhaupt 1921 einen Pilotenschein erwarb. Zu den Schülern der Flugschule in Le Crotoy gehörte auch ein junger Mann aus dem Dorf Longpré-les-Corps-Saints : Philippe Marty, dem nur eine kurze, wenn auch kometenhafte Karriere beschieden war. 1911 als Mechaniker angestellt, erhielt er 1912 im Alter von 19 Jahren seinen Pilotenschein und wurde im gleichen Jahr Chefpilot. Für eine glänzende Zukunft bestimmt, führte er schon bald Flugvorführungen durch, die ihn bis nach Schottland brachten, wo seine kühnen Kunstflüge ihm jubelnden Beifall einbrachten. Doch diese vielversprechende Karriere endete tragisch in England. 1913 verließ Marty die Caudron-Werke, um als Chefpilot zu der Grahame White Company in London zu wechseln. Während einer Kunstflugvorführung in Hendon kam er am 26. April 1914 ums Leben, als er einen Spiralsturzflug ausführte. Wenige Tage zuvor war er 21 geworden. Sein Leichnam wurde nach Longpré überführt, wo er neben seinem älteren Bruder Maurice ruht, der für Frankreich am 29. Oktober 1914 im Alter von 33 Jahren fiel. Vom Ersten Weltkrieg bis in die Zwischenkriegszeit 1913 nehmen die Spannungen in Europa zu und der Krieg zeichnet sich am Horizont ab. Allmählich beginnt sich auch das Militär für die Gebrüder Caudron zu interessieren. Im selben Jahr stellen sie ihren Doppeldecker dem französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré und dem spanischen König Alfons XIII vor. Der wachsende Ruf der Caudron-Flugzeuge erreicht China, das 12 Maschinen bestellt. Während die Flugzeuge in Einzelteilen mit dem Schiff transportiert werden, reist René mit einigen Arbeitern aus der Fabrik in Rue mit der Transsibirischen Eisenbahn ins Reich der Mitte. Vor den staunenden Augen ihrer chinesischen Kunden gelingt dem Schreiner Boffa und dem Mechaniker Martinèche das Kunststück, jedes Flugzeug innerhalb von dreißig Minuten zusammenzubauen. Der französische Konstrukteur und sein Testpilot Émile Obre führen anschließend die Flugtests durch. Bei diesen Tests entstehen die ersten Luftaufnahmen der Verbotenen Stadt – ein Ereignis, das einen Meilenstein in der Geschichte der Fotografie darstellt. Im August 1914 bricht der Krieg aus, und die deutschen Truppen rücken in Richtung Küste vor (im September erreichen sie Amiens). Um dem Vormarsch der deutschen Armee zu entgehen, wird die Verlegung der Fabrik nach Lyon angeordnet. Gaston, der das Unternehmen leitet, wird beauftragt, Prototypen zu entwerfen, die den Anforderungen des Militärs entsprechen, während René in die Nähe von Paris, nach Issy-les-Moulineaux, abkommandiert wird, um eine zweite Fabrik aufzubauen, die bis zu 1.300 Arbeiter beschäftigen wird. Ab 1915 arbeitet er dort mit Henry Potez und Marcel Bloch – dem späteren Marcel Dassault – an der Serienproduktion des Flugzeugs G3 zusammen. Angesichts der wachsenden militärischen Nachfrage und des Bedarfs an einer raschen Produktionssteigerung stellen Gaston und René ihre Konstruktionen aus patriotischem Pflichtgefühl und zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen auch ausländischen Herstellern zur Verfügung. Dabei verzichten sie auf Lizenzgebühren. So werden Caudron-Flugzeuge in England, Italien, dem Russischen Reich, den Vereinigten Staaten, Spanien und Belgien gefertigt, allerdings jeweils mit lokalen Anpassungen. Am 12. Dezember 1915 testet Gaston, wie gewohnt, einen seiner Prototypen. Doch an diesem Tag zerbricht das Flugzeug in der Luft, fängt Feuer und stürzt ab. Der ältere der Caudron-Brüder kommt dabei ums Leben – im Alter von nur 33 Jahren. Er hinterlässt seine Ehefrau Charlotte und seine damals erst sieben Jahre alte Tochter Odette. Trotz dieses schmerzhaften Verlustes bleibt René an der Spitze des Werks in der Pariser Vorstadt. Die Caudron-Staffeln setzen den Kampf mit den in Issy-les-Moulineaux gebauten Flugzeugen fort, während Überführungspiloten die Maschinen testen und anschließend zu den Ausbildungsstätten oder an die Front fliegen. Die seit August 1914 geschlossene Flugschule von Le Crotoy, nimmt 1915 den Unterricht wieder auf, um dem erhöhten Bedarf an Piloten nachzukommen, und führt ab 1917 eine spezielle Bombenabwurf-Schulung ein. Luftasse Bessie Coleman Luftasse François Durafour Luftasse Adrienne Bolland Luftasse Philippe Martys Grab in Longpré-les-Corps-Saints Luftasse Sadi-Joseph Lecointe Vom Kriegsende zum Aufschwung von Caudron Der Krieg endet, und das Unternehmen Caudron floriert weiter – selbst nach der Schließung der Flugschule 1928, als die Gemeinde Le Crotoy beschließt, den Strand für Badegäste zu öffnen und den Tourismus zu fördern. Das Ende des Ersten Weltkriegs, von dem man gehofft hatte, er werde der letzte aller Kriege sein, bedeutet zugleich das Ende der militärischen Aufträge. René schließt die Fabrik in Lyon und sieht sich gezwungen, zwei Drittel der Belegschaft zu entlassen. In Issy-les-Moulineaux läuft das Geschäft unter den schwierigen Bedingungen der internationalen Konkurrenz wieder an. René passt seine Strategie an und diversifiziert die Produktion: Wasserflugzeuge, Transportmaschinen, Reise- und