To Chapter 1. LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
To Chapter 2. MAISON RAMAGE - ANTIQUE AND VINTAGE - SINCE 1973
To Chapter 3. WAS TUN IN LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
To Chapter 4. DIE MOORE DER SOMME – LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
To Chapter 5. DAS HAUS DER MOORE – LA MAISON DES MARAIS
To Chapter 6. BIOANBAU IN LONGPRÉ - CHÉ BIO GARDIN - BERTRAND BOUVIER
To Chapter 7. HIGH ABOVE LONGPRÉ - THE CAMPING D'O
CHAPTER 1
LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Folgt mir nach Longpré-les-Corps-Saints, einem kleinen, facettenreichen Dorf in der Picardie, mit seinen lieblichen Landschaften zwischen Kindheitserinnerungen, üppiger Natur und reichem Kulturerbe.



Unbeschwerte Zeiten auf dem Land
Longpré-les-Corps-Saints, ein Ort mit rund 1600 Einwohnern, ist das Feriendorf meiner Kindheit. Falls ihr den Film Willkommen bei den Sch’tis gesehen habt, werdet ihr euch vielleicht ausmalen, wie meine Freundinnen dreinschauten, wenn ich ankündigte, dass ich an die Somme fahren würde. Hätten sie nur gewusst, welche unbeschwerten Momente ich dort erlebt habe – wie ich mit dem Fahrrad durch die Sümpfe streifte, mit meinem Opa Milch auf dem Schlosshof holte oder mir mit meinem Bruder auf den Böschungen die Hosen grün schürfte…
Eine üppige Natur, genährt von den Sümpfen
Damals wie heute war die Natur reich und vielfältig – mit ihren Tälern, ihren Larris (steilen Kalksteinhängen), ihren Wasserläufen, in denen sich die Fische in den Wasserpflanzen verstecken, und überall eine unendliche Palette an Grüntönen, eine üppige Vegetation, die die Region unter anderem den Mooren verdankt. Einst Orte der Torfgewinnung und des Pflückens eleganter Seerosen, die per Zug auf die Tische der vornehmen Pariser Restaurants des jungen 20. Jahrhunderts gelangten, sind die Moore heute ein beliebtes Freizeitgebiet zum Angeln, Jagen und Spazierengehen geworden.
Ferne Erinnerungen an die großen Kriege
Die Dörfer der Gegend blieben lange von den Weltkriegen gezeichnet, die dort gewütet hatten, ohne sie jemals zu verschonen. Longpré, im Zweiten Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört, wurde größtenteils vom Architekten Paul-René Chauvin wieder aufgebaut – was seine architektonische Harmonie erklärt.
Ein lebendiges und gastfreundliches Dorf
Heute ist Longpré ein ruhiges, gepflegtes Dorf mit hoher Lebensqualität – ein Ort, wo man alles Nötige und noch ein bisschen mehr bekommt : Bäckereien, ein Lebensmittelladen, ein Supermarkt, ein Café, eine Apotheke, Ärzte, Schulen und Märkte. Sein besonderes Plus: die zwei Wochenmärkte. Der mittwochs vormittags vor dem Rathaus stattfindende Markt ist in den letzten Jahren leider etwas vernachlässigt worden. Dafür ist der Bio-Markt der lokalen Erzeuger, der jeden Freitag von 16:30 bis 18:30 Uhr vor dem Maison des Marais stattfindet, umso lebendiger.
Maison des Marais
Lust auf Natur ? In der Maison des Marais (Rue de l’Ancienne Gare), geöffnet vom 1. April bis zum 30. September, von Mittwoch bis Sonntag, 9:30–12:30 Uhr und 13:30–18:00 Uhr, steht im Mittelpunkt. Dort kann man u. a. Fahrräder mieten und Informationen und Broschüren erhalten, z. B. zu Wanderrouten oder idyllischen Ausflügen mit dem Elektroboot durch die Moore.
Trödeln bei Monsieur Ignace
Im Herzen des Dorfes, gegenüber der Kirche, befindet sich der Antiquitäten- und Trödelladen von Monsieur Ignace. Ein Muss in Longpré, wenn man gerne auf Schnäppchenjagd geht. Der Laden ist ganzjährig geöffnet und wird von einem Leidenschaftlichen Händler geführt, der fast immer für ein kleines Schwätzchen zu haben ist.




Notre-Dame de l’Assomption: ein lichtdurchflutetes Bauwerk voller Geheimnis
Gegenüber dem Antiquitätengeschäft erhebt sich die Stiftskirche. Sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Vibert, dem Kaplan des verstorbenen Aléaume de Fontaines, des Herrn von Longpré, gegründet. Dort sollten die Reliquien bewahrt werden, die sein Herr während der Kreuzzüge erworben und die er nach dessen Ableben aus dem Heiligen Land mitgebracht hatte. Notre-Dame de l’Assomption (Rue des Cloîtres) wurde über einer romanischen Krypta aus dem
Jahr 1190 errichtet. Diese verfügte über einen Gang, dessen durch Einstürze verschlossener Eingang noch heute sichtbar ist. Er ermöglichte es den Kirchenmännern, unbemerkt nach Hause zurückzukehren. Einige sagen, dass dieser Tunnel auch zum längst verschwundenen Schloss führte – und manche behaupten sogar, er habe sich bis zum Meer erstreckt. Beschädigt, zerstört und mehrfach wieder aufgebaut, stammen die ältesten erhaltenen Teile der Kirche – das gotische Portal und der Glockenturm, dessen Spitze im Zweiten Weltkrieg abbrannte – aus dem 17. Jahrhundert. Der übrige Bau sticht durch seine selbstbewusst gewählte Modernität hervor: sein heller Innenraum mit abstrakten Glasfenstern aus den 1960er Jahren, die an sonnigen Tagen bunte Muster auf die Kalksteinmauern zeichnen.
Geöffnet anlässlich der Tage des offenen Denkmals, mit Besichtigung der Krypta und Gottesdiensten (siehe Aushang an der Kirchentür).
Ein Schatz entdecken… allerdings in Abbeville
Der Schatz von Longpré-les-Corps-Saints, einst in einem Safe gehütet, wurde inzwischen der Stadt Abbeville anvertraut. Er wird im Carmel (34-36 Rue des Capucins) ausgestellt, der zu einem Depot für sakrale Kunstschätze von Gemeinden geworden ist, die nicht in der Lage waren, deren Sicherheit zu gewährleisten und sie daher nur sehr selten präsentierten.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 14:00 bis 18:00 Uhr (17:00 Uhr von Oktober bis März).
