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Ciel bleu et nuages.JPEG

Der Henson

Ein Pferd aus der Somme mit nordischen Wurzeln

Woran denken Sie, wenn Sie den Namen Somme hören? An regionale Spezialitäten wie die Ficelle Picarde oder an die Macarons aus Amiens? An berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale von Amiens oder den Vogelpark Marquenterre? Vielleicht kommen Ihnen auch Persönlichkeiten wie ules Verne in den Sinn, der die Somme zu seiner Wahlheimat machte. Wussten Sie jedoch, dass in den 1970er-Jahren auf diesem Land aus Sand und Wasser der Grundstein für eine neue Pferderasse gelegt wurde? So wurde ein kleines, kerniges, vielseitiges Pferd geboren, das sich bis heute stetig weiterentwickelt hat. Seit 2003 ist der Henson als eigenständige Pferderasse offiziell anerkannt. Heute lebt er in den weiten Landschaften der Somme-Bucht, deren empfindliche Natur er gemeinsam mit Highland-Rindern durch natürliche Beweidung erhält.

Die Legende

Eines Tages ließ Gott seinen Blick über die Somme-Bucht schweifen. Vielleicht dachte er bei sich, dass ihre Schönheit bewahrt werden müsse, indem er ihr eine Gestalt verlieh. So hob er eine Handvoll hellen Sandes auf und blies darauf. Der Sand wirbelte empor und formte ein Pferd, dessen goldenes Fell im Sonnenlicht schimmerte wie die Strände der Bucht, während seine schwarz-goldene Mähne an das Glitzern der Wellen erinnerte. Zufrieden strich Gott schließlich mit dem Finger über den Rücken des Tieres – vom Mähnenansatz bis zum Schweif – und hinterließ als Signatur den charakteristischen schwarzen Aalstrich. So verband er die Farben der Somme-Bucht für immer mit diesem stolzen Pferd: dem Henson.

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Die Geschichte

Hat Gott Bernard Bizet inspiriert? Wie dem auch sei – am Anfang stand ein Mann, der nach einer Reise nach Skandinavien Fjordpferde in die Somme-Bucht brachte, um sie dort zu züchten. Damals steckte der Naturtourismus noch in den Kinderschuhen. Anfang der 1970er-Jahre entstand bei ihm die Idee, ein robustes, vielseitiges Reitpferd zu schaffen, das das ganze Jahr über im Freien leben konnte. Es sollte außerdem ein ausgeglichenes Wesen besitzen, damit es sowohl für Kinder als auch für wenig erfahrene Reiter geeignet wäre.

Die ersten Kreuzungen verbanden Fjordpferde mit Anglo-Arabern. Bernard Bizet hatte allerdings nie die Absicht, eine eigene Pferderasse zu begründen. Lionel Berquin, der damals saisonal als Reitführer für Bernard Bizet tätig war, beschloss jedoch, in diese Richtung zu experimentieren. Zusammen mit seinem Bruder und einigen Freunden gründete dieser leidenschaftliche Pferdemann den Verein der Reiter der Somme-Bucht. Ihr kühnes Ziel bestand darin, aus diesem kleinen Pferd – das erst 1986 den Namen Henson erhielt – eine eigenständige Rasse zu machen.

Ein langer Weg lag vor ihnen. Doch ihre Ausdauer wurde schließlich belohnt. Übrigens wird Henson „Ännson“ ausgesprochen, also nicht typisch französisch. Bis zur offiziellen Anerkennung der Rasse vergingen dennoch weitere Jahre: Erst am 10. Juli 2003 wurden drei Jahrzehnte engagierter Zuchtarbeit gekrönt, als das vielseitige Pferd offiziell als 44. französische Pferderasse anerkannt wurde.

Ich wollte mehr über dieses Pferd erfahren, das heute zu den Wahrzeichen der Somme-Bucht gehört. Deshalb verabredete ich mich mit Stéphanie Roussel, der Leiterin der Henson-Reitanlage in Saint-Quentin-en-Tourmont.
 