Sportflugzeuge und – zurück zu den Wurzeln – Schulflugzeuge. So entsteht der Caudron Luciole, eine Hommage an die Stute, die die ersten Schritte des Luftfahrtabenteuers der Gebrüder begleitet hatte. Dieses robuste Flugzeug, ausgestattet mit einem Renault-Motor, ist speziell dafür konzipiert, Fehler von Flugschülern zu verzeihen. Es wird zu einem der beliebtesten Schulflugzeuge seiner Zeit. Trotz der hervorragenden Qualität der Flugzeuge, des Innovationsgeistes und des guten Rufs der Société des avions Caudron bleibt die Luftfahrtindustrie durch den Börsenkrach von 1929 geschwächt. Das Unternehmen benötigt frisches Kapital, um sich zu modernisieren. Zu dieser Zeit möchte Louis Renault, der bereits seit dem Ersten Weltkrieg Flugmotoren herstellt, sein Engagement in der Branche ausbauen. So entsteht die Société Anonyme des Avions Caudron (SAAC), an der Renault mit 55 % eine Mehrheitsbeteiligung übernimmt. Obwohl René nun Minderheitsgesellschafter ist, setzt er die Arbeit mit seinem technischen Leiter Marcel Riffard und sechs brillanten Ingenieuren fort. Gemeinsam produzieren sie Flugzeuge, die den kühnsten Leistungen der großen Pilotinnen und Piloten ihrer Zeit gerecht werden. An ihren Steuerknüppeln werden zahlreiche Rekorde in Geschwindigkeit, Reichweite und Flughöhe aufgestellt. Dem Zweiten Weltkrieg entgegen und darüber hinaus Noch vor der Schließung der Flugschule in Le Crotoy 1928 hatte René bereits 1926 die Schule in Ambérieu-en-Bugey übernommen. Nun eröffnet er drei weitere. Die Vorboten eines neuen Krieges zeichnen sich ab, und die Spannungen in Europa nehmen zu. René, frisch verheiratet, verkauft seine restlichen Anteile an Renault und verlässt die SAAC 1937. Die Fabrik wird im Juni 1940 beschlagnahmt und arbeitet fortan unter der Kontrolle der Besatzer. Nach der Befreiung wird das Unternehmen verstaatlicht und in die Ateliers aéronautiques d’Issy-les-Moulineaux umgewandelt. Doch der Kreis schließt sich erst wirklich nach dem Krieg, als 300 Segelflugzeuge des Typs Caudron Épervier – ein Modell, das bereits 1940 entworfen worden war – produziert werden. Sie erinnern daran, dass einst zwei junge, von Begeisterung getragene Pioniere und eine Stute namens Luciole mit einem motorlosen Fluggerät den Himmel eroberten. Fast 45 Jahre nach Gaston stirbt René am 27. September 1959 in der Somme. An einem Sonntag mit der Familie, während die Männer auf der Jagd sind und die Frauen in der Küche arbeiten, legt er sich für ein Nickerchen hin – und schläft für immer ein. Wenige Monate zuvor hatte er mit Weggefährten noch das fünfzigste Jubiläum seines ersten Fluges mit seinem älteren Bruder gefeiert. In Rue wurde die ehemalige Fabrik der Gebrüder Caudron (Aéroplanes Caudron Frères) abgebaut. Aber das Musée des frères Caudron ehrt sie sowie alle Männer und Frauen, die sie bei der Eroberung des Himmels begleiteten. Auch die nahe Stadt Le Crotoy hat sie nicht vergessen: Straßennamen, das Hôtel Les Aviateurs oder der Chemin des Avions in Strandnähe erinnern daran, dass dieser Badeort einst eine Wiege und ein bedeutendes Zentrum der Luftfahrt war. Danksagungen Ich danke Arlette Sanchis , dass sie mir erlaubt hat, einige ihrer Illustrationen zu verwenden, um Kapitel 3 über das Musée des frères Caudron zu bereichern. Ein herzliches Dankeschön an die Mitarbeiter:innen des Denkmalpflegeteams der Stadt Rue: Karine Bellart für ihre wertvollen Informationen und ihre wohlwollenden Korrekturen; Virginie Desmarest dafür, dass sie mir geholfen hat, den Kontakt zu Karine herzustellen – und darüber hinaus; Robin Frenel für seinen Empfang und seine Höflichkeit. Allen dreien danke ich für ihren Elan, ihr Engagement und ihre Freundlichkeit. NACH OBEN Karine Bellart Robin Frenel Virginie Desmarest Denkmalschutz & Tourismusbüro 10 Place Anatole Gosselin 80120 Rue Karine Bellart, Virginie Demarest und Robin Frenel bilden das Denkmalpflege-Team. Im Tourismusbüro, das sich seine Räume mit dem Museum der Brüder Caudron teilt, heißen Ihnen Virginie und Robin das ganze Jahr über mit einem Lächeln willkommen: Dienstag bis Samstag von 9:30 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 17:00 Uhr. Geschlossen sonntags, montags und an Feiertagen. Telefon: +33 3 22 25 69 94 E-Mail: servicedupatrimoine.rue@gmail.com Website: www.rue-baiedesomme.com Facebook: Rue en Baie de Somme Kapelle zum Heiligen Geist (Chapelle du Saint-Esprit) Place Anatole Gosselin 80120 Rue Öffnungszeiten: Von Mitte Januar bis Mitte Dezember, Dienstag bis Samstag, 10:00-16:30 Uhr Belfried (Beffroi) Rue des Remparts 80120 Rue Sankt-Wulphy-Kirche (Église Saint-Wulphy) 1bis Rue Ernest Dumont 80120 Rue Um die Kirche Saint-Wulphy zu besichtigen, in der die Reliquien des heiligen Wulphy aufbewahrt werden, geht man einfach rechts an der Kapelle vorbei, längs am Fachwerkhaus – die Kirche befindet sich direkt dahinter. Öffnungszeiten: Täglich von 10:00–17:00 Uhr. Die heilige Messe findet jeden Sonntagmorgen (außer in Ausnahmefällen) um 11:00 Uhr statt. NACH OBEN Teilen Zurück zu WELTKRIEGE Zurück zu KULTURERBE