Freier Eintritt
Aux bulles d’eau douce
Parc du Bel Air
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mail: auxbullesdeaudouce80@gmail.com
Internet: https://air.tl/wxr4Pf5L
Facebook: Aux bulles d’eau douce
Instagram: aux_bulles_deau_douce
Sehnsucht nach Natur? Ein Rückzugsort voller Wärme und Poesie erschaffen für Erholungssuchende.
Gîte de la Terrière
Anne Drouvin
16 rue du 8 Mai
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 3 22 31 22 19
Mobil: +33 6 21 61 50 41
Sehr gastfreundliche Gastgeber auf dem Bauernhof. Frühstück ist inbegriffen.
Étang de l'Hôpital
Herr und Frau Regis und Eva Buchalet
Étang de l'Hôpital (Teich des Krankenhauses)
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Festnetz: +33 3 22 31 19 47
Mobil: +33 6 14 37 92 19
E-Mail: etangdelhopital@orange.fr
Ein prächtiger Rahmen.
Chalets/Unterkünfte für Angler
Gîte du Bel Air
Ludivine Leblond
9 Tor D - Weg Marais Roselle 1
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mobil: +33 6 35 46 58 44
Aux p'tits plaisirs (gesicherter Zugang zum See)
Herr und Frau Allan Emilie
Rue des Mules
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mobil: +33 6 83 28 22 71
Campingplatz d'O
Siehe Kapitel 7
Gastronomie
Für Pizza-Fans steht Jéjés Wagen jeden Montagabend ab 17 Uhr vor dem Rathaus. Bestellen vor Ort oder unter +33 6 33 05 38 35. Früh kommen empfiehlt sich oder besser noch anrufen.
Die Bäckerei in der Rue des Cloîtres bietet köstliche hausgemachte Sandwiches und an manchen Tagen auch Quiches, Ficelles Picardes und einen herrlichen Gâteau Battu
Mittwochs geschlossen
Le Korrigan’s Bar
10 Grande Rue
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Um etwas trinken zu gehen, drinnen oder auf der Terrasse. Sehr freundliche Bedienung.
CHAPTER 2
MAISON RAMAGE - ANTIQUE AND VINTAGE - SINCE 1973
MICHEL IGNACE – AGAINST THE CURRENT OF TIME
Step into the enchanting world of an antique and vintage shop where every object tells a story and time itself seems to stand still.
![]() | ![]() | ![]() |
|---|---|---|
![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() |
Childhood Memories and Memorable Encounters
As a teenager, I often spent part of my holidays alone at my parents’ second home in Longpré-les-Corps-Saints. When I wasn’t riding my bike through the marshes or meeting up with my friend Valérie, I loved to wander around Madame Ramage’s antiques and curiosities shop. From that time, I kept two books and wonderful memories of a strong-willed, elegant, determined, and beautiful woman who welcomed me with great kindness. She passed away in 2023, but her spirit still lingers in the shop, now run by her husband, Michel Ignace.
Let us step inside the shop: to the right, Madame’s armchair still stands in its place, with a photograph of her and a few personal items on a side table, as if she could return at any moment. Facing the entrance, you’ll find another armchair. This one belongs to Lucky, the couple’s loyal dog, who often comes running, barking excitedly to greet customers and visitors. This is more than just a shop: it's a place where people come to meet, to chat, to pause, to enjoy a welcome break from the overwhelming pace of modern life.
The Charm of an Ever-Changing Setting
The shop consists of two rooms whose decor changes every week, yet these changes never alter the familiar atmosphere. Let's pass through the opening of the main room facing the street entrance, take a left down a corridor, also constantly changing, leave the staircase to the private apartments on the right, and enter the back room, a true Ali Baba's cavern. Here, you can almost always find humble treasures: forgotten authors’ books that still charm and inspire, small objects, old tableware... As a teenager, I loved to rummage through this space —and I still do today with as much pleasure.
A Love Story and a Passion
When I arrive to meet Michel Ignace, he is busy repairing a tortoiseshell cardholder adorned with elegant gold initials. Lucky begs for his attention, then comes to rub against my legs before curling up in his armchair. Originally from Ruffec, a small town in Charente, Mr. Ignace moved to Longpré-les-Corps-Saints in 1969 and worked there as a schoolteacher until 1997. In 1971, he met Christiane Ramage, his future wife, who at the time was managing a team of highly specialised workers—welders, among others—whose services she provided to nuclear power plants all over France. Leading such a team and constantly travelling across France eventually made her long for more stability.
Christiane’s mother had been an antiquarian in Hyères, so she had grown up in the trade, which gave her the idea of opening a shop in Longpré. Thus, C. Ramage Antiquités was born and Michel joined her on this new adventure. While she went off to sell at the Saint-Ouen flea market near Paris on weekends, he managed the shop. After school and on Wednesdays, he handled deliveries and gradually learned furniture restoration hands-on from an elderly cabinetmaker in the village. No longer able to work, the old craftsman would come in the evening for an hour or two to share his knowledge with Michel, giving him advice on the types of wood to use and the techniques to apply. Today, old wood, boards, and parts of furniture pile up in the workshop and even spill into the courtyard. Michel uses them for repairs. The sessions with the old cabinetmaker ignited in him a passion for a profession that he has been practicing full-time since his retirement. He clearly enjoys the physicality of the work too—as he explains, an antiques dealer must always be able to manage on their own, even with heavy furniture.
A treasured legacy kept alive in a place that’s been open every day since 1973.
For over fifty years now, people have turned to this address to handle estates or sell family heirlooms, trusting a reputation built over half a century by Christiane Ramage and Michel Ignace. Although Michel now runs the shop alone, he says his wife is still very much by his side. The idea of closing the store after her death was unbearable to him. So he rejected the idea, not only for his customers’ sake, but also to honour a lifetime’s work and to keep loneliness at bay.
The shop has been open almost every day of the year since 1973. Very rarely have its doors been shut. When Michel is away, Francine, his long-time employee, takes over, welcoming and advising clients: locals, visitors from nearby departments, and even foreign merchants.
Let's hope this remarkable shop continues to enrich the life of the village for many years to come.
5 rue des Cloîtres
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel. : +33 6 07 80 10 56
7/7 geöffnet, von 10 bis 18 Uhr
CHAPTER 3
WAS TUN IN LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
Die Tennisplätze, der Spielplatz und der Basketballplatz befinden sich im Zentrum des Dorfes, auf einer vom Flüsschen Airaines und den Sümpfen gesäumten Grünanlage.