Der Henson

Der Henson

Espace Équestre Henson - Saint-Quentin-en-Tourmont

Der Henson

Der Henson

Espace Équestre Henson - Saint-Quentin-en-Tourmont

Der Henson

Der Henson

Espace Équestre Henson - Saint-Quentin-en-Tourmont

Eine Lodge mit skandinavischem Flair

Die Henson-Reitanlage liegt etwas versteckt, umgeben von Feldern und Bäumen, abseits des Dorfes. Als ich ankomme, steht eine Gruppe von Frauen und Männern in der Reitbahn um ein Pferd versammelt – eine Equicoaching-Einheit ist gerade im Gange. Abgesehen von ihnen ist niemand zu sehen. Die Morgensonne trocknet den Tau eines noch kühlen Frühlingstages. Ich atme die frische Luft tief ein und gehe auf eine imposante Holzlodge zu. Der dekorative Giebel und die roten Fensterrahmen verleihen ihr einen skandinavischen Charakter – vielleicht eine Anspielung auf die norwegischen Wurzeln des Hensons.

Drinnen stelle ich mich drei jungen Männern vor, die sich am Empfang unterhalten. Bevor sie gehen, sagen sie mir, dass Stéphanie jeden Augenblick eintreffen müsste. So bleibe ich allein zurück – nur eine schwarze Katze räkelt sich auf einer Bank mit Kissen aus grobem Jutestoff. Diese schlichte, natürliche Ästhetik setzt sich in der gesamten Einrichtung fort und verbindet liebevoll restaurierte Möbel mit dem behaglichen Charme vergangener Zeiten. Sonnenlicht durchflutet das Clubhaus und lässt das bernsteinfarbene Holz der Wände, die mit Pferdefotografien geschmückt sind, warm aufleuchten. Gerade als ich mich in einen der Sessel am frei hängenden Kamin setzen will, kommt Stéphanie lächelnd aus der Sattelkammer. Sie bietet mir einen Kaffee an – eine willkommene Stärkung an diesem frischen Morgen.

 

Ein Beruf aus Leidenschaft

Schon seit ihrer Kindheit ist Stéphanie eine begeisterte Reiterin. Sie stammt aus dem kleinen Küstenort Le Crotoy, der nur etwa zehn Kilometer von Saint-Quentin-en-Tourmont entfernt liegt. Eigentlich hatte sie nie geplant, ihre Leidenschaft für Pferde zum Beruf zu machen. Im Jahr 2010 schloss sie ihr Studium im Management und Rechnungswesen ab. Damals erfuhr sie durch eine Freundin, dass das Espace Henson eine Sekretärin mit Buchhaltungskenntnissen suchte. Betrachtet man ihr zufriedenes Lächeln, scheint sie ihre damalige Entscheidung keine Sekunde bereut zu haben.

Inzwischen hat sich ihr Aufgabenbereich jedoch grundlegend verändert: Heute leitet sie die Einrichtung. Sie erklärt mir, dass zwar jeder Mitarbeiter sein eigenes Fachgebiet hat, zugleich aber alle vielseitig einsetzbar sind. Und alle reiten. „Wer bei seiner Ankunft noch kein Reiter ist, wird früher oder später einer“, sagt sie lachend.

Obwohl das Unternehmen einer Gruppe von Freunden gehört, haben diese die Leitung des Betriebs inzwischen in die Hände der Angestellten gelegt. Die Gesellschafter geben Impulse, beraten das Team und bringen ihre Vorstellungen für die Weiterentwicklung des Unternehmens ein. Einige der Gründer sind bis heute beteiligt, darunter der Tierarzt Michel Trencart und sein Bruder Philippe, Dominique Cocquet, der früher die Espaces équestres Henson leitete, sowie Marc Berquin, der Bruder von Lionel. Lionel Berquin hat seine Anteile inzwischen verkauft und in Saint-Firmin den kleinen Verein Les Centaures de la Baie de Somme (die Zentauren der Somme-Bucht) gegründet.
 

Stéphanie Roussel

Stephanie Roussel

Von Port-le-Grand zur nationalen Anerkennung

1979 führten diese Pferdebegeisterten das von Bernard Bizet in Ponthoile begonnene Projekt fort – mit dem Ziel, eine eigenständige Pferderasse zu schaffen. In Port-le-Grand gründeten sie die Association des Cavaliers de la Baie de Somme (Verein der Reiter der Somme-Bucht). Drei Jahre später, 1982, wurden mit Quelea de Henson und Queenee de Henson die ersten Fohlen der zweiten Generation geboren.

Das Jahr 1982 markierte zugleich einen entscheidenden Wendepunkt. Neben den französischen Staatsgestüten (Haras nationaux) unterstützte nun auch das SMACOPI (Zweckverband für die Entwicklung der picardischen Küste), das damals unter der Leitung von Dominique Cocquet stand, das Vorhaben. Daraus ging die Association du Cheval Henson (Verein zur Förderung des Henson-Pferdes) hervor.

