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KAPITEL 1
LONG

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Long Chez François
Long La Somme
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Long zum Entspannen
Long Schiff
Long Roses
Long Château et serre
Long Kirche

Long wurde bereits in einer von Karl dem Kahlen im Jahr 844 verliehenen Urkunde erwähnt. Obwohl durch eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Nachbachort Longpré-les-Corps-Saints verbunden,  herrschte zwischen beiden Dörfern bis 1840 eine erbitterte Rivalität um Güter und Rechte an den Moore.

Long besitzt ein Schloss, das 1730 von Honoré de Buissy erbaut wurde. Es ist von einem weitläufigen Park umgeben, der auch ein prächtiges Gewächshaus umfasst, und kann vom 1. Juli bis 31. August täglich (außer sonntags) und den Rest des Jahres nach Vereinbarung besichtigt werden.

Hunde im Park erlaubt.
Kontakt
Mobil: +33 6 08 49 60 04

In diesem beschaulichen Dorf, dessen Kirche Saint Jean-Baptiste (geöffnet dienstags und samstags von 14:00 bis 17:00) eine unter Denkmalschutz stehende Orgel besitzt, die Cavaillé-Coll-Orgel von 1877, kann man am Fluss Somme entlang schlendern oder in der Brasserie Chez François oder im gegenüberliegenden Restaurant Au fil de l'eau essen.

 

Honigliebhaber sind herzlich eingeladen, den Rucher de Pascal et Martine zu besuchen. In einem idyllischen Dekor, das an Kinderbücher erinnert, wird man in einer Art Knusperhäuschen empfangen, wo man Honig sowie Bonbons, Bienenwachs, Bohnerwachs usw. aus eigener Produktion kaufen kann. Allein der Geruch beim Betreten des Ladens bringt einen dazu, verweilen zu wollen.

In Sachen Unterkunft hat man hier die Wahl zwischen zwei Campingplätzen: dem städtischen Campingplatz La Peupleraie und dem Campingplatz Le Grand Pré. Liebhaber ungewöhnlicher Übernachtungsmöglichkeiten können in der Unterkunft oberhalb des Wasserkraftwerks, dem Gîte le 110, in einer Jules Verne-Atmosphäre übernachten.

Im Tourismusbüro, im ehemaligen Schleusenwärterhaus in der Grande Rue 5, wird man mit allen notwendigen Informationen versorgt. Dort können auch Fahrräder gemietet werden.

Es können auch Elektroboote gemietet werden, mit denen Sie einige Stunden unabhängig auf der Somme fahren können (https://locpicardieboat.wordpress.com/ Website auf Französisch).

KAPITEL 2

CHEZ FRANÇOIS

Das Herz des Dorfes schlägt bei Chez François

 

In Long ist Chez François eine echte Institution. Man kommt hierher, um sich an den Tresen zu setzen, einen Kaffee, einen Diabolo Minze oder ein kleines Bier zu trinken und mit François ins Gespräch zu kommen. Auf der Terrasse genießt man die Ruhe im historischen Ortskern: links das Schloss, gegenüber das Rathaus. Viele kommen auch wegen der traditionellen, hausgemachten Küche, zubereitet vom Koch, der – wie der Inhaber – François heißt. Allerdings, wenn Not am Mann ist, stellt sich Lucie, die Mutter des Inhabers, auch wieder an den Herd – denn Chez François ist ein Familienbetrieb. Ein Ort mit so viel Herzlichkeit, dass man sich schnell zuhause fühlt.

Chez François
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Wurzeln aus der Kindheit

François ist hinter der Theke beschäftigt, er grüßt mich mit seinem gewohnten « Guten Tag, Fräulein », denn er weiß, dass ich in Deutschland lebe. 1993, in dem Jahr als er geboren wurde, erwarben seine Eltern, ein belgisches Ehepaar, ein Zweitwohnsitz in Long, um zum Angeln zu kommen. Hier verbrachte François seine Wochenenden und seine Schulferien.