Vermietung der Tennisplätze
Place du Marquelet
Wenden Sie sich an Maryline Willeretz.
Reservierungen
Mobil: +33 6 82 07 85 21
Preis: 6 €/Stunde

Basketballplatz
Kann frei genutzt werden.
Eingang rechts neben den Tennisplätzen.
Spielplatz
Freie Nutzung.
Eingang rechts von den Tennisplätzen.
Vermietung von Fahrrädern
La maison des marais
Rue des Marais
Einzelne Fahrräder :
- 4 €/Person 1/2 Tag
- 8 €/Person der Tag
- 15 €/Person für 2 Tage
- 30 €/Person für 6 Tage
Räder für die Familie ( 2 Erwachsene + 2 Kinder) :
- 12 € der 1/2 Tag
- 24 € für einen Tag
- 45 € für 2 Tage
- 100 € die 6 Tage
CHAPTER 4
DIE MOORE DER SOMME – LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS
![]() Marc Dallery | ![]() Das MoorSeerosenwurzelstock | ![]() Maison des marais |
|---|---|---|
![]() Kohdistel | ![]() Long | ![]() Kohdistel |
![]() Calopterix | ![]() Kohldistel | ![]() Marais de Longpré |
![]() Bärenklau | ![]() Bärenklau | ![]() Maison des marais |
![]() Kohldistel | ![]() Étang de la Fontinette | ![]() Kohdistel |
Lange Zeit ausgebeutet, heute geschützt, erzählen diese Feuchtgebiete die jahrhundertealte Geschichte menschlicher Mühen und die Geheimnisse der Natur. An der Seite von Marc Dallery, Naturführer für den regionalen Naturpark (PNR) und zuständig für die Pflege der Moore in Longpré-les-Corps-Saints rund um das Maison des Marais, erkunde ich heute einen kleinen Teil der Moore. Insgesamt zählt das Gebiet zwischen Condé-Folie, Longpré-les-Corps-Saints, Long und Fontaine-sur-Somme 1.000 Hektar Sumpfgebiet – ein Teil der rund 3.000 Hektar Sumpflandschaft der Somme.
Torf: Das Gedächtnis des Sumpfes
Die Moore der Somme existieren seit Urzeiten. Ihre Nutzung seit dem Mittelalter ist aber relativ neu. Heute weiß man jedoch, dass diese natürlichen Flächen zehnmal mehr Kohlenstoff binden als Wälder und dass sie daher dringend geschützt werden müssen, zumal der gebundene CO2 beim Verbrennen wieder freigesetzt wird.
Seit sieben Jahrhunderte vom Menschen genutzt – von der Entstehung bis zum Niedergang
Marc, ein leidenschaftlicher Naturkenner, schlägt zunächst ein Kapitel der Geschichte auf. Die aus den Torfmooren entstandenen Seen verdanken ihre Entstehung dem Menschen, der hier um 1300 mit dem Torfabbau begann. Zu dieser Zeit gab es noch viele Wälder in der Picardie, aber der steigende Bedarf an Holz führte schließlich dazu, dass die Holzressourcen schwanden. Als sich die Rodung im 16. Jahrhundert intensivierte, nicht allein für den Bau von Wohnhäusern, sondern auch wegen der großen Anzahl von Schiffen, die vor allem im Rahmen der Konflikte mit England benötigt wurden, nahm das Torfstechen zu.
Torf entsteht durch den äußerst langsamen Abbau pflanzlicher Reste, der aufgrund des Fehlens von Zersetzern wie Schnecken und Würmern extrem langsam abläuft. Das Tal der Somme füllt sich im Herbst mit Wasser. Dadurch wächst die Torfschicht jährlich um etwa einen Millimeter – ein schwindelerregendes Ergebnis, wenn man berechnet, wie alt die an manchen Stellen bis zu 10 Meter dicken Moorschichten sind.
Der lehmige Boden und die Senke der Somme begünstigten die Entwicklung dieser Torfmoore. In diesen Mooren entstand Torf – ein preiswerter, jedoch weniger effizienter Brennstoff als Holz oder Kohle. Die Torfgewinnung war eine körperlich sehr anstrengende Tätigkeit, die sich über sechs Monate erstreckte. Anfangs war es mit dem vorhandenen Werkzeug nicht möglich, den Torf aus einer Tiefe von mehr als 1,5 Metern zu holen. Der so gewonnene Brennstoff, ein 1.500 Jahre junger Torf, war daher von schlechter Qualität.
Erst mit der Erfindung des großen Torfspaten im Jahr 1786 durch den aus der Somme stammenden Éloi Morel konnten Tiefen von bis zu sechs Metern erreicht werden. Ein Team von vier Torfstecherrn konnte so 8.000 Briketts pro Tag produzieren. Die Männer förderten und stapelten, die Frauen waren dann für die Trocknung zuständig. In den 1910er Jahren begann der Niedergang des Torfs, der durch Kohle, vor allem aus Nordfrankreich, verdrängt wurde. Bis in die 1960er Jahre wurde der Torf dann hauptsächlich für den Gartenbau und den Gemüseanbau verwendet und weiterhin von den alten Torfstecherfamilien als Heizmittel genutzt. Heute sind die Torfmoore durch die Ramsar-Konvention geschützt, die den Torfabbau verbietet. Der Torfabbau hatte den Gemeinden rund um die Moore einst Wohlstand gebracht. Mit seinem Ende begann jedoch auch ihr wirtschaftlicher Niedergang.
Ein Haus mit Blick – und mit Geschichte
Während Marc seine Erzählung fortsetzt, erscheint der frühere Bewohner des Maison des Marais. Bevor das Gebäude zum Tourismusbüro wurde, gehörte es dem Notar des Dorfes, der es an ihn vermietete. Damals war das Haus noch nicht um ein zusätzliches Stockwerk aufgestockt worden. Mit spürbarer Rührung erzählt uns der ehemalige Mieter von der Zeit, als er das Glück hatte, in dieser üppigen und friedlichen Umgebung zu leben – mit einem herrlichen Blick auf die Moore und in der Ferne auf die hoch gelegene Kirche von Long.