- Moules | La Somme, mon Amour
Miesmuscheln, Crème Fraîche, Lieblingsgerichte, Restaurants, kulinarische Tradition, Somme, Bouchots, Pfählen, Seile, jodhaltig, muskulöses Fleisch, Muschelzucht, züchten, Pfähle, Rezept, Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie, Karotten, Butter, Weißwein, Petersilie, moules, crème, maroilles, plats préférés, restaurants, moules-frites, tradition culinaire, pieux, cordes, marées, saveur iodée, chair musclée, recette, oignons, gousses ail, céleri, carottes, crème fraîche, beurre, vin blanc, persil. MOULES À LA CRÈME Miesmuscheln in Crème Fraîche- oder Maroillessauce gehören zu meinen Lieblingsgerichten. Dass ich sie noch nie zubereitet habe, liegt schlicht daran, dass ich sie am liebsten in einigen Restaurants genieße, deren Adressen zusammen mit dem Rezept ich euch am Ende verrate. Die Franzosen verdanken die Moules-Frites zwar ihren belgischen Nachbarn, aber das Gericht ist in der kulinarischen Tradition Frankreichs fest verankert. An der Somme werden sie auf "Bouchots" gezüchtet. Es handelt sich um in Linien aufgestellten Pfählen, auf denen Seile spiralförmig aufgewickelt sind, auf denen die Muscheln festgesetzt sind. Das Auftauchen und Eintauchen der Muscheln im Wechsel der Gezeiten verleiht ihnen ihren fein jodhaltigen Geschmack und ihr "muskulöses" Fleisch. Der Überlieferung nach geht diese Art der Muschelzucht auf das Jahr 1235 zurück, als der Ire Patrick Walton in der Bucht von Aiguillon, an der Grenze zwischen der Vendée und der Charente-Maritime, Schiffbruch erlitt. Als einziger Überlebender des Schiffbruchs begann er, Vögel mit einem Netz zu fangen, das auf im Schlamm geschlagenen Pflöcken über dem Meer gespannt war. Bald stellte er fest, dass sich Miesmuscheln daran festsetzten. Da ihre Qualität besser als die der wilden Muscheln war, beschloss er, sie zu züchten. Dazu schlug er reihenweise Pfähle in den Meeresschlamm ein, an denen sich die Miesmuscheln festsetzen sollten. Diese Pfähle taufte er „Bouchots“, aus dem Keltischen "bout" (Zaun) und "choat" (Holz). Diese Art des Anbaus ist bis heute fast unverändert geblieben, wenn man von einigen technologischen Entwicklungen absieht. Zutaten für vier Personen - 3 kg Miesmuscheln (rechnen Sie mit etwa 750 g pro Person). - 2 Zwiebeln - 2 zerdrückte Knoblauchzehen - 2 Stangen Sellerie - 2 Karotten (mittelgroß) - 50 cl Crème Fraîche - 100 g Butter - 15 cl trockener Weißwein - Einige Zweige gehackte Petersilie - 50 g Mehl Zubereitung Die Muscheln unter Wasser gut säubern und gründlich von Sand zu befreien. Die Zwiebeln in Ringe, die Karotten und den Sellerie in kleine Würfel schneiden. In etwas Butter anbraten. Nach einer Weile, das Gemüse soll nicht braun werden, die Muscheln und den Weißwein dazugeben. Einige Minuten köcheln lassen, bis sich die Muscheln aufgehen. Den Saft der Muscheln beiseite geben, wenn diese gar sind. In der Zwischenzeit eine Mehlschwitze zubereiten: Dazu die Butter schmelzen lassen und dann das Mehl hinzufügen. Die Mehlschwitze mit dem Saft der Muscheln verrühren. Crème Fraîche, Petersilie und zerdrückten Knoblauch hinzufügen. Gut verrühren und bei schwacher Hitze etwas köcheln lassen, damit die Sauce bindet. Sie darf nicht kochen. Würzung prüfen. Normalerweise ist kein Salz nötig, da die Muscheln das nötige Salz liefern. Mit Pfeffer würzen. Die Sauce über die Muscheln gießen und 2 Minuten bei sehr geringer Hitze köcheln lassen. Direkt aus dem Kochtopf servieren. Frisches Baguette und hausgemachte Pommes Frites dazu reichen. Guten Appetit! Eure Kommentare Meine Lieblingsadressen für Muscheln Le Bord de mer Muscheln und Meeresfrüchte essen, ohne an die Küste fahren zu müssen. Geöffnet Donnerstag bis Montag von 11:45 bis 14:15 Uhr und von 18:45 bis 22:00 Uhr und Mittwoch von 18:00 bis 22:00 Uhr, Dienstag geschlossen. 4 place de Verdun 80100 Abbeville Tel.: +33 3 22 28 05 96 L’Aérodrome de la Baie de Somme (zum Artikel) 1 Rue Michel Doré Aérodrome d’Abbeville 80132 Buigny-Saint-Maclou Tél. : +33 3 22 19 17 89 Mobile : +33 6 49 60 20 78 Courriel : hotelrestaurant@laerodrome.com La Nouvelle Vague La Nouvelle Vague auf der Avenue, die zum Strand führt. Frische, lokale und saisonale Produkte fließen in die Zusammensetzung einer schmackhaften Küche ein. Köstliche Fish and Chips und sehr gute Muscheln mit Sahne und Maroilles. Das Personal ist zuvorkommend und der Service schnell. Die große, von großen Sonnenschirmen beschattete Terrasse ist mit Kies bedeckt, was nicht nur schön aussieht, sondern auch akustisch angenehm ist. Täglich mittags und abends geöffnet. 1305 avenue de la Plage Tel.: +33 6 09 64 35 35 Les Délices 1318 avenue de la Plage 80120 Fort-Mahon-Plage Tel.: +33 22 23 40 23 Mobil: +33 6 11 76 17 77 Café de l’Abbaye 12 place de L’Église 80135 Saint-Riquier Tél. : +33 3 22 28 81 14 (Muscheln nur samstags und sonntags im Sommer. ) Da es in manchen Lokalen nicht das ganze Jahr über Bouchot-Muscheln gibt, sollte man sich vorab erkundigen. Oft gibt es sie zwischen Oktober und April nicht.