Mehr als nur ein Café-Restaurant

2015 übernahm er die Dorfkneipe, die zugleich als Lebensmittelladen und Angelbedarf-Geschäft diente. Zwei Tätigkeiten, die er aufgegeben hat: »Zu kompliziert«, erklärt er. Hier spielt sich dafür das soziale Leben ab: An der Tabakwarentheke kann man Lotto spielen, Pferdewetten abgeben Fußballspiele in geselliger Runde auf Großbildschirm verfolgen oder einen stimmungsvollen Abend bei Musik, Tanz und guter Laune – ganz im Geist einer französischen Guinguette – verbringen. Long gehört nämlich zu diesen kleinen Gemeinden, die im Laufe der Zeit ihre Geschäfte verloren haben – daher ist es umso wichtiger, einen warmen Ort zu haben, an dem man sich treffen kann.

Trotz des Verschwindens seiner Geschäfte ist Long in der glücklichen Lage, eine äußerst attraktive historische Umgebung und eine üppige Natur zu besitzen, die viele Touristen anzieht. Das Dorf zählt zwei Campingplätze, Ferienunterkünfte sowie ein weiteres Restaurant gegenüber von Chez François. Eine Konkurrenz? „Keineswegs“, antwortet er: „Wir bieten eine gut bürgerliche Küche an, während sie sich eher im gehobenen Segment positionieren möchten. So hat jeder seine Nische und alle kommen auf ihre Kosten. Mit der zunehmenden Entwicklung des Tourismus hat sich Chez François weiterentwickelt. Der Gastraum wurde in diesem Winter renoviert und bietet nun 72 Gästen Raum, während auf der Terrasse unter den eleganten schwarzen Sonnenschirmen, die einen Kontrast zur roten Markise bilden, 40 Personen bewirtet werden können.

Hausgemacht und regional

Nach der Pensionierung seines Vaters, der einen Schlachthof in Belgien leitete – wo François heute noch sein Fleisch bezieht –, zogen die Eltern nach Long. Viele Produkte, die im Restaurant verarbeitet werden, stammen hingegen aus der näheren Umgebung: zum Beispiel Kartoffeln aus Long oder Muscheln aus dem etwa 30 Kilometer entfernten Le Crotoy. Kurze Wege ermöglichen aber auch, Zwischenhändler auszuschalten, ein wirtschaftlich interessanter Aspekt. Vegetarier sind bei François ebenfalls gut aufgehoben und können unter anderem schmackhafte Omeletts und Salate genießen – sowie hausgemachte Desserts.

 

Wenn die Nacht anbricht, kommt Leben auf

Zum normalen Café-Brasserie-Betrieb kommen regelmäßig Abendveranstaltungen hinzu: Abendveranstaltungen an den ersten Wochenenden des Monats in der Nebensaison, Weinproben in der Hauptsaison und weitere Veranstaltungen zu anderen Anlässen wie den französischen und belgischen Nationalfeiertagen, dem 15. August usw. Auch Themenabende, teils mit musikalischer Begleitung, gehören dazu und werden in der Regel auf Facebook angekündigt.

​​Chez François                                                                                     

4 Grande rue

80510 Long

Facebook: Bar-brasserie chez François

Geöffnet 7 Tage die Woche in der Hauptsaison (Mai bis Oktober).
Außerhalb dieser Zeit mittwochs geschlossen.

 

Warme Küche mittags und abends. Durchgehend zusätzlich eine kleine Snackkarte (Croque-monsieur, Salate usw.).
Feste Speisekarte mit einer wöchentlichen Neuheit.
Zum Mittagessen gibt es eine kostenlose Vorspeise.

Auswahl an alkoholfreien Bieren sowie ein alkoholfreier Weißwein und zuckerfreie Sirups.
 

72 Sitzplätze im Innenbereich und 40 auf der Terrasse (bei bestimmten Festen – Pfingsten, 15. August – nahezu verdoppelt).

 

Freizeitangebot ab Mai: Mittagessen bei François, anschließende Fahrt mit einem Elektroboot auf der Somme und Besuch des Schlossparks.

KAPITEL 3

COURTOISIES

Courtoisie: weibliches Substantiv. Eine Haltung kultivierter Höflichkeit, geprägt von feinen Umgangsformen und einem eleganten, gebildeten Auftreten. Bei Jeanne Rocque steht das Wort im Plural für kleine, großzügige Gesten voller Raffinesse.

 

Eine junge Unternehmerin, die mutig aus den Traditionen schöpft, gestaltet mit Genuss die Zukunft und erweist zugleich der Vergangenheit die Ehre. Porträt einer Frau, die ihren Wurzeln verbunden ist und Authentizität liebt. In ihrer Neuinterpretation des Aperitifs treffen pflanzliche Noten auf die Aromen der Wurst- und Fleischwaren von einst.