An den Wurzeln des Lebendigen: von der reinen Natur zu den mondänen Pariser Kreisen
Nachdem wir uns von dem ehemaligen Bewohner des Maison des Marais verabschiedet haben, führt Marc uns zu einem Holzsteg. Dort erklärt er uns, dass das klare Wasser des Étang de la Fontinette seine Transparenz den Helophyten verdankt. Diese halb im Wasser lebenden Pflanzen, deren Wurzeln und Rhizome im wassergesättigten Boden wachsen, säumen die Teiche und reinigen das Moorwasser auf natürliche Weise. Das klare Wasser ermöglicht den Wasserpflanzen die Photosynthese, wodurch sie das Wasser mit Sauerstoff anreichern. Dadurch wird das Wasser so rein, dass anschließend eine einfache Filterung genügt, um es trinkbar zu machen. Vorsicht jedoch, besonders während Hitzeperioden, da hohe Temperaturen das Wachstum bestimmter Bakterien begünstigen können.
Nun zeigt uns unser Guide die gelben und weißen Seerosen, die die Wasseroberfläche wie Tupfer schmücken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die gehobene Gesellschaft sich für asiatische Kunst und Kultur begeisterte, versuchte man, Lotusblüten zu importieren. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als unmöglich, denn die Blüten halten nur etwa vier Tage, und der Transport aus Fernost dauerte schlicht zu lange. So wurden stattdessen die Seerosen aus den Mooren der Somme, Verwandte der fernöstlichen Lotusblüten, bis in die 1930er Jahre geerntet. Anschließend verlud man sie an den Bahnhöfen von Le Catelet oder Longpré-les-Corps-Saints, von wo aus die Tische der großen Pariser Restaurants und Hotels schmückten.
![]() SchwanLongpré-les-Corps-Saints | ![]() Maison des MaraisLongpré-les-Corps-Saints | ![]() Das Moor im NebelLongpré-les-Corps-Saints |
|---|---|---|
![]() TauLongpré-les-Corps-Saints | ![]() Aus dem NebelLongpré-les-Corps-Saints |
Der heilende und nährende Sumpf
Der Sumpf bildet auch ein riesiges Reservoir an Ess- und Heilflanzen. Marc zeigt uns den wilden Hopfen mit seiner beruhigenden Wirkung, das Mädesüß, ein natürliches Aspirin, sowie den Beinwell, aus dem bereits die Römer Umschläge herstellten, um die Heilung von Knochenbrüchen zu fördern. All diese Vegetation muss regelmäßig gepflegt werden, damit die Moore nicht nach und nach von Gehölzen überwuchert werden, von denen sich einige nur sehr langsam zersetzen. Während der sechs Monate dauernden arbeitsfreien Zeit konnten die Torfstecher ihrer eigentlichen Tätigkeit nicht nachgehen. Deshalb wandten sie sich dem Fischfang und der Jagd auf Wasserwild zu, um ihren Eiweißbedarf in dieser Zeit zu decken. Sie waren es auch, die damit begannen, die Moore zu pflegen – eine Tradition, die bis heute von einigen Anglern und Jägern fortgeführt wird.
Libellen, Wasserminze und Wildblumen
Wir setzen unseren Spaziergang rund um den Teich fort. Blumennamen, die Namen von Insekten, Fischen und Vögeln fallen in rascher Folge – ebenso wie Marcs Erklärungen zu ihren Eigenschaften – und lassen den unermesslichen Reichtum eines empfindlichen natürlichen Gleichgewichts erahnen, das es zu bewahren gilt. Grüne, blaue und rote Libellen schwirren um uns herum, jagen einander, paaren sich und lassen sich nieder – wie grazile Farbakzente auf Grashalmen, die sie kaum zum Schwanken bringen. Marc pflückt einen Zweig Wasserminze, deren kräftiger, an Schokolade erinnernder Duft uns auf unserem Spaziergang begleitet. Anschließend zeigt er uns das Gewöhnliche Pfeilblatt und seinen eleganten schneeweißen Blüten mit purpurfarbenen und zartgrünen Herzen. Dann folgen der Wald-Ziest, dessen Blüten an eine Traube winziger Orchideen erinnert, sowie die Kohldistel, deren Blüten zahlreiche bestäubende Insekten anlocken.
Landschaftspflege: Pferde, Kühe… oder doch Schafe?
Wir stoßen noch auf ein paar Angler, bevor wir uns auf den letzten Teil des Rundwegs begeben, einen von Weiden gesäumten Pfad. Während in Long die Sümpfe von Camargue-Pferden gepflegt werden, werden hier im Moment Kühe eingesetzt. Die ausgewählten Charolais-Kühe sind jedoch nicht besonders angetan von dem, was ihnen „auf dem Teller serviert“ wird, und trampeln mehr, als dass sie fressen. Daher sind sie viel weniger effizient als die Pferde aus der Nachbargemeinde; rustikalere Highlands, Ziegen oder Schafe, die das Gehölz fressen würden, würden sich besser eignen. Der Weg, dem wir nun folgen, wird von Dickicht gesäumt. Es wachsen hier Baumfarne, wie man sie aus tropischen Gewächshäusern kennt, und für einen Moment könnte man meinen, man sei in Südamerika.
Das Schweigen der Vögel
Die Strecke, die wir nun einschlagen, führt durch von dichtem Gebüsch gesäumte Abschnitte, in denen Baumfarne wachsen, die an die Pflanzen tropischer Gewächshäuser erinnern. Für einen Moment fühlt man sich beinahe wie in Südamerika. Als wir uns darüber wundern, dass kaum Vögel zu hören sind, erklärt uns Marc, dass sie sich Ende August mitten in der Mauser befinden und deshalb besonders verletzlich sind, weil sie weniger wendig und weniger schnell fliegen können. Deshalb halten sie sich verborgen und lassen ihren Gesang nur noch selten erklingen.
Von gestohlenen Zäunen – und einem ungebrochenen Willen
Unser Spaziergang neigt sich dem Ende zu. Weißdorn, Hagebutten, Holunder, wir laufen an einer wahren Speisekammer für Mensch und Tier entlang. Einziger Wermutstropfen in dieser so unberührten Umgebung: Ein Zaun, der eine Ruhezone schützen sollte, wurde aufgerissen. Seit einem Jahr verschwindet er Stück für Stück. Marc nimmt es mit Gelassenheit. Wenn alles weg ist, soll er durch einen Schafzaun mit größeren Maschen ersetzt ersetzt – für Diebe kaum interessant, dafür aber durchlässiger für manche Tierarten.
