
AMIENS
Amiens brings back distant childhood memories: Saturday-night skating sessions at the ice rink, crêpes and galettes at La Mangeoire, but also the imposing cathedral, back when it was still dressed entirely in black, and Jules Verne, an iconic figure of the city’s history. Today, it has been given a new lease of life and shines in the pale, luminous ivory of its stone, which catches even the slightest ray of sunshine. Old memories now mingle with those yet to come. I invite you to share them with me.
![]() AmiensSaint-Leu Quarter | ![]() AmiensThe Cathedral | ![]() AmiensCirque Jules Verne |
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![]() AmiensJule Vernes' Grave | ![]() AmiensThe Perret Tower |
To Chapter 1: SO BRITISH – THE ENGLISH QUARTER – YET TO BE TRANSLATED
To Chapter 2: THE DECLINE OF AN EMPIRE: COSSERAT THEN AND NOW – YET TO BE TRANSLATED
To Chapter 3: BLEU DE COCAGNE – A Centre for Textile Expertise and Innovation in Picardy – YET TO BE TRANSLATED
To Chapter 4: HELLO SO – ON THE TRAIL OF AMIENS’ BLUE GOLD
CHAPTER 1
SO BRITISH – DAS ENGLISCHE VIERTEL
Im Herzen von Amiens verbirgt sich ein unerwarteter Schatz: Das englische Viertel von Saint-Acheul. Dieses kleine Stück England auf picardischem Boden bewahrt ein bedeutendes Kapitel der Industriegeschichte und lädt zu einem bezaubernden Spaziergang ein, bei dem der britische Charme ganz im Mittelpunkt steht.
Saint-Acheul – ein Viertel voller Geschichte
Amiens ist berühmt für seine Kathedrale und den Perret-Turm, die schon aus Kilometern Entfernung die Präsenz dieser großen Stadt ankündigen. Bekannt sind auch die "Hortillonnages" sowie die Verbindung zu Jules Verne. Vielleicht hat man auch vom Viertel Saint-Acheul gehört, das bei Paläontologen und Archäologen auf der ganzen Welt bekannt ist und zusammen mit Abbeville als Wiege der Prähistorienforschung gilt.

Das typisch britische Flair, geprägt von Walter Mason Lange, einem visionären Industriellen
Doch nur wenige wissen, dass Saint-Acheul eine winzige Enklave beherbergt: das englische Viertel. Mit der Avenue de Londres, der Avenue d’Édimbourg und der Avenue de Dublin überrascht und verzaubert es – inmitten der Stadtlandschaft von Amiens – mit seinen Häusern im typisch britischen Stil, seinen von Balkonen gekrönten Erkerfenstern und den gepflegten Vorgärtchen, die als schmale blumengeschmückte Grünstreifen die Häuser vom Gehweg trennen. Dieses schmucke Viertel verdanken wir Walter Mason Lange, einem englischen Industriellen, der einst dort eine Spinnerei eröffnete. Um 1895 ließ er Häuser im englischen Stil errichten, um seine Angestellten zu unterbringen. Er selbst wohnte in der Chaussée Périgord 35, der heutigen Chaussée Jules Ferry, deren Fassade noch heute ein Porträt seiner Tochter schmückt.
Die Telefonzelle aus Darlington – Symbol der Freundschaft und ein einzigartiger Ausblick auf den Perret-Turm
Im Jahr 1999 weihte der Bürgermeister der englischen Stadt Darlington eine britische Telefonzelle ein, die seine Gemeinde Amiens geschenkt hatte. Stellt man sich daneben, an der Kreuzung der Chaussée Jules Ferry und der Avenue de Londres, bietet sich einem einen prächtigen Ausblick auf den Perret-Turm am Ende der Straße.
Viel Spaß beim Entdecken des Englischen Viertels und, warum nicht, von Saint-Acheul!

Die Geschichte der Somme ist eng mit der Textilindustrie und den großen Familien verwoben, die ihren Ruhm begründeten: van Robais in Abbeville, Saint in Flixecourt und Cosserat oder Bonvalet in Amiens. Der Cordsamt von Cosserat war für seine unverwüstliche Qualität bekannt. Aber dieser Name auch an die industrielle Revolution, an beide Weltkriege, an den Paternalismus, und an so manche Erfindung, die von findigen Arbeitern ausgeklügelt wurden.