- Marais des Cavins Bourdon – Sur les traces d’En famille d’Hector Malot. Marais des Cavins – Auf den Spuren von Hector Malot. Marais des Cavins – In the Footsteps of Hector Malot | La Somme, mon Amour
Explorez le Marais des Cavins à Bourdon, un site naturel et littéraire inspiré du roman En famille d’Hector Malot. Balade balisée, patrimoine et poésie. Accès libre toute l’année. Entdecken Sie das Marais des Cavins bei Bourdon – ein literarischer Wanderweg durch die Natur, inspiriert von Hector Malots Roman Daheim. Ganzjährig frei zugänglich. Discover the Marais des Cavins in Bourdon, a literary and natural trail inspired by Hector Malot’s novel En famille. Scenic walk, heritage and history Zurück MARAIS DES CAVINS Das Marais des Cavins bei Bourdon entstand im 16. Jahrhundert durch den Abbau von Torf. Cavins – ein hauptsächlich in der Picardie gebräuchlicher Begriff – bezeichnet die Gruben, die nach der Entnahme dieser organischen Substanz zurückblieben. Mit der Zeit füllten sie sich auf natürliche Weise mit Wasser und schufen so eine Landschaft aus funkelnden Moorseen. Man kann sie vom Kalkplateaus (larris ) bei Hangest-sur-Somme aus bewundern, von dem sich ein atemberaubendes Panorama über das Tal eröffnet. Eine vertraute Landschaft neu entdeckt Das Moor mit seinem ausgeschilderten Rundweg, erreichbar über den Treidelpfad entlang des Somme-Kanals, ist wie geschaffen für Spaziergänge. Früher war ich oft mit meiner Hündin dort unterwegs; sie liebte es, fröhlich über die Stegbrücke, die sich zwischen den Wasserflächen hindurchzieht, umherzustreifen. Im Jahr 2024 hatte ich das Glück, diesen vertrauten Weg noch einmal ganz neu zu erleben: bei einer geführten Tour mit Jean-Paul Grumetz, einem leidenschaftlichen Kenner der lokalen Geschichte. Besonders faszinierten ihn das Saint-Frères-Textilimperium in Flixecourt, unweit vom Marais des Cavins, der Schriftsteller Hector Malot und der Maler Manessier , der im benachbarten Dorf Saint-Ouen geboren wurde. Ein Planwechsel – und ein zauberhafter Weg Am 24. März 2024 trafen wir uns auf dem Sentier des Cavins. An diesem Tag, nach wochenlangem Regen, zeigte sich das Wetter von seiner freundlichen Seite. Die Sonne war mild, die Luft leicht. Unser Guide erwartete uns bereits: groß gewachsen, aufrecht, mit einem schelmischen Blick und einer Stimme wie dem großen französischen Schauspieler Jean-Pierre Marielle: voll und warm, mit einem leicht rauchigen Timbre, das eine zurückhaltende Noblesse durchscheinen ließ. Und trotz seiner 79 Jahre hatte er noch immer das Auftreten eines jungen Mannes. Da er am Morgen bereits eine Erkundungstour unternommen hatte, erklärte er uns, dass wir nicht – wie geplant – dem Somme-Kanal folgen und in das Moorgebiet eintreten würden, das an einigen Stellen überflutet und daher unpassierbar war. Stattdessen würden wir einem Pfad entlang des alten Somme-Arms folgen. Zwar war die Strecke dadurch kürzer und wir mussten den Rückweg auf demselben Weg antreten müssen, anstatt die vorgesehene Runde zu vollenden – aber wir kamen dabei nicht zu kurz: Der charmante Weg schlängelte sich entlang der wilden Ufer der alten Somme, durch eine Landschaft, die die endlosen Regenfälle in einen einzigen, schwammartigen Boden verwandelt hatten. Wer von uns ohne Gummistiefel gekommen war, bereute es vermutlich bald: Bei jedem Schritt sanken unsere Füße in den wassergetränkten Boden. Auf Perrines Spuren Um unsere Wanderung lebendig zu gestalten, hatte unser Guide ein Exemplar von Hector Malots Roman Daheim (En famille) dabei, dessen Handlung zum Teil im Moor spielt. Ach, Hector Malot! Wer kennt nicht Heimatlos (Sans famille) , die Geschichte von Rémi, dem unehelichen Sohn des reichen Gentlemen John Acquin und Lady Milligan? Verlassen, dann an den Wanderschausteller Vitalis verkauft, reist er mit ihm durch Frankreich und England, bis er schließlich seine wahre Familie findet. Während Heimatlos die Themen Kindesmisshandlung und Identitätssuche behandelte, widmet sich Daheim , zehn Jahre später erschienen, dem Mut, der Ehrlichkeit, der Identitätsfindung und Familienversöhnung. Zugleich prangert der Roman die schweren Lebensbedingungen der Fabrikarbeiter und die sozialen Ungleichheiten der Industriellen Ära an. Der Roman erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Waise Perrine, die sich nach dem Tod ihrer Eltern ins fiktive Maraucourt aufmacht (ein Ort, der dem Dorf Flixecourt nachempfunden ist), um ihren Großvater Vulfran Paindavoine wiederzufinden. Vulfran, ein reicher Textilunternehmer, nach dem Vorbild der Brüder Saint aus Flixecourt ersonnen, hat seinen Sohn Edmond verstoßen, weil dieser eine Frau heiratete, die nicht seinem Stand entsprach. Dass sein Sohn inzwischen gestorben ist, ahnt er nicht. Unter falschem Namen tritt Perrine eine Stelle in der Fabrik ihres Großvaters an, der, weil er erblindet ist, das Täuschungsmanöver nicht durchschaut. Durch ihren Mut und ihre Aufrichtigkeit gelingt es ihr, seine Zuneigung zu gewinnen. Dieser Roman – ein äußerst authentisches Porträt der Arbeiter- und Bürgerschicht des 19. Jahrhunderts – diente unserem Guide als roter Faden für unsere Wanderung. Unterwegs las er uns immer wieder passende Auszüge daraus vor. So gelangten wir zu einer Aumuche , einer jener Hütten aus Reisig und Schilfrohr, die gut jene hätte sein können, in der Perrine Unterschlupf gesucht hatte, um der Enge und dem ungesunden Klima ihrer Schlafkammer über dem Kolonialwarenladen von Madame Françoise zu entfliehen. In diesem Moment schien es, als wären wir mitten in Perrines Geschichte eingetreten. Jean-Paul Grumetz griff nach einem der zahlreichen bunten Post-its, die seine Ausgabe durchzogen, schlug das Buch auf und begann zu lesen: „…am Rand der Entaille (des Moors) erblickte sie eine jener Hütten aus Zweigen und Schilf – man nennt sie hier ‘Aumuches’ –, die im Winter zur Vogeljagd genutzt werden… Die Aumuche war quadratisch und bis zum Dach mit einem dicken Geflecht aus Schilf und hohem Gras bedeckt: Auf allen vier Seiten befanden sich kleine Öffnungen, von außen unsichtbar, die den Blick nach draußen boten und Licht einließen; am Boden lag eine dicke Schicht Farn, in einer Ecke diente ein Baumstumpf als Schemel.