Courtoisies
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Auf den Spuren der kulinarischen Erinnerungen ihrer Kindheit

Jeanne öffnet mir die Tür ihres hübschen Hauses auf der Anhöhe von Long. Ihre Katze nutzt die Gelegenheit, um nach draußen zu schlüpfen. Hinter einer kleinen Mauer, die die Straße überragt, stimmt ein Garten mit sorgfältig an Spalieren gezogenen Obstbäume stimmt auf das alte Hausein, das eine Atmosphäre der Ruhe ausstrahlt. Zur Rechten erhebt sich mitten in einem großzügigen Innenhof ein Taubenhaus, das geduldig darauf wartet, eines Tages eine neue Bestimmung zu bekommen. Trotz ihres durchaus vollen Terminkalenders nimmt sich meine Gastgeberin Zeit, mich willkommen zu heißen. Sie bietet mir einen Kaffee an und stellt die Tassen auf den Tisch, aus denen duftender Dampf aufsteigt.

 

In einer Region, in der Fleisch noch immer einen festen Platz auf dem Speiseplan hat, könnte Jeanne zunächst als Außenseiterin gelten. Doch die junge Frau ist ein echtes Kind der Gegend. Sie wuchs zwischen Abbeville und der Somme-Bucht auf, in Mons-Boubert, wo ihre Großeltern Marie-Thérèse und Daniel Courtois die Dorfmetzgerei führten – ein Paar, dessen Andenken in der Gemeinde bis heute lebendig ist. Wie also kam sie auf die Idee mit den pflanzlichen Terrinen? Ganz einfach, erklärt sie: „Ich bin eine Genießerin. Ich koche und esse gern.“ Doch das ist nicht alles: In den 2010er-Jahren wurde Jeanne nach einem Aufenthalt in England Vegetarierin, einem Land, in dessen

kulinarischer Tradition die pflanzliche Küche sich längst etabliert hatte. Als Kind einer Jäger- und Metzgerfamilie verspürte sie jedoch bald eine Sehnsucht nach den großen Tafeln, ihrer Geselligkeit und den traditionellen Gerichten, die ihre Kindheit geprägt hatten. Damals begann der Wunsch, sich selbstständig zu machen, in ihr zu reifen. Doch um ein eigenes Unternehmen im Lebensmittelbereich aufzubauen, musste sie zunächst Erfahrungen sammeln.

Die Zeit des Lernens
Ihre Lehrjahre führten sie quer durch Frankreich: BTS in Abbeville, Bachelorstudium in Rouen und anschließend ein Masterstudium im Handelsmanagement in Angers, gefolgt von sieben Jahren bei Danone in Paris. Ihre damalige Tätigkeit im Bereich der proteinreichen Getränke könnte vermuten lassen, dass sie sich von ihrem Traum eines eigenen Unternehmens verabschiedet hatte. Doch ganz im Gegenteil: Die Idee reifte weiter. Nun musste nur noch der Funke überspringen, der sie zu einem Projekt führen würde, das ihren Werten, Wünschen und Vorstellungen entsprach. Der entscheidende Anstoß kam schließlich durch einen Sozialplan bei Danone, der ihr den Weg aus dem Unternehmen ebnete und ihr zugleich die Finanzierung ihrer beruflichen Neuorientierung ermöglichte.

 

Nach einer Kochausbildung machte sie sich auf den Weg nach Marseille, wo sie an einem dreiwöchigen Workshop zum Thema pflanzliche Küche teilnahm. Diese drei Wochen eröffneten ihr ein schier unendliches Feld an Möglichkeiten. Zugleich fühlte sie sich wie eine Anfängerin, so neu waren die Aromen und Zutaten, die sie während dieser Zeit entdeckte. Schon bald erschien ihr die Konservenherstellung als der beste Weg, nicht zuletzt, weil sie sich nicht um die Kühlkette kümmern musste. Nach einer weiteren einwöchigen Weiterbildung in Amiens begannen schließlich die Entwicklung und Erprobung eigener Rezepte sowie die praktische Arbeit mit den Kochkesseln.