In Amiens spürt man heute noch den Glanz vergangener Blütezeiten. Von der königlichen Manufaktur bis zum umgewandelten Industriegelände verkörpert die Cosseratbrache ein ganzes Kapitel der sozialen, wirtschaftlichen und technischen Geschichte der Stadt. Cosserats Nachbarin, die Manufaktur Bonvallet, bewahrt ein einzigartiges Know-how – und entwickelt es weiter. Wir blicken auf zwei Jahrhunderte Textilgeschichte, geprägt von Innovationen, Kämpfen und Arbeiterwiderstand.
COSSERAT UND BONVALLET, ZWEI ALTE NACHBARN
Bonvalet, Vorreiter von Cosserat in der Samtproduktion in Amiens
1753, gut 30 Jahre vor der Gründung des Unternehmens Cosserat, erfand Alexandre Bonvalet in Grandvilliers, im Departement Oise, eine Stoffdruckmethode, die rasch verboten wurde, da sie angeblich die Arbeit der Weber, die ihre Muster stickten, beeinträchtigte. Bonvalet, der weder herstellen noch verkaufen durfte, zog mit der Unterstützung von Industriellen und Investoren nach Amiens.
Inzwischen war sein „Toile de Grandvilliers“, also sein Tuch aus Grandvilliers, zum „Toile de Jouy“ geworden, da ein Industrieller aus Jouy-en-Josas die Technik übernommen hatte. Bonvalet jedoch ließ sich nicht entmutigen: Er gründete die Manufacture Royale Bonvallet, die königliche Bonvallet-Manufaktur (mit zwei „l“), wo er eine Prägungstechnik für Möbelsamt schuf, die „Bonvallet-Technik“, welche es dem Samt aus Amiens ermöglichte mit dem aus Genua zu konkurrieren. Gegenwärtig von dem Maître d’Art Germain Benoît geleitet, befindet sich diese Manufaktur heute noch in der Rue Maberly. Ihre Techniken und Fachkompetenzen werden dort streng gehütet. Daher darf sie nicht besichtigt werden, aber eine Freude bleibt: Ihre Kreationen auf Instagram zu bewundern: Unter @manufacture_royale_bonvallet
Cosserat oder das goldene Zeitalter des Samts aus Amiens
Nach einer kurzen Produktionszeit in Rouen, zwischen 1740 und 1780, hielt der Cord Einzug in die Industrielandschaft von Amiens, genauer gesagt in die königliche Baumwollmanufaktur. Sein Erfolg führte zur Gründung zahlreicher Werkstätten sowie, im Oktober 1789, zur Gründung des Unternehmens Cosserat. Pierre, dessen Gründer, heiratete Mademoiselle Joly, die Tochter eines Stoffdruckers, und markierte damit den Beginn des Handels mit Textilwaren aus Amiens sowie den Auftakt eines Jahrhunderts voller Innovationen, Erfindungen, Verbesserungen und Wohlstand.
Krisen, Übernahmen und Schließung: Der Niedergang eines Industrieimperiums
Etwa hundert Jahre später begann der langsame Verfall des Cosserat-Imperiums, der mit der Samtkrise in den sechziger Jahren einsetzte. Nach zahlreichen Krisen und einigen Übernahmen wurde Cosserat von der deutschen Cord und Velveton GmbH aufgekauft und firmierte um in C&V COSSERAT INTERNATIONAL. Allerdings hielt der Käufer seine Verpflichtungen nicht ein: 2008 wurde die Produktion in Amiens eingestellt und die Maschinen gingen nach Deutschland, an die tschechische Grenze. Zehn Mitarbeiter arbeiteten dann noch weiter in der Logistikabteilung, die allerdings 2012 endgültig geschlossen wurde. Zurück blieben die Ehemaligen, die ein Unternehmen hatten verlassen müssen, in dem manche dreißig, vierzig oder sogar fünfzig Jahre gearbeitet hatten. Ein erster schwerer Schlag hatte Cosserat bereits 1982 getroffen, als die Webstühle in die Werkstätten der Boussac-Gruppe verlegt worden waren, nachdem die Weberei und die damit verbundenen Aktivitäten endgültig eingestellt worden waren, was damals bereits zur Entlassung von 120 Personen geführt hatte und die Gemüter des Personals stark erschüttert hatte.