“ Der Pfad zu unserer Aumuche verlor sich im glasklaren Moorwasser, das von den endlosen Regenfällen des Winters und Frühlings angeschwollen war. So bewahrte sie an jenem Tag ihr Geheimnis. Unser unermüdlicher Guide erzählte uns anschließend noch viele Anekdoten, ließ den Briefwechsel zwischen Hector Malot und Jules Verne– den Malot zur Beratung über die Region konsultiert hatte – wiederaufleben und trug uns zahlreiche weitere Auszüge aus En famille vor. Von diesem Ausflug bleibt mir die lebhafte Erinnerung an einen besonderen Moment – erhellt durch die mitreißende Leidenschaft von Jean-Paul Grumetz, der uns leider im September 2025 verlassen hat. Falls Euch der Gedanke an diese unberührte Landschaft Lust macht, sie selbst zu erkunden, beginnt euer kleiner Ausflug am Somme-Kanal in Bourdon – vom Parkplatz aus über den Pfad durchs Marais des Cavins. Ein schmaler, grasbewachsener Weg führt zu einer schmalen Brücke, die sich mitten durchs Wasser zieht. Ab hier ist der Rundgang klar markiert. Unterwegs geben euch Infotafeln spannende Einblicke in die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Thematische Stationen begleiten euch auf einer rund drei Kilometer langen Entdeckungsreise – durch eine ursprüngliche Umgebung und hinein in die literarische und historische Welt von Hector Malots Roman Daheim . Obwohl die Infotafeln nur auf Französisch sind, lohnt sich ein Ausflug in diese unberührte Natur auf jeden Fall. Info: Der literarische Rundweg im Marais des Cavins – ein Themenpfad mit literarischen Tafeln und Auszügen aus dem Roman Daheim (En famille) von Hector Malot – wurde von der Association des amis d’Hector Malot 2011 ins Leben gerufen, insbesondere auf Initiative zweier Mitglieder: Anne-Marie Cojez (Texterstellung) und Jean-Paul Grumetz (Aktiver Mitglied), mit finanzieller Unterstützung des Conseil général de la Somme. Der Roman En famille ist im Original erhältlich beim Verlag Encrage Édition unter: EncrageÉdition Die deutsche Übersetzung von Daheim ist derzeit nicht mehr im regulären Buchhandel erhältlich. Man kann sie dennoch im Internet gebraucht kaufen. Wer mehr über Hector Malot erfahren möchte, kann die Website der „Association des amis d’Hector Malot“ besuchen (auf Französisch) : https://www.amis-hectormalot.fr Marais des Cavins Sentier des Cavins 80300 Bourdon Ganzjährig frei zugänglich Kommentare Teilen Zurück
- REZEPTE Moules gâteau battu frênette macarons d'Amiens. Muscheln battu macarons welsch. | La Somme, mon Amour
Spezialitäten, Somme, kulinarisch, Safran, Tradition, Herstellung, Armaturen, Flakons, Luxusindustrie, Färberwaid, Pastel, Färben, Textilien, Leinen, Frankreich, Produzent, 2024, Landwirtschaft, Handwerk, regionale Produkte, spécialités, Somme, non culinaires, safran, tradition, robinetterie, flaconnage, waide, pastel, teinturiers, teindre, textiles, lin, France, premier producteur, 2024, agriculture, artisanat, produits régionaux. Zurück SPEZIALITÄTEN UND REZEPTE Die Spezialitäten der Somme sind nicht ausschließlich kulinarischer Natur. Wusstet ihr, dass hier Safran angebaut wird, dass die Region auf eine lange Tradition in der Herstellung von Armaturen und Flakons, unter anderem für die Luxusindustrie, zurückblickt, oder dass Färberwaid, auch Pastel genannt, zum Färben von Textilien verwendet wird, dass hier Leinen angebaut wird (2024 ist Frankreich der weltweit größte Produzent). Dies sind einige der Spezialitäten, die ich euch im Laufe der Zeit näherbringen möchte. Welsch Macarons d'Amiens Gâteau Battu Moules à la crème Goyère au rollot Ficelle Picarde Frênette
- Pont-Rémy | La Somme, mon Amour
Plongez dans 2000 ans d’histoire à Pont-Rémy, dans ses trésors architecturaux et sa douceur de vivre au fil de l’eau. Tauchen Sie ein in 2000 Jahre Geschichte in Pont-Rémy, in seine architektonischen Schätze und eine pure Lebensfreude am Wasser. Journey through 2000 years of history in Pont-Rémy, where medieval charm, timeless architecture, and riverside tranquility await. Zurück Pont-Rémy – Zwei Jahrtausende Geschichte Pont-Rémy hat alles, um Geschichtsliebhaber zu begeistern: gallische Überreste, die 1994 im Rahmen archäologischer Ausgrabungen vor dem Bau der Autobahn A16 entdeckt wurden, Spuren von Cäsars letzten gallischen Krieg sowie ein Schloss mit ruhmreicher Vergangenheit, das nicht nur berühmte Persönlichkeiten beherbergte, sondern auch zahlreichen englischen Invasionen standhielt – was ihm den Beinamen „Wachhund des Ponthieu“ einbrachte. Pont-Rémy ist aber zugleich ein Dorf zum Wohlfühlen und dessen Ufer zum Verweilen einladen. Annie Roucoux, eine Bürgermeisterin, die für ihr Dorf brennt Dank Hugo Peyramaure, dem Produktionsleiter des für Juli geplanten Sound-and-Light-Spektakels in Pont-Rémy, hatte ich das Vergnügen, Annie Roucoux kennenzulernen, die das Amt der Bürgermeisterin seit 36 Jahren innehat. Während unseres Gesprächs erzählte sie mir mit spürbarer Leidenschaft die Geschichte des Dorfes, in das sie sich einst verliebte – zur selben Zeit, als sie auch ihrem späteren Ehemann ihr Herz schenkte. Mit ruhiger Stimme, bedächtigem Sprechtempo und wohlüberlegten Worten spricht die ehemalige Lehrerin mit Stolz, einer Prise Nostalgie und viel Kampfgeist von den Jahren, in denen sie ihr Dorf neues Leben einhauchen wollte, eine Gemeinde, in der die Maschinen der Textilfabriken Vaysson, Liénard, Linière und Saint-Frères längst verstummt waren, lange bevor 1988 die Kalkverarbeitungswerk Linet geschlossen wurde und ein Jahr später auch das Aushängeschild der französischen Fahrradindustrie, der Schaltwerkshersteller Huret, seine Tore schloss – und ein sterbendes Dorf zurückließ. Ein Schloss aus der