Der Sprung ins kalte Wasser

Nach zwei Jahren des Tüftelns und Ausprobierens ließ Jeanne ihr Unternehmen eintragen und brachte ihre Produkte 2025 auf den Markt. Trotz ihrer Selbstzweifel präsentierte sie sich bei den Épicures, der Fachmesse für Feinkost, vor, wurde beim Wettbewerb Best Of 2025 der Messe Gourmet Selection ausgezeichnet, erhielt dadurch eine Listung bei Galeries Lafayette Le Gourmet und präsentierte ihre Produkte auf dem Salon du Bon von Starkoch Thierry Marx.

 

Da sie ihr Unternehmen allein führt, muss sie an allen Fronten präsent sein: Unterstützt von drei Mitarbeitern des technischen Zentrums Adrianor in Thilloy-les-Mouflaines, die ihre Produktion betreuen und koordinieren, verzichtet sie auf die Auslagerung der Herstellung und beteiligt sich selbst an der Produktion der Terrinen. Für den Vertrieb ihrer Produkte hat sie sich dafür entschieden, sich an Feinkostgeschäfte, Weinhandlungen und Käsereien in der Region, an der normannischen Küste und in der Île-de-France zu wenden. Immer wieder richtet sie ihre Strategie neu aus und passt sie an die wechselnden Entwicklungen im Feinkostsektor an. Um ihr Unternehmen langfristig zu sichern, baut sie derzeit den Export nach Belgien, den Niederlanden, Irland und Großbritannien aus. Und weil sie die pflanzliche Küche bekannter machen möchte, denkt sie langfristig bereits über erste Exportgeschäfte in den Nahen Osten und in Asien nach.

Eleganz und Genuss

Um pflanzliche Produkte ins rechte Licht zu rücken und zugleich Verbraucher nicht abzuschrecken, die dem Wort „vegan“ auf einem Produkt oft mit Skepsis begegnen, setzt sie auf eine elegante Präsentation. Das braun-elfenbeinfarbene Streifenmuster erinnert an die Küste und an die berühmten Planken von Deauville, während die farbenfrohen Aufschriften

 

auf den Gläsern einen lebhaften Kontrast zum Braun der Pasteten bilden. Die Verbindung aus kräftigen Farben und Streifen weckt Erinnerungen an farbenfrohe, bunt gestreifte Stoffe und sonnige Urlaubstage. Auch hier hat Jeanne an diejenigen gedacht, die vielleicht zögern, über die Schwelle zu ihrer genussvollen Welt zu treten.

Ein Unternehmen verankert sich

Trotz ihres Tatendrangs bleibt die junge Unternehmerin mit beiden Beinen fest auf dem Boden und verankert ihr Unternehmen in der Region. Dabei legt sie Wert darauf, ausschließlich hochwertige Zutaten zu verwenden, möglichst aus der Gegend und aus biologischem Anbau. So stammen die Hülsenfrüchte, die die Grundlage ihrer Pasteten bilden, vom Biohof Decayeux, nur etwa zehn Kilometer entfernt. Auch die Walnüsse und Kastanien sind bio.

 

Mit ihren ersten drei Rezepturen wollte Jeanne die Aromen ihrer Kindheit und die Freude am gemeinsamen Genießen wieder aufleben lassen. Dafür kombiniert sie Rauchsalz, das an Fleisch erinnert, mit einer aromatischen Mischung, die an Petit Salé (gepökeltes Schweinefleisch) oder die Morteau-Wurst denken lässt, aber auch an Armagnac und die traditionelle französische Gewürzmischung Quatre épices, sodass daraus festliche Noten mit regionalem und traditionellem Charakter entstehen. Außerdem plant sie, ihre Palette um Terrinen mit leichteren Aromen zu erweitern, die einen Kontrapunkt zu den bisherigen, von Herbst und Winter geprägten Kreationen setzen sollen. Doch eine Produktpalette zu erweitern, braucht Zeit. Also: Geduld! Courtoisies ist noch jung, und ihre Schöpferin hat es nicht eilig.

 

Die Welt von Jeanne, in die ich einen ersten Einblick gewinnen durfte, ist geprägt von einem Sinn für gute Arbeit und Traditionen, von Wohlwollen, Austausch und Respekt – Werte, die der Name ihrer Marke, Courtoisies, auf wunderbare Weise widerspiegelt. Einen Namen, den Jeanne niemals ohne die Zustimmung ihrer Mutter und ihrer Tante gewählt hätte und der ihre Verbundenheit mit ihrer Familie und dem Namen Courtois auf wunderbare Weise zum Ausdruck bringt.