DIE INDUSTRIEBRACHE COSSERAT HEUTE
Eine Erinnerung, heute noch von Nostalgie geprägt
Am nordöstlichen Rand eines Industriegebiets, das von der Selle durchflossen und von der Somme begrenzt wird, erstreckt sich die Cosserat-Brache, wo sich das ehemalige Aushängeschild der Textilindustrie von Amiens befand. In der reich illustrierten Broschüre „Cosserat, 200 Jahre Fachkompetenz“ schildert eine ehemalige Zuschneiderin und Buchhalterin „sehr angenehme Erinnerungen und eine familiäre Atmosphäre“, während eine ehemalige Verwaltungsangestellte feststellt: „Cosserat war wie eine große Familie“, und ergänzt: „Die Umgebung war sehr angenehm, mit viel Grün.“ Der ehemalige Pförtner äußert sich so: Da ich „die Erlaubnis bekam gegen eine moderate Miete, weiterhin in der Pförtnerwohnung, die mir gefällt, wohnen zu bleiben und obwohl ich dafür nicht bezahlt werde, kümmere ich mich gerne um die Pflege der umliegenden Rasenflächen.“* Das, was diese drei Ehemaligen, unter vielen anderen, berichten, gibt Auskunft über das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Unternehmen, das der Stolz seiner Beschäftigten war.
Das Andenken an ein Juwel der Industrie, Träger eines großen Projekts
Wenn man heute das Tor der Industriebrache Cosserat durchquert, fällt einem die Stille auf, die nichts bricht, abgesehen vom Wind und dem Vogelgesang – und die Üppigkeit einer Natur, die die alten Steine zurückerobert, beinahe, als wären es die Gebäude, und nicht umgekehrt, die zwischen den Blumen und den hohen Gräsern wachsen. Lassen wir rechts das Pförtnerhaus liegen und gehen am ehemaligen Refektorium mit Glockenturm vorbei, um auf einen Platz zu gelangen, auf dem ein massives Kreuz steht, ein Denkmal für die Gefallenen von Cosserat aus den beiden großen Kriegen. Zur Linken befindet sich „La Filature“, eine Mikrobrauerei, die in einer ehemaligen Baracke des amerikanischen Roten Kreuzes von 1917 untergebracht ist, die später von Cosserat in ein sozialmedizinisches Zentrum umgewandelt wurde. Zur Rechten steht das Maison Bouchendhomme, wo sich die Polster- und Dekorationswerkstatt der Kunsthandwerkmeisterin Élodie Bouchendhomme und die Boutique Madame Buvard befinden, die eine Auswahl an umweltfreundlichen Produkten anbietet. In der Ferne, im Westen, zeichnet sich die „Kathedrale“ ab, wie man das Gebäude mit den riesigen Glasdächern nannte, in dem eine 1000-PS-Dampfmaschine untergebracht war, deren Leistung es möglich machte, während des Zweiten Weltkriegs die umliegenden Stadtviertel mit Strom zu versorgen. Trotz der Sicherung des Geländes und der Gefahren ist die Kathedrale zur Spielwiese für Urban-Explorern geworden. Von diesen Lost-Places-Liebhabern sieht man, so berichtete man mir, Spuren, die sie in fünfzehn Metern Höhe in den Staub der Glasdächer gezeichnet haben. Ein äußerst gefährlicher Zeitvertreib, zumal die Metallgerüste eines Tages unter dem Gewicht eines dieser wagemutigen Abenteurer nachgeben könnten, der kaum eine Chance hätte, einen solchen Sturz zu überleben.
Ein Ökoquartier entsteht: Die Tisserie – Zukunft aus Tradition gewoben
Die Industriebrache Cosserat soll zu einem ökologisch nachhaltigen Quartier namens „La Tisserie“ (die Weberei) umgestaltet werden. Es soll eine Wohn-, Arbeits-, Spazier- und Begegnungsstätte werden und die historische und kulturelle Erinnerung des Ortes bewahren.
Ein dynamisches Konservatorium des textilen Know-hows
Vorerst muss man sich aber damit begnügen, von einer vergangenen Pracht zu träumen, die sich in jedem Stein zeigt und über die die Ehrenamtlichen des Vereins Bleu de Cocagne informieren (siehe den Artikel über Bleu de Cogagne). Sie bieten während der Europäischen Denkmaltage im September, der Europäischen Kunsthandwerkstage im April (nach Reservierung) oder auf Anfrage Führungen durch das Conservatoire des savoir-faire et des innovations textiles de Picardie, das Konservatorium für textile Fachkompetenz und Innovationen der Picardie, an. Reservierungen unter +33 6 07 71 68 93.
* Cosserat, 200 ans de savoir-faire (Cosserat, 200 Jahre Fachkompetenz)
Erhältlich bei der Vereinigung Bleu de Cocagne und dem Fremdenverkehrsamt.