Um die Somme-Bucht zu schützen und den zunehmenden Tourismus in geordnete Bahnen zu lenken, genehmigte das SMACOPI der Association des Cavaliers de la Baie de Somme und der Association du Cheval Henson, ihre Zuchtstätte auf der Domaine du Marquenterre anzusiedeln. Die Brüder Berquin verließen daraufhin Port-le-Grand und ließen sich dort nieder. Dort erhielten sie das Nutzungsrecht für das Naturschutzgebiet, das ihnen den Zugang zum Strand ermöglichte. Für Dominique Cocquet bestand die Herausforderung darin, „die Natur zur Geltung zu bringen … und gleichzeitig Besucher willkommen zu heißen“.

Natürliches Reiten

Die Pioniere des Henson-Pferdes brachten eine besondere Sattelart mit, die bis heute in den Espaces équestres Henson verwendet wird. Es war ein glücklicher Zufall, dass sie in Port-le-Grand britische Militärsättel aus dem Ersten Weltkrieg fanden. Von deren Qualität überzeugt, ließen sie die Sättel aufarbeiten und modernisieren. Heute werden diese Modelle in Indien gefertigt. Der derzeit verwendete Sattel mit beweglich aufgehängtem Sattelbaum wurde entwickelt, um den Rücken der Pferde bei langen Ausritten zu schonen. Außerdem bietet seine tiefe Sitzfläche gerade Anfängern einen sicheren Halt im Sattel.

Henson
Henson
Henson
Henson
Henson
Henson

In Saint-Quentin-en-Tourmont wird zudem ohne Gebiss geritten. Die Pferde tragen einen sogenannten Hack-Henson, eine aus nautischem Tauwerk gefertigte Zäumung, die wesentlich salzwasserbeständiger ist als Leder und sich besonders gut für das Reiten im Freien eignet. Sie ermöglicht es unter anderem, mit den Pferden zu schwimmen. Diese Zäumung übt Druck auf den Nasenrücken und nicht auf das Maul des Pferdes. So kann das Pferd nach Belieben trinken und grasen, während es zugleich vor manchmal unbeholfenen Einwirkungen unerfahrener Reiter am Gebiss geschützt wird.

Das ganzjährig im Freien lebende Henson-Pferd ist ein vielseitiges, trittsicheres und ausdauerndes Reitpferd, das sich hervorragend eignet, um die Natur zu entdecken. Da es an das Leben im Freien gewöhnt ist, zeigt es wenig Scheu – ein großer Vorteil für Reitanfänger. Saint-Quentin-en-Tourmont heißt sowohl Anfänger als auch erfahrene Reiter willkommen. Angeboten werden Ausritte unterschiedlichster Art, von der einfachen Tour bis hin zu mehrtägigen Wanderritten mit Biwak – mit dem besonderen Privileg, durch wilde Landschaften zu reiten, die für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind.

 

Ein Leben im Freien

Jedes Jahr kommen etwa dreißig bis vierzig Fohlen um den April herum zur Welt. Bis sie im Alter von etwa sechs Monaten von den Müttern abgesetzt werden, leben sie gemeinsam mit ihnen auf den 500 Hektar Weiden und Feuchtwiesen rund um das Gestüt von Rue.

Zu Beginn des Frühlings, nach dem Überwintern auf sandigen Weiden – wo die Pferde mit Gerste und Heu aus eigener Erzeugung gefüttert wurden –, werden sie auf die Weiden des Vogelparks Marquenterre gebracht. Dort tragen sie zur Pflege der Landschaft bei. Allerdings muss erst gewartet werden, bis das Gras hoch genug gewachsen ist: Hier gibt die Natur den Rhythmus vor. Es gibt keinen festen Termin für den Umzug auf die Sommerweiden, der sich ab Mitte April über etwa zwei Wochen erstreckt.

Der Herbst markiert einen der Höhepunkte des Pferdejahres in der Somme-Bucht: die Transhenson, den großen Weidewechsel der Henson-Pferde zu ihren Winterquartieren. Mehr als nur eine jahreszeitliche Wanderung ist sie ein großes Fest, das gegen Ende Oktober stattfindet. Zu diesem Anlass holen über 200 Reiter und etwa ein Dutzend Gespanne die Zuchtstuten mit ihren Fohlen sowie weitere Zuchtpferde ab.