Im Reich der Großmutter Fisch
Unser Ausflug neigt sich dem Ende zu. Marc erklärt uns noch die Bedeutung der ungemähten Flächen für die Artenvielfalt. Außerdem erzählt er die alte Legende von Großmutter Fisch, mit der man früher den Kindern Angst machte. Wenn sie sich nicht von den Teichen fernhielten, so erzählte man ihnen, würde die furchteinflößende Alte sie packen und in die Tiefen ihres Reiches hinabziehen. Heute jedoch sind die Gewässer ruhig und klar, und nichts trübt ihre spiegelglatte Oberfläche. In der schönen Jahreszeit herrscht Unbeschwertheit. Großmutter Fisch wird daher bis zu den Winterabenden warten müssen, um aus den Tiefen aus alter Erinnerung wieder aufzutauchen und so manches Kinderherz erschauern zu lassen.
Vom Sportlehrer zum Moorführer: Marc Dallerys ungewöhnlicher Weg
Bevor wir uns verabschieden, frage ich meinen Guide, welche Ausbildung er absolviert hat, um sich ein so umfassendes Wissen anzueignen. Tatsächlich war Marc Sportlehrer mit mobilem Einsatz. Fast zufällig wurde er Leiter der Maison des Marais in Longpré-les-Corps-Saints. Als Mitglied der Planungsgruppe und der Kommission, die mit der Einrichtung des Vogelschutzgebiets von Grand-Laviers betraut war, verfügte er bereits über ausgezeichnete Kenntnisse der regionalen Flora und Fauna. Diese Erfahrung brachte ihn schließlich dazu, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich danke ihm herzlich dafür, dass er sein wertvolles Wissen mit uns geteilt hat. Hoffen wir, dass er seine Begeisterung, die jede seiner Führungen zu einem ganz besonderen Erlebnis macht, noch viele Jahre weitergeben wird.
Praktische Informationen, wenn Sie die Vorzüge der Stille und einer unberührten Natur schätzen.
Warnung!
Das Baden in den Teichen ist verboten. Auch wenn ihr ruhiges, klares Wasser zum Baden einlädt, ist diese Ruhe trügerisch: Sie können schnell zu tödliche Falle werden. Aufgrund der stark unterschiedlichen Wassertiefen und Temperaturunterschiede besteht erhebliche Gefahr. Badegäste können sich leicht in der Unterwasservegetation verfangen, im Schlamm einsinken oder einen Kälteschock erleiden.
Ausflüge von April bis September.
Entdeckung des Moors mit dem Kanu.
Entdeckung der Sehenswürdigkeiten des Torfmoors.
Bukolische Ausflüge in traditionellen Booten.
Ausflüge zur Entdeckung der Vogelstimmen des Sumpfes (Juni).
Auskünfte im Maison des Marais
Rue de l'Ancienne Gare (Straße des alten Bahnhofs)
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 3 22 31 86 93
Facebook: Maison des Marais
Web: Maison des Marais – Longpré-les-Corps-Saints
Geöffnet vom 1. April bis zum 30. September.
Mittwoch bis Sonntag von 9:30 bis 12:30 Uhr und von 13:30 bis 18:00 Uhr
![]() | ![]() | ![]() |
|---|---|---|
![]() | ![]() | ![]() |

Entlang der Fahrradroute Vallée de Somme präsentiert sich das Maison des marais (auf Deutsch das Haus der Moore) als ein echter Ausgangspunkt für Entdeckungen. Zwischen Kulturerbe, artenreicher Natur und abwechslungsreichen Aktivitäten unter freiem Himmel lädt es dazu ein, die verborgenen Schätze des Hinterlandes der Picardie kennenzulernen.
Maison des Marais – Zwischen Geschichte und Natur
Direkt an der Fahrradroute Vallée de Somme gelegen, gehörte das Maison des marais ursprünglich dem Notar von Longpré-les-Corps-Saints. Sein Mieter hatte damals das Privileg, mitten in einer unberührten Naturlandschaft zu leben. Im Jahr 2012 wurde das Gebäude in eine Touristeninformation umgewandelt. Heute ist es Ausgangspunkt zahlreicher Naturausflüge: zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf einem mehr als 100 Kilometer langen Netz ausgeschilderter Wege sowie mit dem Kanu oder einem Elektroboot.
Marc Dallery, den ich bereits in Kapitel 4 über die Sümpfe der Somme vorgestellt habe, bietet hier geführte Exkursionen an, bei denen Besucher die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt der Sümpfe des Départements Somme entdecken können.
Mélanie – Mit Leidenschaft für ihre Besucher da
Ich traf Mélanie, die an diesem Tag von Gauthier unterstützt wurde. Mélanie Houbron kam 2016 im Zuge mehrerer Verwaltungsreformen zum Maison des marais. Nach und nach arbeitete sie sich in ihre neue Aufgabe ein, die sie heute mit großer Kompetenz und viel Leidenschaft ausübt. Sie legt großen Wert auf eine persönliche Beratung und geht dabei oft über die eigentlichen Wünsche der Besucher hinaus, um ihnen auch weniger bekannte Seiten der Region näherzubringen. Darüber hinaus kümmert sie sich um die Reservierungen für Besichtigungen und geführte Naturausflüge. Vor allem während der Sommersaison ist ihre Arbeit sehr intensiv. Den Winter nutzt sie, um sich weiterzubilden und die Region, die ihr sehr am Herzen liegt, noch besser kennenzulernen. In dieser ruhigeren Jahreszeit kann sie ihrer sprudelnden Kreativität freien Lauf lassen und zahlreiche neue Projekte entwickeln.
Verborgene Schätze im Herzen der Picardie – eine Einladung zum Entdecken
Während der Europäischen Tage des offenen Denkmals (Journées du patrimoine) im September können Sie Mélanie persönlich kennenlernen. Bei dieser Gelegenheit führt sie Besucher durch die Krypta der Stiftskirche von Longpré (siehe Kapitel 1: Longpré-les-Corps-Saints) und weiht sie in ihre faszinierende Geschichte ein. Die junge Frau bedauert, dass sich viele Besucher von der Küste anziehen lassen und darüber die Schätze des Hinterlandes aus dem Blick verlieren. Wenn Sie die Region während der Saison besuchen, sollten Sie unbedingt ihren Rat einholen – sie kennt die Gegend wie kaum jemand sonst und hält viele wertvolle Tipps für Sie bereit.
Öffnungszeiten
Das Maison des marais in Longpré-les-Corps-Saints ist vom 1. April bis zum 30. September jeweils von Mittwoch bis Sonntag geöffnet.
Vor Ort können Sie außerdem Fahrräder mieten.