Friche Cosserat
200 rue Maberly
8000 Amiens

KAPITEL 3
BLEU DE COCAGNE
Conservatoire des savoir-faire et des innovations textiles de Picardie
Konservatorium für textile Fachkompetenz und Innovationen der Picardie
Begegnung mit dem textilen Erbe der Picardie
In Amiens lässt der Verein Bleu de Cocagne die textile Exzellenz der Picardie neu aufleben – durch die Bewahrung einzigartiger Maschinen, die Weitergabe seltener Handwerkskünste und ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Innovation. Anlässlich der Tage des offenen Denkmals begab ich mich auf die Spuren des berühmten Samtfabrikanten Cosserat und entdeckte dabei das Konservatorium für textiles Wissen und textile Innovationen in der Picardie. Diese faszinierende Reise durch Industriegeschichte, lebendiges Kulturerbe und zeitgenössische Kreativität fand wenig später eine besondere Vertiefung: in einer inspirierenden Begegnung mit Yves Benoît, dem Vorsitzenden von Bleu de Cocagne.
Die Mühle Passe-Avant: Wie alles begann
Am 22. September, während einer Führung im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals, entdeckte ich die Industriebrache Cosserat und den Verein Bleu de Cocagne. Die äußerst interessante Führung war jedoch recht technisch, weshalb ich mehr über den Verein und das Konservatorium für textile Fertigkeiten und Innovationen der Picardie erfahren wollte. So traf ich an einem Dienstag im Oktober Yves Benoît, früher Färber und Samtveredler, der sein Beruf in Amiens, in der Nähe der Passe-Avant- Mühle, ausübte. Dort nahm der 1998 gegründete Verein seine Aktivitäten auf, die sich zunächst auf die Restaurierung der Mühle aus dem 15. Jahrhundert konzentrierten. Die Arbeiten wurden im unteren Bereich von Bleu de Cocagne durch Spendenaufrufe und im oberen Bereich von der Stadt finanziert. Das Bauwerk hatte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Nutzungen:

Als Getreidemühle bis ins 19. Jahrhundert diente es später der Mehlproduktion und ab dem 20. Jahrhundert der Färberei. Heute soll es eine Schauvitrine für Textil und Samtveredelung werden.
Dewas, Cosserat, Choquard: Eine Tradition der Erfinder
Yves Benoît, Meilleur Ouvrier de France (Bester Handwerker Frankreichs) 2010 und Maitre d’Art*, empfängt mich heute in der ehemaligen Tischlerei von Cosserat in der Rue Maberly 200, wo seit 2006 Bleu de Cocagne ansässig ist. Anfang der 2000er Jahre orientierte sich der Verein neu und widmete sich der Forschung, Bewahrung und Restaurierung des mit den großen Erfindungen der Region im Textilbereich verbundenen materiellen Kulturerbes. Die Neuausrichtung ging auf eine Schenkung der Erben von Raymond Dewas (1903–1997) zurück. Dieser hatte in den 1930er Jahren den Webstuhl mit kontinuierlicher Zuführung erfunden, der es ermöglichte, ohne Webschützen auszukommen. Dadurch konnte die Arbeit ohne Unterbrechung durchgeführt, Energie eingespart und der Lärmpegel gesenkt werden. Noch heute arbeiten 80 Prozent aller Webstühle weltweit nach seinem Verfahren. Dieser Autodidakt aus Amiens, der das Lycée de la Providence vor dem Abitur verlassen hatte und sich in der Möbelsamtfabrik Jourdain weiterbildete, einem kleinen Unternehmen, das sein Vater 1920 gekauft hatte, meldete an die 450 Patente an. Dewas arbeitete im Verborgenen. Das machte auch das Unternehmen Cosserat, das seine eigenen Maschinen entwickelte, um die Herstellungstechniken vor Diebstahl zu schützen. So arbeiteten die „Kreativen“, wie Philippe Choquard, der 1965 als Schneidemechaniker bei Cosserat anfing und die Nähmaschinen der Firma weiterentwickelte unter strenger Wahrung ihrer Geheimnisse.
Ein lebendiges Konservatorium – Vom Gemeinschaftsgeist getragen
Fachliches Sponsoring, regionale Zuschüsse zur Restaurierung und Wartung der Maschinen – 80 Prozent davon stehen unter Denkmalschutz – sowie die Zusammenarbeit mit Berufsschulen, was das Lernen für die Schüler sowohl praktisch als auch kulturell bereichert, und das Engagement der 90 Mitglieder, von denen zehn vor Ort und zwei in der Verwaltung ehrenamtlich tätig sind (darunter vier ehemalige Cosserat-Mitarbeiter), sowie private Spenden ermöglichen dem Konservatorium seine Aktivitäten durchzuführen.