Asche auferstanden Annie Roucoux spricht über ihre Bemühungen, ihrer Gemeinde neuen Schwung zu verleihen, konkret wie auch symbolisch gekrönt durch den Rückkauf der Überreste des Schlosses, das 2012 durch ein Feuer verwüstet wurde. Nachdem es die Region so tapfer verteidigt hatte, brauchte nun auch der „Wachhund des Ponthieu“ selbst Schutz. Für Annie Roucoux, die das Kulturerbe der Gemeinde leidenschaftlich liebt, ist das Schloss die Seele des Dorfes, die es zu retten gilt. Die vom französischen Fernsehmoderator und Denkmalpfleger Stéphane Bern initiierte Denkmal-Lotterie stellte die erste finanzielle Unterstützung bereit, die den Startschuss für fünf Bauphasen zur Sicherung, Stabilisierung und Umstrukturierung der Anlage markierte. Weitere Finanzierungen folgten. Heute ist die Phase der Umstrukturierung erreicht: Der Park soll bald der Öffentlichkeit zum Flanieren, für Konzerte oder, wie in diesem Jahr, für eine spektakuläre Ton- und Lichtshow zugänglich gemacht werden. Scheinwerfer auf 2000 Jahre Geschichte „Komm, ich nehme dich mit… unter die Sterne von Pont-Rémy“, so lautet der Titel der Ton- und Lichtshow, die am 25. und 26. Juli 2025 vor ausverkauftem Haus aufgeführt wurde. Ein großer Erfolg für den Initiator den Verein „Château de Pont-Rémy“ und seine Präsidentin Annie Roucoux. Besonders stolz war sie auf die Eröffnung: Der Einführungstext wurde von Stéphane Bern höchstpersönlich gelesen. Das Spektakel basierte auf dem Werk De Ponte Remigii à Pont-Rémy von Jean-Pierre Roucoux, Annies verstorbenem Ehemann, einem leidenschaftlichen Liebhaber der Lokalgeschichte, der 2023 verstarb. In siebzehn Szenen wurde die rund 2000-jährige Geschichte des Ortes erzählt: Von der gallischen Zeit bis zur Befreiung durch kanadische Truppen am 3. September 1944. Eine berührende Hommage an Jean-Pierre Roucoux. Ein Jahr intensiver Arbeit und Einsatz zahlreicher Freiwilliger und Fachleute ermöglichte die Inszenierung eines Schauspiels, das die Zuschauer in ein poetisches Fresko eintauchen ließ, eine Erzählung, die große Geschichte mit der lokalen Historie verwebt: vom Durchzug Heinrichs IV. auf dem Weg nach Abbeville über das Missgeschick des berühmten Kardinals Richelieu, der beim Suchen nach den Schlosslatrinen beinahe bei der Explosion eines Pulverlagers ums Leben gekommen wäre, bis hin zur Textilindustrie, die das Dorf geprägt hat, oder der Figur des Rémy ch'Satcheux, als Hommage an die Treidler, die früher die Lastkähne zogen, mit denen die umliegenden Städte versorgt wurden. Für die Umsetzung dieses Freskos wurden 250 Statisten mobilisiert, dazu zahlreiche Mitwirkende hinter den Kulissen: Kostümbildnerinnen, eine Choreografin, Techniker für das Mapping und den Ton, alles für eine Inszenierung, die mit einem prächtigen Feuerwerk gekrönt wurde, zu Ehren jener mittelalterlichen Festung, die im 19. Jahrhundert zu einem Schloss im Troubadourstil umgebaut wurde, nachdem sie – wie man hier sagt – als treuer Wachhund des Ponthieu die Region lange Zeit verteidigt hatte, bis zum Verrats eines Knechts. Im Jahr 1346 war es Gobin Agache, so hieß er, der den englischen König Eduard III. und seine Truppen – bei Pont-Rémy zunächst zurückgeschlagen – zum Furt von Blanquetaque führte. Von dort aus setzten sie nach zwei Tagen heftiger Kämpfe ihren Marsch nach Crécy fort, wo die berühmte Schlacht stattfand, die mit dem Sieg des englischen Königs endete und den Beginn des Hundertjährigen Krieges markierte. Die Kirche von Pont-Rémy, am Schnittpunkt der Jahrhunderte Annie Roucoux ist stolz auf ihr Dorf und lässt es sich nicht nehmen, mich auch einzuladen, die Kirche zu besichtigen, die zwischen 1867 und 1871 erbaut wurde. Sie ersetzte die frühere Kirche, die inzwischen zu baufällig geworden war, übernahm aber deren Glasfenster aus dem 16. Jahrhundert, zu denen 1950 moderne Fenster hinzukamen. De conception néogothique, l’église se distingue aussi par des piliers en fonte qui remplacent les piliers traditionnels en pierre. Im neugotischen Stil konzipiert, besticht die Kirche zudem durch Pfeiler aus Gusseisen, die anstelle der traditionellen Steinpfeiler treten. So entsteht ein außergewöhnliches Zusammenspiel von Epochen und Stilen Natur und Lebensfreude Doch über seinen historischen Charme hinaus lädt Pont-Rémy zum Flanieren auf dem Treidelpfad ein, einem Weg, auf dem man Angler, Spaziergänger, Jogger und Radfahrer trifft, gesäumt von Häusern und Weiden, wo alles Ruhe ausstrahlt und zur Entspannung einlädt. Kurzum: ein Ort, an dem man die Zeit vergisst, ideal, um die sanfte Kunst des Lebens zu genießen. Kommentare Zurück Facebook
- Gîte Au fil de l’eau à Pont-Rémy – Séjour paisible Ferienwohnung Au fil de l’eau in Pont-Rémy – Ruhige Auszeit an der Somme. Holiday Rental “Au fil de l’eau” in Pont-Rémy – Peaceful Stay by the Somme
Découvrez le gîte Au fil de l’eau à Pont-Rémy : calme, vue sur la Somme, trois chambres confortables, chiens bienvenus. Proche d’Abbeville et Amiens. Charmante Ferienwohnung in Pont-Rémy: ruhig, mit Blick auf die Somme, drei Zimmer, hundefreundlich. Nähe Abbeville, Amiens und Küste. Enjoy a relaxing break in Pont-Rémy: 3-bedroom riverside rental, dog-friendly, scenic views. Ideal for visiting Abbeville, Amiens or the coast. Zurück AU FIL DE L'EAU Als ich die Kirche Saint-Pierre in Pont-Rémy besichtigen wollte und vor verschlossenen Türen stand, ging ich kurzerhand ins direkt danebenliegende Rathaus. Ich schilderte mein Problem, und sofort machten sich die Damen im Sekretariat auf den Weg, um den Leiter des Fremdenverkehrsbüros zu holen, das sich im hinteren Teil des Gebäudes befindet. Annie Roucoux, seit 36 Jahren Bürgermeisterin des Dorfes, kam während meiner Wartezeit vorbei. Wir begrüßten uns, und ich nutzte die Gelegenheit, sie zu fragen, ob es möglich wäre, das Dorfgästehaus zu besichtigen. Die letzten Gäste waren bereits abgereist, und die Reinigung war vielleicht noch nicht ganz abgeschlossen. Ich