Neben einer persönlichen Beratung finden Sie hier zahlreiche Informationsbroschüren und Prospekte. Im kleinen Laden werden Honig und weitere Imkereiprodukte der Imkerei MaMaTi, Kinder- und Erwachsenenbücher sowie in Frankreich gefertigte Souvenirs wie Vogelstimmenpfeifen, Magnete, Leinenbecher oder Postkarten angeboten.
Jeden Freitag findet ein Biomarkt mit regionalen Erzeugern statt. Der Gemüsestand Ché Bio Gardins von Bertrand ist jede Woche vertreten. Pascaline kommt alle zwei Wochen mit ihrem mobilen Lebensmittelladen Du Vrac dans le Bocal, während die Imkerei MaMaTi einmal im Monat ihre Honigspezialitäten anbietet. Auch eine Bäckerei, eine Käserei, Metzgereien und weitere regionale Erzeuger sind regelmäßig auf dem Markt vertreten.
Maison des Marais
Rue de l'ancienne Gare
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 3 22 31 86 93
Internet: https://www.tourisme-baiedesomme.fr/en/

Der Bio- und Regionalmarkt im Maison des Marais in Longpré-les-Corps-Saints besteht seit 2012. Waren die Anfänge noch bescheiden, zieht er heute regelmäßig zahlreiche Besucher an. Die außergewöhnliche Kulisse der Moorlandschaft mit ihrem je nach Jahreszeit, Tageszeit und Wetter ständig wechselnden Licht und Landschaftsbild verleiht dem Markt einen ganz besonderen Reiz. Auch das Angebot der Erzeuger hat sich im Laufe der Jahre erweitert: ein mobiler Biolebensmittelladen, ein Bäcker, ein Imker, ein Anbieter von Milchprodukten aus eigener Herstellung sowie viele weitere Direktvermarkter bieten hier regelmäßig ihre Erzeugnisse an. Lernen Sie nun den Mann kennen, mit dem alles begann und der diesem Freitagnachmittagstermin seit den Anfängen die Treue hält.
Hier haben die Pflanzen das Sagen
Mit seinem Stand für Biogemüse war Bertrand Bouvier der erste Händler auf dem Markt. Der gebürtige Longpréer bewirtschaftet Parzellen in Longpré, nur rund hundert Meter vom Maison des Marais entfernt, sowie im Nachbarort Fontaine-sur-Somme. Während ich auf ihn auf seinem Feld in Fontaine wartete, nutzte ich die Gelegenheit, zwischen seinen Kulturen umherzustreifen. Neben den Folientunneln, aus denen einem schon beim Näherkommen eine drückende Hitze entgegenschlägt, scheinen Kulturpflanzen, Wildblumen und Wildkräuter harmonisch nebeneinander zu gedeihen.
Hier haben die Pflanzen das Sagen. Nichts ist gestriegelt und geschniegelt, nichts streng in Reih und Glied gepflanzt – ganz im Gegenteil, und genau das ist beabsichtigt. „Bevor überhaupt etwas angebaut wird“, erklärt mir Bertrand, „muss zunächst der Boden vorbereitet werden, damit sich die Pflanzen gut entwickeln können.“ Anfangs jätet der junge Gemüsebauer noch von Hand. Doch irgendwann sind die Kulturen kräftig genug, um sich gegen das Beikraut durchzusetzen. So wachsen Topinambur, Wasserminze und Gänsedisteln hier ganz einträchtig nebeneinander.
In den benachbarten Folientunneln wechseln sich Reihen von Tomaten mit Auberginen und Paprika ab. Dazwischen wurden Basilikum, Estragon, Zitronenverbene, Pfefferminze und andere Kräuter gepflanzt, um ein natürliches Gleichgewicht zu schaffen und bestimmte Insekten fernzuhalten oder gezielt anzulocken.
Der Natur ihren Lauf lassen
Etwas weiter erstreckt sich eine Spalierobstanlage mit Apfelbäumen, deren Äste schwer von Früchten beladen sind. Daneben wachsen noch junge Birnen- und Aprikosenbäume. Es wird noch etwa zwei Jahre dauern, bis sie die ersten Früchte tragen. Hier bleibt kein Quadratzentimeter unbewachsen; das hohe Gras verbirgt sogar einen naturbelassenen Teich. Zwischen dem üppigen Grün blüht Borretsch – ein tiefblaues, samtiges Sternchen, das man am liebsten berühren möchte. So weit wie möglich lässt Bertrand der Natur freien Lauf, damit sich Nützlinge ansiedeln können, die Schadinsekten parasitieren oder fressen. Diese Artenvielfalt trägt dazu bei, ein natürliches Gleichgewicht zu schaffen.
Wir gehen am Aussaatgewächshaus vorbei, lassen drei bei den Vögeln besonders beliebten Kirschbäume rechts liegen und gelangen schließlich zum Gewächshaus für Melonen und Wassermelonen. Die Ernte ist für Mitte September vorgesehen. Trotz der Mulchfolie bahnen sich Unkräuter immer wieder ihren Weg; Bertrand zieht einige davon aus. Die Früchte sind noch klein, und hier und da sind noch Blüten zu sehen.
„Dank der heutigen Sorten“, erklärt mir Bertrand, „kann man inzwischen Pflanzen anbauen, die man traditionell mit dem Süden verbindet.“ So kultiviert er beispielsweise einen rosa Knoblauch mit mildem, aromatischem Geschmack.
Ché bio gardins: ein Projekt gegen den Strom
Anfangs hatte der junge Mann in den Vierzigern nicht vor, im Gemüsebau tätig zu werden. Nach einer Kindheit in Longpré, wo er viel Zeit im Garten verbrachte, entschied er sich für ein Agrarwissenschaftsstudium, das er als Forstingenieur mit Schwerpunkt Energieholzproduktion abschloss. Nach seinem Abschlusspraktikum lehnte er ein unzureichend bezahltes Stellenangebot ab und stellte sich die Frage nach seiner beruflichen Zukunft. Dieser leidenschaftliche Gärtner beschloss daraufhin, Gemüseanbauer zu werden und gründete 2011 seinen eigenen Betrieb: Ché bio gardins.
Er, der zuvor nie Pflanzenschutzmittel eingesetzt hatte, änderte nichts an seinen Gewohnheiten. Anfangs stieß er auf große Skepsis seitens der konventionellen Landwirte, die seine Produktionsweise nicht verstanden und möglicherweise dachten, dass diese Modeerscheinung wieder vorübergehen würde. Mit einem schelmischen Lächeln erklärt Bertrand mir, dass seine damaligen Kritiker ihn und etwa ein Dutzend andere Bioproduzenten für – wie er sagt – regelrechte UFOs hielten. Sie lagen damit gründlich falsch.