Neue Perspektiven für die alten Cosserat-Gebäude
Die von der Stadt zur Verfügung gestellten alten Cosserat-Gebäude sind Teil eines ambitionierten Projekts: Bleu de Cocagne plant dort eine Werkstatt, eine Künstlerresidenz, einen Kinderatelierbereich, eine Bibliothek mit Archiv, eine Cafeteria mit angrenzendem Verkaufsraum sowie ein Präsentationsareal für Maschinen. Diese sollen durch einen Außenbereich verbunden werden, um den Übergang zwischen Verkaufsraum und Museumsbereich zu erleichtern. Zu den ausgestellten Maschinen gehören Webstühle verschiedener Epochen, darunter ein zirkulärer Saint-Frères-Webstuhl aus den 1950er-Jahren zur Herstellung von Jutesäcken, sowie eine Druckmaschine, von der Yves Benoît mit großem Stolz erzählt.
Die Wiedererweckung eines Kupfer-Kolosses
Yves Benoît, dessen Sohn Benoît – einst sein Schüler, inzwischen wie er selbst auch Maître d’art* – die königliche Manufaktur Bonvallet in dem historischen Gebäude direkt gegenüber der Vereinigung Bleu de Cocagne leitet, erzählt mir die Geschichte der Kupferzylinder-Druckmaschine, der letzten ihrer Art in Europa und, wie er mit einem Anflug von Stolz hinzufügt, „vielleicht sogar der Welt“; ein Koloss, der eine ganze Halle für sich beansprucht. Diese monumentale Maschine aus dem Jahr 1928 hat Bleu de Cocagne 2011 in Tournon-sur-Rhône, im Departement Ardèche, vor der Verschrottung gerettet. Um die schlafende Schönheit, die damals für den Transport zerlegt werden musste, wieder zum Leben zu erwecken, waren 15.000 Arbeitsstunden nötig. Ein Betonfundament wurde vom Unternehmen Lhotellier kostenlos gegossen und ein elektrisches Steuerpult konnte dank der 8.000 Euro finanziert werden, die durch die Stimmen der Internetnutzer beim Allianz-France-Wettbewerb „Das Schönste Museum Frankreichs“ in der Kategorie Hauts-de-France gewonnen wurden. Schließlich wurde 2023 der erste Probedruck durchgeführt.
Die Toile de Jouy: Zwischen Tradition und junger Kreativität
Unter ohrenbetäubendem Lärm dreht sich ein fein graviertes Zylinder auf der imposanten Maschine. Das Druckmotiv erzählt die Geschichte des Ballons von Gonesse, des ersten Aufstiegs eines Ballonfahrers am 27. August 1783 auf dem Champ de Mars in Paris. Dieser Ballon aus mit wasserdichtem Lack beschichtetem Taft war mit Wasserstoff gefüllt. Unter dem Jubel einer großen Menschenmenge erhob er sich in die Lüfte und landete in Gonesse, etwa zwanzig Kilometer Luftlinie entfernt. Dort wurde er von Bauern angegriffen, die von der „monströsen Bestie“ entsetzt waren und sie mit Mistgabeln „erlegten“. Die traditionell monochromen Motive des Toile de Jouy stellten historische Ereignisse dar, aber auch Szenen aus der Mythologie, Pastoralszenen oder Szenen aus philosophischen oder literarischen Werken. Sie zeigten jedoch auch exotische Szenen. So präsentiert mir Yves Benoît eine bezaubernde japanische Stoffbahn mit feinstem Dekor und Farbverläufen. Bleu de Cocagne, das bereits vierzehn Zylinder aus dem 19. Jahrhundert besitzt, organisierte einen Wettbewerb für die Gestaltung neuer Motive bei der Ésad (Hochschule für Kunst und Design in Amiens) und der École Boulle in Paris, um der Toile de Jouy einen neuen Platz in unserer Zeit zu verschaffen. Das prämierte Dekor, entworfen von einer Schülerin der École Boulle und inspiriert vom Jules Vernes Welt, wurde einem Graveur anvertraut, der die am besten geeignete Technik für die Herstellung des Zylinders wählen sollte, um den besten 3D-Effekt zu erzielen. Das schafft eine Verbindung zur Vergangenheit und veranschaulicht perfekt die Aufgabe des Maître d’Art* Yves Benoît: Bewahren, anpassen mit modernen Techniken und weitergeben. Die Weitergabe erfolgte in diesem Fall an einen 35-jährigen jungen Mann namens Johan, dem Herr Benoît sein Wissen und Können vermittelt hat und der nun in der Lage ist, selbstständig mit der Maschine zu arbeiten. Die Freude, diesen Kreis geschlossen zu sehen, ist auf dem Gesicht des Wissenshüters und -vermittlers abzulesen, von dem ich mich nun verabschiede, allerdings nicht ohne ihm zuvor herzlich dafür zu danken, dass er sich die Zeit genommen hat, mich zu empfangen und sein wertvolles Wissen mit mir zu teilen.