versprach, nichts zu fotografieren, was noch nicht fertig geputzt war. Mit dem Kirchenschlüssel und einem Schlüssel für das Gästehaus in der Hand ging der Leiter des Fremdenverkehrsbüros voran, um mir das Gotteshaus zu zeigen, über das ich im Artikel über Pont-Rémy berichte. Nach der Kirchenführung klopfen wir, um uns nicht unangemeldet einzuschleichen, an die Tür der Ferienwohnung Au fil de l’eau. Sandra, eine freundlich aussehende junge Frau, öffnet uns und führt mich in die obere Etage, in das, was früher vermutlich die Dienstwohnung des Postbeamten war, denn die Wohnung befindet sich über dem Postamt, mit Blick auf die Somme und im Schatten der schützenden Mauern der Kirche Saint-Pierre. Während sie eifrig weiter putzt, erzählt sie von der Ferienwohnung, die über alle Annehmlichkeiten verfügt. Sie spricht auch über ihr „Wahlheimatdorf“ – denn obwohl ihre Wurzeln in Flixecourt, in der Somme-Region liegen, sind sie, ihr Mann und ihre Kinder erst vor vier Jahren aus Paris hierher an die Ufer der Somme gezogen. Sie erzählt auch mit spürbarem Stolz, dass sie und ihre Tochter als Statistinnen an der Ton- und Lichtshow Ende Juli im Schlosspark teilgenommen hatten. Sandra widmet sich ihrer Arbeit wieder und ich besichtige und fotografiere die Räumlichkeiten. Die drei Schlafzimmer (für bis zu sechs Gäste) liegen alle auf der Rückseite und garantieren so Ruhe und Entspannung: zwei bieten einen Blick auf ruhige Gärten, das dritte auf die Kirche. Das helle und großzügige Wohn- und Esszimmer öffnet sich direkt zur Somme und bietet einen Rahmen, der zum Entspannen und Genießen der Aussicht einlädt. Für Liebhaber ruhiger Ferien, in einer Umgebung, die zum Flanieren am Fluss einlädt, nahe bei Abbeville, der Küste oder Amiens, das Ganze zu einem recht günstigen Preis, erfüllt diese Ferienwohnung alle Wünsche. Gîte Au fil de l’eau 5 rue Roger Salengro 80580 Pont-Rémy Hunde sind hier willkommen. Web: Au fil de l'eau Brauchen Sie Hilfe bei der Buchung? Tel.: +33 3 22 71 22 70 Montag bis Freitag von 9:00 bis 12:30 Uhr und von 13:30 bis 17:30 Uhr (freitags bis 16:30 Uhr) Geschäfte in der Nähe: eine ausgezeichnete Bäckerei und eine Apotheke, der Supermarkt Leclerc, das Kebab-Restaurant Le Nemrut, Café Le Royal. Eure Kommentare Facebook Zurück
- Gâteau battu – traditionelle Brioche-Spezialität aus der Somme in Nordfrankreich
Der Gâteau battu ist eine traditionelle Brioche aus der Somme in Nordfrankreich. Die goldgelbe pikardische Spezialität wird bis heute handwerklich hergestellt. Der Gâteau battu eine traditionelle Brioche-Spezialität aus der Somme in Nordfrankreich Der Gâteau battu, eine goldgelbe pikardische Brioche aus der Somme, wird bis heute handwerklich hergestellt und lässt einem sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dieser „Zylinderkuchen“, der an eine Kochmütze erinnert, verdankt seine Farbe seinem hohen Eigelbanteil. Diese Brioche mit weicher Krume, eine Spezialität der Somme, findet man ursprünglich in der flämischen Küche des 17. Jahrhunderts, wo man ihn als Weichkuchen oder Eierbrot bezeichnete. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde er in der picardischen Esskultur fest verankert und erhielt den Namen "Gâteau battu" (geschlagener Kuchen). Sie wird wird in einer hohen, geriffelten Form gebacken. Ursprünglich wurde sie im Frühling bei Dorffesten, Kommunionen, Hochzeiten und anderen Familienfeiern serviert. Heute wird sie das ganze Jahr gegessen, vor allem aber am Wochenende. Der Gâteau Battu, kurz Battu genannt, ist seit 1900 eine regionale Spezialität der Picardie und wurde 1992 mit der Gründung der Confrérie du Gâteau Battu (Bruderschaft des Gâteau Battu) berühmt. Die Bruderschaft, die eifersüchtig über die Einhaltung seiner handwerklichen Herstellung wacht, veranstaltet jedes Jahr einen Wettbewerb und vergibt eine Goldmedaille für den besten Battu. Der Preisträger 2023 und 2025 war Xavier Bourgeois. Die Boulangerie-Pâtisserie Bourgeois befindet sich in Friville-Escarbotin (33 rue Henri Barbusse) . Seine Battus sind auch in der Boulangerie-Pâtisserie Bourgeois , die seinem Bruder gehört (1 rue des Cloîtres), in Longpré-les-Corps-Saints erhältlich. Der Gewinner 2024 ist Alain Devisse für die boulangerie Alain Devisse in Abbeville (13 chaussée d'Hocquet) . Backformen für den Battu kann man z. B. in Abbeville im Maison Dubois (9 rue du Pont à Plicourt) , wo man alles fürs Backen findet, oder im traditionsreichen Geschäft Le Plaisir de la table (51 rue Saint Vulfran), kaufen. Nun will ich euch das Rezept des Battus von Francis Fréville verraten. Dieser Bäcker, der auf tragischer Weise bei einem Brand in seiner Bäckerei 2019 umkam, hatte zur Bekanntheit des Battus an der Somme beigetragen. Das Haus Fréville, 1956 von seinem Vater Charles in Quesnoy-le-Montant gegründet, ist heute in Abbeville (La Fournée Picarde, 9 rue du Pont d’amour), Quesnoy-le-Montant (Francis Fréville, 11 rue de l’Église), Fressenneville (La Huche Picarde, 9 rue Jean Jaurès), Saint-Valery-sur-Somme (La Fournée de la Baie, 28 avenue de la République), Cayeux-sur-Mer (Le Fournil Cayolais, 2 avenue Paul Doumer) und Amiens (Les Spécialités de Quesnoy-le-Montant, 6 rue de Vergeaux) . Zutaten - 125 g Mehl - 5 Eigelb - 85 g Zucker - 125 g Butter - 30 g Trockenhefe - Rum - Eine kleine Prise Salz Benötigtes Material für die Zubereitung - Eine große Schüssel - Einen Backpinsel - Eine Rührkuchenform (oder ersatzweise eine Panettone-Form) - Eine Küchenmaschine (optional) Zubereitung Alle Zutaten, Mehl, Eier, Hefe, Zucker, Salz und Butter, beim Hinzufügen lauwarm, mischen. Das Ganze 20-25 Minuten lang von Hand oder in der Küchenmaschine kneten (das Kneten ist eine Mischung aus Rühren, Kneten und Schlagen) und den Teig dann etwa 1 Stunde ruhen lassen. Wenn er aufgegangen ist, ihn erneut schlagen (kneten) und ihn eine weitere Stunde ruhen lassen. Danach den Teig ein letztes Mal schlagen. Die Kuchenform mit dem Pinsel mit Butter einfetten, damit sich der Teig nach dem Backen leichter aus der Form lösen lässt. Die Form zu einem Viertel ihrer Höhe füllen. Den Teig 1 bis 1,5 Stunden ruhen lassen, damit er aufgehen kann. Den Ofen auf 170 °C vorheizen. Den Battu in den bei 170 °C vorgeheizten Ofen für 20 Minuten backen. Guten Appetit! Kommentare Teilen Zurück