Vom Feld ins Glas, ohne Umwege – Nähe ist Trumpf
Auch wenn natürliche Produkte derzeit im Trend liegen, bleibt es schwierig, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Diese Situation scheint der Leidenschaft des gebürtigen Longpréers für das Konzept des lokalen Bioanbaus jedoch nichts anhaben zu können. Für ihn wäre es unvorstellbar, dass die Menschen in der Umgebung nicht von seiner Produktion profitieren könnten.
Die Anfänge gestalteten sich zwar finanziell mitunter sehr schwierig, doch das Angebot des Verbands der Baie de Somme, seinen Verkaufsstand 2012 im Maison des Marais aufzustellen, kam genau zum richtigen Zeitpunkt und ermöglichte es ihm, den Verkauf seines Biogemüses dauerhaft zu etablieren. Darüber hinaus erlaubt ihm der extrem kurze Vertriebsweg ohne Zwischenhändler, wettbewerbsfähig zu bleiben und Preise anzubieten, die teilweise sogar unter denen mancher konventioneller Gemüsesorten im Supermarkt liegen.
Der Markt in den Mooren hat ihm außerdem geholfen, durchzuhalten, weiter dazuzulernen und sein Produktsortiment zu erweitern, das sich inzwischen nicht mehr auf Obst und Gemüse beschränkt: Tomaten werden zu Passata verarbeitet und Äpfel zu Saft, einige Gemüsesorten zu Suppen und andere zu Ratatouille.
Für die Verarbeitung des Gemüses setzt er auf die nahe Boulogne-sur-Mer gelegene Konservenmanufaktur Chênelet, eine biozertifizierte Organisation zur sozialen Integration durch Arbeit. Die Äpfel werden dagegen rund vierzig Kilometer entfernt in Bergicourt von Simon Lenoir, einem Produzenten von biologischem Apfelwein und Apfelsaft, zu Saft verarbeitet.
Nicht zuletzt sei erwähnt, dass die Früchte und das Gemüse von Bertrand, die am selben oder am Vortag geerntet wurden, nicht nur besonders geschmackvoll, sondern auch außergewöhnlich lange haltbar. Welcher Supermarkt kann da mithalten?
Ché bio Gardins
Verkauf im Maison des marais in Longpré-les-Corps-Saints, jeden Freitag von 16:30 bis 19:00 Uhr.
Rue de l’ancienne Gare
80510 Longpré-les-Corps-Saints
CHAPTER 7
PERCHED ON THE HEIGHTS OF LONGPRÉ-LES-CORPS-SAINTS:
CAMPING D'O
Camping d’O hums with a gentle buzz of activity. The workers busy with various jobs around the campsite come and go, relaxed and unhurried. Among them is Armand O, Charline’s husband, who greets me with a wave and gestures toward the reception – his wife awaits me there. At the entrance, a blackboard wishes all the Maximiliens a happy feast day and welcomes the campers. In the midst of the year’s fourth heatwave, temperatures have climbed to 35°C. Children begin streaming towards the swimming pool, while a few adults have already settled onto sun loungers beneath the shade of parasols.
Reception is just as lively, with the laughter of young swimmers carrying over from the pool. Charline, a smiling woman in her thirties, with a sun-kissed complexion from a summer that almost made us forget the rain, is setting up the remote control for the new barrier gate on her phone. A young family checks out, immediately replaced by an elderly couple. As the morning draws to a close, someone fires up the barbecue, briefly filling the air with the smoky scent of charcoal. With all these demands on her time, Charline apologises for keeping me waiting. But really, isn’t that what a campsite is all about: a joyful hum and bustle, where everyone is free to be exactly as they please, doing things their own way, without constraints and without hurry.
A Heartfelt Dream, Carefully Considered
Charline and Armand took over the campsite in mid-June, on a whim born of a desire that had been quietly growing for several years. Before meeting his wife, Armand had never camped in his life. Charline, on the other hand, recalls spending every summer as a child caravanning south with her parents and grandparents. It was a childhood memory she wanted to share with her husband, and so she bought a caravan from a man who was looking to get rid of it after selling his garage. By then already running her own estate agency in Longpré-les-Corps-Saints, Charline was beginning to dream of having a campsite of her own, imbued with the spirit of those childhood memories.
A Campsite Reborn
Since then, everything has fallen into place: Charline is currently running the estate agency remotely, and summer, traditionally a quiet period in the property business, lends itself perfectly to it. All the more so because, once they arrived, they quickly took off the rose-tinted glasses of those first visits and got a clear picture of the work that lay ahead. Far from feeling discouraged, they rolled up their sleeves right away.
Neglected for nearly two years, the site had become overgrown with brambles and weeds; the campsite’s two mobile homes had turned green for lack of maintenance, and the uncovered pool was filled with stagnant, greenish water. Although the couple lost two of the fifteen permanent residents upon taking over, they didn’t let it discourage them. On the contrary, they set to work: clearing the undergrowth, pruning, cleaning, bringing the electrical installation up to standard, renovating the playground and, above all, bringing much-needed good cheer to the residents, who had felt abandoned in recent years.
Charline and Armand are now hoping to welcome one to three new permanent residents to the former Camping de la Haute Borne, which is now open from April 1st to October 31st. To mark a break with those years of neglect, they have given it a new name. La Haute Borne is now Camping d’O, named after Charline and Armand themselves.

Mobile home

The pool

Your holiday home awaits!

Mobile home
Where Generations Meet
Lucien, the youngest of the family, joins the conversation. At two, he is already discovering a warm and welcoming environment where work and family life intertwine throughout the summer season. As he starts to get a little restless, Charline asks Bertille, the younger of her older children, and Louis, the eldest, to take him to his grandmother.
For a few weeks now, Bertille and Louis have been camping in a tent, often joined by children of some of the permanent residents, with whom they have struck up friendships. Louis, meanwhile, has taken on the task of collecting the residents’ orders for
bread and pastries, which Charline delivers every morning starting at 8 a.m. He meticulously records everything on a chart he made himself and carries out his duty with great pride and seriousness, so much so that he has already earned glowing comments on Park4Night and Google.