Weitergeben heißt bewahren: Vom Maître d’Art zum Schüler
* Die 1994 in Frankreich geschaffene Auszeichnung „Maître d’Art“ (Kunstmeister) wird vom Kultusminister auf Lebenszeit an Kunsthandwerker verliehen, die über seltene Fachkompetenzen verfügen und diese weitergeben möchten. Seit Einführung wurden 149 Kunstmeister in 101 Handwerksberufen ernannt. Diese Auszeichnung ehrt leidenschaftliche Handwerker für die Einzigartigkeit ihres Könnens, ihren außergewöhnlichen Werdegang und ihr Engagement für die Erneuerung der Kunsthandwerke. Nach der Ernennung ist jeder Maître d’Art verpflichtet, sein Wissen an den Schüler weiterzugeben, mit dem er zusammen ausgewählt wurde. Drei Jahre lang wird seine Werkstatt zum bevorzugten Ort der Weitergabe. Er erhält eine jährliche Zuwendung und wird pädagogisch vom Institut** begleitet.
** Siehe https://www.maitredart.fr/ (auf Französisch)
Besichtigungen
Nach Reservierung im Rahmen der Journées du patrimoine (Tage des Kulturerbes) und der Journées européennes des métiers d’art (Europäischen Tage des Kunsthandwerks).
Besichtigungen für Gruppen und Schulklassen nach vorheriger Reservierung.
Bleu de Cocagne
200 rue Maberl
8000 Amiens
Reservierung unter: +33 6 07 71 68 93
E-Mail: bleu.de.cocagne@gmail.com
Website: bleudecocagne.org

CHAPTER 4
HELLO SO
ON THE TRAIL OF AMIENS’ BLUE GOLD
Isatis tinctoria, known in Picardy as waide and called woad or dyer’s woad in English, is Amiens’ blue gold. To this day, it remains deeply rooted in the collective imaginary of the Picards, almost like a myth. Yet in late spring, its grey-green stems, topped with tufts of tiny, bright yellow flowers – reminiscent of rapeseed, its cousin – brighten the garden of the Bishop’s Palace beside Amiens Cathedral and punctuate the browns and greens of the Picard countryside with splashes of gold. Though often spoken of in Amiens, the plant has become so rare that it is now almost elusive. In her Hello So workshop, Solène Vasseur, a native of Amiens, has fallen in love with the deep blue of its pigment, which she uses to colour her polymer clay jewellery: tiny, poetic messengers steeped in history, each one shaped by hand.



A Few Seeds Sown in Childhood
Solène has always loved creating things. She was twelve when her art teacher at Ailly-sur-Somme secondary school set her on a particular path, without realizing it, by offering evening classes to her pupils. That was how she began to “play Photoshop”, as she puts it, creating posters and logos for fun. It was the first stirrings of a passion that has never left her: graphic design.
As a teenager, she also learned to turn necessity into an opportunity by making her own jewellery: allergic to all costume jewellery, she was dismayed that she couldn’t wear it like her schoolmates. Her parents then had the idea of giving her stainless-steel hoop earrings and a pair of jewellery pliers: the beginning of a second passion.
Solène had nourished a third passion since early childhood: she dreamed of having a bird. Had she prayed particularly hard? Whatever the reason, one Christmas Eve morning, a fledgling seeking shelter flew in through the kitchen window of the family home. Promptly adopted and named Mimosa, the young bird lived with the Vasseurs for more than ten years. But, like most canaries, Mimosa kept a fiercely independent streak. And so, in 2017, Pablo, a colourful budgerigar with a twinkle in his eye, came into Solène’s life, and has been by her side ever since.
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When a Digital Communications Expert Meets a Medieval Flower
After completing her communication studies, Solène spent a few years working in-house. As a child of the 1990s, she was entrusted with tasks related to social media, which soon became her specialty. Her desire for independence led her to set up her own digital communications agency. To make up for all the time spent in front of screens, she returned to jewellery-making, starting with a white bird. As people often asked where she bought her creations, she began to consider opening a small online shop – an idea she approached as a game, too.