Dieser eindrucksvolle Ritt entlang der glitzernden Weiten des Ärmelkanals und der Dünenzüge zieht jedes Jahr zahlreiche Zuschauer an, die die Pferde zu Fuß auf einem parallel verlaufenden Weg begleiten. Sobald die Henson-Pferde am Standort Saint-Quentin-en-Tourmont angekommen sind, geht das Fest mit Reitvorführungen, Workshops zur Tier- und Pflanzenwelt der Somme-Bucht, einem Markt regionaler Erzeuger und verschiedenen Darbietungen weiter. Den Abschluss bildet das traditionelle Muschel-Pommes-frites-Essen zugunsten der sozialen Einrichtungen der Gemeinde.

Gut zu wissen

Bei ihrer Rückkehr nach Saint-Quentin-en-Tourmont erhalten die etwa sechs Monate alten Fohlen ihre ersten Lektionen. Sie leben in einer Gruppe zusammen mit einer älteren Stute. Dieses Jahr war diese „Herden-Oma“ stolze 30 Jahre alt. Erst viel später, im Alter von drei Jahren, beginnt das behutsame Anreiten. Es erfolgt nach dem Prinzip „Pferd lernt vom Pferd“: Über ein Halfter mit einem erfahrenen Henson-Pferd verbunden – dem „Lehrmeister“ – und unter der Aufsicht eines Reiters. Dabei lernt das Jungpferd, seinem älteren Artgenossen zu folgen und die Nähe von Menschen und anderen Pferden zu akzeptieren. Nach einer Phase der Gewöhnung an verschiedene Reize wird es schließlich erstmalig geritten. Damit beginnt das Erlernen der Hilfen: Hand, Schenkel und Sitz.

Die Transhenson von ihrem Gründer erzählt

In einem Interview mit WhereSomme erklärte Dominique Cocquet im Jahr 2025, dass er ganz am Anfang die Idee gehabt habe, daraus einen schönen Ausritt zu machen – für Reiter ebenso wie für Pferde –, zumal dieser Weidewechsel den Beginn der Entwöhnung Anfang November ankündigt. Er habe sich damals gedacht, dass sich vielleicht einige Fohlen in den Kiefernwald verirren würden, man aber viel Spaß daran haben könnte, sie dort wieder einzufangen.

Im Laufe der Jahre wurden die Besitzer von Henson-Pferden eingeladen, diese große Pferdewanderung gemeinsam mit dem gesamten Team des Espace Équestre zu begleiten, das an diesem Tag ohnehin bereits im Einsatz war. So entwickelte sich die Veranstaltung Schritt für Schritt weiter und gewann immer mehr an Bedeutung, ohne jedoch jemals ihre Authentizität zu verlieren. Dazu trug auch Dominique Cocquets Entscheidung bei, konsequent auf Sponsoring zu verzichten, um den geselligen Geist dieses Ereignis zu bewahren, das durch das Engagement zahlreicher freiwilliger Helfer möglich wird. Heute ziehen die Reiter auch durch das Dorf Saint-Quentin-en-Tourmont, was die Transhenson zu einem „gemeinschaftlichen und kulturellen Fest“ macht, ganz im Zeichen des Miteinanders und der Lebensfreude.

Wenn man Dominique Cocquet zuhört, vergisst man beinahe, dass unsere moderne Zeit den Menschen manchmal über alles andere zu stellen scheint. Die Worte, die er findet, um die entfesselten Elemente während einiger seltener Ausgaben der Transhenson zu beschreiben, führen uns zurück zu dem Platz, den der Mensch inmitten der Natur einnimmt – in der Somme, an der Seite eines kleinen Pferdes, das mit ihr eins zu sein scheint.

* WhereSomme
Die Transhenson – eine Verbindung zwischen Mensch und Natur (auf Französisch)
 

Wo kann man in der Somme-Bucht und anderswo auf Hensonpferden reiten?

Derzeit gibt es sieben Henson-Reitanlagen: Marquenterre, Fort-Mahon, Berck, Le Touquet, Chantilly, Fontainebleau und Compiègne. Jedes von ihnen ermöglicht es, außergewöhnliche Landschaften und Orte zu entdecken.

 

Alle Informationen finden Sie unter:
https://www.henson.fr/

Espace équestre henson Marquenterre
34 chemin des Garennes
80120 Saint-Quentin-en-Tourmont

Kontakt:
Informationen und Reservierungen

Tel.: +33 (0)3 22 25 68 64

Anfahrt:
Autobahn A16 – Ausfahrt Nr. 24.
Folgen Sie fast bis zum Ende der Beschilderung zum Vogelpark Marquenterre. Fahren Sie anschließend noch 600 Meter weiter.

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