From Dream to Reality
It is precisely this warm, family-friendly, peaceful and natural atmosphere that Charline aims to cultivate at her campsite. She remembers the first holiday she and Armand spent in the caravan she had bought from the garage owner. Armand had chosen the Ardèche as their destination. “A bit daring for a first caravan trip,” she says with a smile. It was a small campsite owned by a winemaker who saw it as a way to supplement his retirement income. Back then, guests could buy some of the wine and apple juice he produced, as well as order bread and pastries. In the meantime, a small shop selling local products has also been added.
![]() Camping d'OThe pool, inviting, rain or shine | ![]() Camping d'OAn invitation to dolce far niente | ![]() Camping d'OHere, your name day never goes unnoticed. |
|---|
With a touch of nostalgia, Charline recalls Michel, the owner, and his warmth and hospitality. That is the spirit she wants to bring to her own campsite. In fact, she already has a whole list of projects planned for the autumn and winter: pruning the trees along the edge of the site to restore the splendid view over the village and valley, leveling the pitches, moving the playground to the heart of the campsite, creating a pétanque court, converting the mobile home at the entrance into a snack bar (which will require obtaining a Type III license to serve wine and beer), considering additional shade and renovating the swimming-pool terrace and its pump. She dreams of a saltwater system – more expensive, admittedly, but less demanding to maintain and gentler to the skin than the current chlorine system. The list is not exhaustive, but one thing at a time.
To Be Continued…
Despite the urgent reopening of the campsite and the challenges ahead, Charline and Armand have already managed to create a warm and welcoming setting where residents and passing campers mingle in the traditional “T-shirt, shorts and flip-flops” spirit of camping holidays. It’s a place where people of all ages and from all walks of life come together, and where everyone is greeted with a smile. In short, a place whose imperfections only add to its charm.
And so I close this chapter, with a promise to return next year and tell you all about what’s new.
![]() Camping d'OArmand and Charline | ![]() Camping d'O | ![]() Camping d'OThe Hideaway |
|---|---|---|
![]() Camping d'O | ![]() Camping d'OAn Invitation to Dolce Far Niente | ![]() Camping d'ONot only for humans... |
Open from 1 April to 31 October
Heated swimming pool open from mid-June to the end of August
Bread and pastries delivered for breakfast
Camping d’O
Cavée Vincent
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Tel.: +33 6 77 71 26 60
Internet: Le camping d'O
Listed on Park4Night

CHAPTER 8
AUX BULLES D'EAU DOUCE:
AN ENCHANTING RETREAT BY THE WATER
Looking for a peaceful getaway, surrounded by sky and water and nestled in a lush green setting? Come with me to discover a warm and poetic holiday cottage in the heart of the Somme, where Leslie and Vincent have thought of everything to make their guests’ stay as relaxing and enjoyable as possible.


A Peaceful Haven by the Water, Lovingly Renovated
Dreaming of a getaway by the water? To enjoy the tranquil change of scenery offered by Aux bulles d’eau douce, simply follow a private lane just a stone’s throw from the village of Longpré-les-Corps-Saints. Along the way, gardens dressed in their spring finery unfold, bordered by the peaceful waters of the pond shared by the fortunate owners of plots in the Parc du Bel Air.
Leslie is waiting for me. She opens the gate to this little world of water and sky, with its tranquil charm. A resident of Longpré since 2016, she has fallen utterly in love with the village. In 2023, she and her partner Vincent fell in love with a chalet here, which they renovated and modernised over a year and a half of work, every weekend, with the invaluable help of their friend Romain. In the end, their efforts paid off: in June 2024, they opened the holiday cottage. Although Aux bulles d’eau douce is listed on Airbnb, Leslie and Vincent are never far away, always ready to respond to their guests’ needs, to which they are particularly attentive.
With Nature as a Constant Companion
The chalet comprises a bedroom, a large living area, a kitchen and a bathroom, but it is the generous proportions of the main room that immediately stand out. Its high, pale-wood roof structure and the large picture window opening onto the covered terrace draw the eye out towards the little garden and the agate-coloured waters of the pond. The result is an extraordinary sense of space, where indoors and outdoors merge, like a living painting in which nature flows freely inside.
Everything here encourages a connection with nature: the pared-back aesthetic, the natural materials, the understated functionality and, everywhere you look, the view of the still waters and surrounding vegetation. For now, there is still only a veil of tender young green, but as the season advances, it will become a natural screen, offering guests a little more privacy.
A Lively and Welcoming Garden
Vincent, Leslie’s partner, has pruned, mown and trimmed, lovingly tending the garden in preparation for spring’s arrival. The branches of the wild cherry tree are already adorned with pink blossoms, the lilac is hinting at the explosion of flowers to come, daffodils stand proudly to attention, and the hellebore reminds us, at the end of March, that winter will soon be nothing more than a memory.
Meanwhile, Raymond and Huguette, two mallards, go about their duck business and would have no hesitation, if we let them, in joining us inside the chalet. The pair of waterfowl can be gently shooed away, only to wander a little farther off and bask lazily in the sunshine on the lawn.
The Ultimate Wellness Feature: a Spa with a View
Leslie continues the tour with the fully equipped kitchen, the bathroom with its pebble-shaped basin, and the living and dining area, where shades of green and blue and the warmth of wood echo the surrounding natural landscape. Finally, there is the bedroom, with its pretty wall decorations reminiscent of sun-shaped flowers.
Ideal for a couple with two children, who, lying on the sofa facing the terrace, will surely whisper stories to one another until “the end of the night”, the cottage has one more little treasure in store for its guests: a spa tucked away in a separate little chalet. Immersed in 39-degree water, holidaymakers can enjoy breathtaking views over the pond, in summer and winter alike.
Simple and heartfelt hospitality
To round off the visit, Leslie offers me a coffee, which we sip together on the jetty while admiring the swans gliding across the water a little farther away. Everything here invites you to forget about the outside world, lulled by the chatter of birds busily building their nests in preparation for the arrival of the warmer days and the fledglings they will bring.
P.S. And by the way, at Leslie and Vincent’s, you can enjoy your holiday with your four-legged companions too – they are very welcome 😊And one final thoughtful touch: a bottle of apple juice, two tea bags and two coffee capsules are waiting for guests to enjoy a refreshing drink as soon as they arrive.
Parc du Bel Air
80510 Longpré-les-Corps-Saints
Mail: auxbullesdeaudouce80@gmail.com
Facebook: Aux bulles d’eau douce
Instagram: Aux_bulles_deau_douce






















































