She chose to call her little business Hello So – a name that bursts with spontaneity and sunshine. At first, she sought to capture the porcelain-like whiteness in her jewellery. As she delved deeper into the subject, she came across the cobalt blue of Chinese and Japanese porcelain. From there, the leap to waide was a small one – or almost. Her partner helped her take that step by suggesting the meaning that woad blue could bring to her jewellery, linking it to Amiens’ past. But this pigment is demanding and complex, and takes time to master. It is photosensitive and fades in sunlight, as Solène discovered when she left a piece outside for several weeks: all the colour on the sun-exposed side had vanished. This prompted her to experiment to improve the lightfastness of her creations.
Always eager to learn more, she grew fascinated by the history of this resilient plant, upon which Amiens built part of its wealth during the Middle Ages, and whose captivating past she enjoys recounting. Solène could have chosen indigo to tint her jewellery, but she preferred woad, which suddenly gave her creations a whole new meaning.
The twelfth-century passion for blue sent this dye plant sailing down the River Somme to England, where the textile industry consumed vast quantities of it. The woad merchants were thus able to help finance the construction of Amiens Cathedral. The lower sections of its walls, adorned with friezes of stylised woad plants, seem to bear witness to their generosity. Perhaps they symbolise the part this modest flower played in building the cathedral. There is another clue: the cathedral’s south façade pays tribute to the woad merchants in three tiers. At the bottom, two kneeling figures pray before an inscription in medieval Picard, which explains that “The good people of the towns around Amiens who sell woad built this chapel with their alms.” In the middle stands a couple, both woad merchants, with a sack of woad balls at their feet – balls made from crushed woad leaves, from which the precious blue pigment was obtained. At the top, a statue depicts Saint Nicholas, patron saint of merchants. Exploring the cathedral’s façade and interior as though leafing through a picture book reveals further depictions of woad, illustrating the important place this blue gold once held in Amiens.
Jewellery as a Connecting Thread
Although the Hundred Years’ War put a damper on the flourishing woad trade, manuscripts and technical treatises helped preserve the knowledge and techniques involved in extracting its pigment. In the sixteenth century, imports of indigo into Europe gradually displaced woad in northern France and then in the Pays de Cocagne, as the Lauragais region was once known. Indigo was easier to work with, contained a higher concentration of colouring matter and proved more profitable. Yet it never entirely supplanted woad in the collective memory of the people of Amiens or those of the Pays de Cocagne. Today, a handful of enthusiasts are helping to revive interest in it in both regions.
Solène is one of them. Some of her creations, however, are bound up with deeply personal stories of attachment to the Somme and are far more than mere pieces of jewellery. The young woman tells of an Italian man whose wife, originally from Poix-de-Picardie, was homesick. Since Hello So does not ship abroad, he took it upon himself to drive all the way to the French border to collect the piece he had ordered. Solène also recalls two twin sisters from Amiens who now live in Marseille and longed for their home city. And then there was a woman from the Somme who ordered three pieces of jewellery: one for herself, one for her sister and one for her mother. They were to serve as reminders of her father, a native of Amiens who loved wearing blue and had told them the story of woad.
Some of the pieces Solène makes by hand also connect their wearers to Amiens through their symbolism: the four-petalled woad flower with its six golden stamens, the beads recalling the woad balls, or the drop shapes evoking the River Somme, along which the precious spheres were transported. Yet all the young woman’s creations are also an expression of her personal journey, her passion for the history that lives on in walls and places, and her love of the plant world. They beautifully illustrate Solène’s playful approach to design, guided above all by her curiosity about people and nature. And in the freedom she gives herself to imagine things and bring her own ideas to life, there is still something of the little girl who once began making her own creations with a pair of jewellery pliers.
Solène Vasseur
Woad Jewellery Designer
Picardy’s Blue Gold
If my article has piqued your curiosity, Solène shares her research into woad, its history and the demanding, complex process of extracting its blue pigment on www.HelloSo.fr. There, you can also discover her creations – flowers, hearts, drops and stylised woad leaves – some enhanced with gold or silver leaf. There is even a two-tone dog’s paw, an affectionate nod to her four-legged companion and a little gift for her partner. And because her jewellery is more than mere adornment, Solène also reveals the symbolism behind her creations, explaining their meaning and origins. The birds, for instance, are a subtle tribute to Pablo, her budgerigar, and to the world of birds as a whole.