- Die drei Kapellen | La Somme, mon Amour
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Longuet: Die lichtvolle Schlichtheit der Kapelle Saint-Julien-l’Hospitalier Vergessen wir für einen Moment das Getöse unserer chaotischen Welt und machen uns auf den Weg nach Longuet, einem etwa 30-Seelendorf, zur Kapelle Saint-Julien-l’Hospitalier. 1716 auf den Fundamenten einer kleinen Einsiedelei aus der Zeit der Templer errichtet, überragt sie die Straße. Um sie zu betreten, läuft man einen tadellos gepflegten Weg aus hellem Kies hoch. Die Pflanzen, die ihn säumen, lassen eine Vielfalt an Grüntönen miteinander verschmelzen, die hier und da von Blumen unterbrochen wird. Der von einem Glockengiebel überragten Eingang, mutet inmitten des weißen Kreidesteins wie ein schwarzer Schlund an. Im Inneren beeindrucken die mineralische Schlichtheit, die alten, schnörkellosen Holzbänke, der graue Steinboden – Fischgrätenmuster im Mittelgang, Halbziegelmuster für die Bankreihen seitlich –, auf dem man am liebsten barfuß laufen möchte, und die klösterliche Atmosphäre. Einzige Abweichung in dieser gedämpften Monochromie: die Licht- und Farbkleckse, welche die Sonne durch die Kirchfenster auf die Steinwand wirft. Ein Ort, ruhig und kühl, wo man gerne verweilt, wenn es draußen heiß ist. Der Leib Christi wird hier aufbewahrt und einmal im Monat findet eine Messe mit Anbetung statt. Freitags trifft sich dort eine Gebetsgruppe und am Ostermontag findet eine Pilgerfahrt zum Schutzpatron von Longuet statt. Chapelle Saint-Julien-l’Hospitalier Rue d’Abbeville 80510 Longuet Täglich geöffnet Eure Kommentare Zurück Facebook Long: Tauchen ins kühle Blau der Kapelle Notre-Dame de Lourdes In dieser Region, wo es ständig bergauf und bergab geht, fahren wir die Straße nach Long hinauf. Dann geht es wieder bergab und wir durchqueren das Dorf, fahren an der Brasserie Chez François vorbei, biegen vor dem Schloss links ab und setzen unseren Aufstieg zur Kapelle Notre-Dame de Lourdes in Long fort. Von dort aus hat man einen herrlichen Ausblick auf das von Grün beherrschte Tal. Bei der Kapelle wiederum dominiert die Marienfarbe, Blau: Auf der Spitzbogentür in einem kräftigen Ultramarin und im Inneren in einem ätherischen Himmelblau, dessen Ton fast so wirkt, als würde man in reines Wasser eintauchen. Florentine Véronique Bilhaut ließ diese der Jungfrau Maria gewidmete Kapelle 1870 auf einem Grundstück errichten, das ihr gehörte. Sie kam hierher, um für ihren Sohn zu beten, der im Alter von 21 Jahren gestorben war. Die Kapelle wurde der Gemeinde vermacht und wird auch heute noch jedes Jahr am Vorabend des 15. August für eine Messe genutzt. Die Kerzen, die in der Kapelle stets brennen, zeugen von regelmäßigen Besuchen. Kapelle Notre-Dame de Lourdes Rue de la Chapelle (Straße der Kapelle) 80510 Long Täglich geöffnet Eure Kommentare Zurück Facebook Monflières: Die wundertätige Kapelle und ihr Garten der Stille Um zu unserer dritten Station zu gelangen, muss man auf das Somme-Plateau hinauffahren, Ailly-le-Clocher durchqueren und in Bellancourt, gleich nach dem Trödelladen Brocante de l’Enclos Picard , rechts abbiegen, um die Kapelle Notre-Dame de Monflières zu erreichen. Wählt möglichst einen Tag mit gutem Wetter, um den angrenzenden Garten zu genießen, der eine wahre Oase der Ruhe ist und zur Meditation einlädt. Diese Kapelle, die ich bis zum Schluss aufbewahrt habe, ist vielleicht die originellste; sie ist auch die älteste. Sie wurde um 1160 errichtet, nachdem einem Hirten das Bild der Heiligen Jungfrau in einer Ulme erschienen war. Aufgrund ihres anerkannten wundertätigen Status wurde die Kapelle im Laufe der Jahrhunderte dreimal erweitert. Die über dem Altar stehende Marienstatue aus Eichenholz stellt Maria mit ihrem Sohn auf dem Schoß dar. Rose Bertin (1747-1813), eine Modeschöpferin oder, wie man damals sagte, eine Modistin, aus Abbeville fertigte für die Statue ein Kleid aus goldenem Tuch an, das 1778 von Königin Marie-Antoinette als Dank für die Geburt ihrer Tochter Marie-Thérèse gestiftet worden war. Um die Kapelle zu schützen, wurde die Ulme der Erscheinung der Heiligen Jungfrau 1965 gefällt. Damals hatte sie einen Umfang von sieben Metern und war dreißig Meter hoch. Schon seit dem Jahr 1100, lange bevor die Kapelle errichtet wurde, strömten die Gläubigen nach Monflières, und die Votivgaben, die die Wände der Kapelle bedecken, zeugen bis heute von ihrer Dankbarkeit. Der Ansturm der inbrünstigen Menge in den ersten Tagen ist zwar längst abgeflaut, aber man kann nicht durch ihre Tür gehen, ohne ein Hochgefühl zu verspüren. An der Kapelle schließt sich ein kleiner Park an, der von einem Kreuzweg umgeben ist. Alles hier erweckt einen Eindruck von Natürlichkeit. In der Mitte steht ein Christus am Kreuz, und einige Bänke laden zu Verweilen ein, sich zu besinnen, um den Augenblick in der erholsamen Einsamkeit dieses Ortes zu genießen, der von allen vergessen zu sein scheint. Nur die Vögel und große, samtige Hummeln, die gierig von Blüte zu Blüte fliegen, durchbrechen die Stille. Kapelle Notre-Dame de Monflières 2 Impasse de la Chapelle 80132 Bellancourt Die Kapelle ist das ganze Jahr über geöffnet, 7 Tage die Woche vom 1. April bis 30. September von 9:30 bis 19:00 Uhr – vom 1. Oktober bis 31. März von 9:30 bis 17:00 Uhr. Falls die Zeit für das Abendessen naht, warum nicht den Tag im Restaurant des Flugplatzes von Abbeville ausklingen lassen, der nur knapp zehn Kilometer entfernt ist. L’Aérodrome de la Baie de Somme 1 rue Michel Doré 80132 Buigny-Saint-Maclou Tel.: +33 3 22 19 17 89 Eure Kommentare Zurück Facebook