Tel.: +33 1 89 40 40 90
Facebook: @helloso_design
Instagram: @helloso_design
Internet: SoleneVasseur.com
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![]() A Reminiscence of Amiens’ Blue | ![]() Amiens Cathedral | ![]() The Portal of the Virgin Mary |
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![]() Madonna and Child | ![]() The Crying Angel | ![]() Angelic Smiles |

CHAPTER 5
JULES VERNES – A MAN IN LOVE WITH AMIENS
Although his name conjures up the depths of the oceans, fantastical journeys and adventures in far-flung lands, it was in Amiens that Jules Verne finally dropped anchor. A look back at the milestones of an extraordinary literary and family life, spanning Nantes, Paris, Le Crotoy and Amiens. The story of a remarkable author, an engaged citizen – and a man who became a legend.
From Nantes to Paris: The Early Years of a Visionary Writer
Just as Guerlain is associated with Le Crotoy, Jules Verne (1828–1905) is inextricably linked with Amiens. Although born in Nantes, he spent 34 years of his life in Amiens, while also making regular trips to the coast, particularly Le Crotoy. He first began staying there in 1865, before settling in 1869 in a rented villa called La Solitude. That same year, he bought his first boat, the Saint-Michel. He subsequently acquired the Saint-Michel II, followed by the Saint-Michel III, a yacht built to his specifications, aboard which he sailed off the coasts of Spain, Portugal and North Africa. Financial difficulties eventually forced him to sell this magnificent steam-and-sailing yacht in 1878, just a year after purchasing it. Le Crotoy provided inspiration for works such as Twenty Thousand Leagues Under the Seas.

But let's go back to the beginning. Jules Verne left Nantes for Paris, where he completed his law studies in 1850. He was already writing at the time, and his uncle Chateaubourg's introduction to literary circles only strengthened his determination to pursue a career as a writer. It also put paid to any prospect of returning to Nantes to take over his father's practice as an avoué (a legal representative).
Marriage and Family Life Between Stockbroking and Literary Ambitions
In 1856, Jules Verne attended the wedding of his Amiens-born friend Auguste Lelarge to Aymée de Viane. It was there that he met Honorine, the bride's sister, whom he would marry a year later. Honorine du Fraysne de Viane (1830–1910) was 26 years old. A widow, she already had two young daughters, Louise Valentine, born in 1852, and Suzanne Eugénie Aimée, born in 1853. Their only son, Michel, was born in 1861. The Vernes lived in Paris, where Jules worked as a stockbroker to support his family. This did not prevent him from pursuing his literary ambitions, which truly took off after he met publisher Pierre-Jules Hetzel in 1861.
Amiens: A Haven of Peace for a Writer and Man of Public Affairs
After Paris and several years spent in Le Crotoy, Honorine urged Jules to settle in Amiens. He described the city as “a sensible, well-mannered place, with an even temper; its society is warm and cultured. It is close enough to Paris to enjoy its influence, yet far enough away to escape its unbearable noise and pointless agitation. And, after all, my Saint-Michel remains moored in Le Crotoy.”
It was not until 1882, however, that he settled at 2 rue Dubois, where he would live until 1900. Now a museum, the Jules Verne House takes us in the footsteps
of one of France’s greatest authors, offering a glimpse into his world that makes us forget the clamour of the twenty-first century.
Jules Verne also took an active part in civic life, serving as a municipal councillor. Among other things, he supported the construction of the Municipal Circus in 1889. Following a year-long renovation, it was renamed the Cirque Jules Verne in 2003. Although the building is not open to visitors, this landmark entertainment venue on Place Longueville is well worth admiring from the outside – especially as it is only about a ten-minute walk from the Jules Verne House.
The Legacy of an Immortal
Suffering from diabetes, Jules Verne died on 17 March 1905 in the apartment he owned at 44 boulevard de Longueville (now boulevard Jules Verne), where he had lived since 1900. He was laid to rest in La Madeleine Cemetery (480 rue Saint-Maurice). Created by Amiens sculptor Albert Roze, who also sculpted Marie sans chemise (Marie Without a Shirt), the statue later added to the Dewailly Clock (9–11 rue des Sergents), not far from the cathedral, Jules Verne's tomb is entitled Vers l’Immortalité et l’Éternelle Jeunesse (Towards Immortality and Eternal Youth). Evoking resurrection, it depicts the writer rising from his grave, bare-chested, one arm raised, his head and gaze turned towards the heavens.







































































