Internet: courtoisies.fr/manifeste
E-Shop: courtoisies.fr/collections
Instagram: Courtoisies.fr

KAPITEL 4

DIE IMKEREI VON PASCAL UND MARTINE

In einem verträumten Winkel der Somme widmen sich Pascal und Martine mit Leidenschaft der traditionellen Imkerei. Ihr Garten ist nicht nur Lebensraum, sondern Ausdruck einer stillen, einfachen Philosophie: Wer achtsam mit der Natur umgeht, wird reich von ihr beschenkt. Ein bezaubernder und genussvoller Besuch bei zwei Menschen, die den Bienen ihr Herz geschenkt haben.

Ein Treffpunkt für naturverbundene Seelen

Puh, 29 Grad! Ich halte das Auto auf den Anhöhen von Long vor einer Imkerei, Le Rucher de Pascal et Martine, an. Obwohl wir uns in der Somme befinden, vibriert die Luft vor Hitze. Passiert man das kleine Gartentor, betritt man einen Ort, der einen in die Illustrationen französischer Kinderbücher der 60er und 70er Jahren eintauchen lässt. Die Blumenbeete, deren natürliche Anordnung der Fürsorge einer ländlichen Gottheit überlassen worden zu sein scheint, ziehen ein summendes Volk an. Ich gehe vorbei am Haus. Es harmoniert so sehr mit den Pflanzen drumherum, dass man meinen könnte, es wäre einfach so zwischen den Blumen gewachsen. Ich bemerke zwei Hühner, die unter der Laube picken. Normalerweise waren sie zahlreicher und liefen überall auf dem Rasen im Garten herum. Leider hat ein streunender Hund sie dezimiert. Am Ende des Gartens steht ein Häuschen, das gleichzeitig Laden und Imkereiwerkstatt ist. Der Schlüssel steckt in der Tür, es ist aber niemand da.​

Honig

Vom alten Familienhof und von der Rückkehr der Bienen

Als ich ankam, hatte ich aber bemerkt, dass die Tür von Pascal und Martines Haus offenstand. Ich gehe zurück und klopfe. Martine begrüßt mich und geht ihren Mann holen. Wir kennen uns bereits, da ich seit ein paar Jahren schon Kundin bei ihnen bin.

Sie bitten mich herein und wir lassen uns bei einem Glas Lavendel-Limonade und Keksen zu einem Gespräch nieder.

In den 80er Jahren stellte Pascal bereits Honig her, doch als er und seine Frau den Bauernhof von Pascals Vater übernahmen, konnte er nicht weitermachen. Es folgten der Bau des Hauses, das sie 1991 zum Teil selbst bauten, und die Geburt ihrer drei Kinder. Eines Tages jedoch fanden sie einen Bienenstock, den sie als Dekoration in

den Garten aufstellten. Ein Schwarm ließ sich dort nieder und gab Anfang der 2000er-Jahre den Startschuss für die Wiederaufnahme der Imkerei.

Honig – der goldene Faden eines Lebens im Einklang mit der Natur

Pascal und Martine lieben die Natur und alles Natürliche, was man an der Pflege ihrer Bienen und den Produkten, die sie hauptsächlich selbst herstellen, erkennen kann: Honigbonbons (meine Lieblingssünde), ausschließlich aus Honig und Zucker hergestellt, Lebkuchen (nicht im Sommer, weil es eher ein Herbst- und Winterprodukt ist), Wachs (z. B. zur Herstellung von Kosmetika zu verwenden), Kerzen, Bohnenwachs (das nach den gewachsten Parkettböden meiner Kindheit duftet), Beewraps (als Ersatz für die Frischhaltefolie aus Plastik), Propolis, Met, Seifen.... Wenn sie die Zeit findet, meist im Winter, näht Martine auch hübsche Schürzen und Brotbeutel aus einem Stoff mit Imkermotiven.

 

Der Geruch von Wachs erfüllt das Häuschen. Auf dem Werkstatttisch stapeln sich Gläser mit frisch geschleudertem Honig, durch die das Licht fällt in einer Palette von Gelb- und Goldtönen. Pascal erklärt mir, dass er die durch die Zentrifuge gedrehten Rahmen an die Bienen verfüttert. Um das zu veranschaulichen, legt er einen davon auf eine Schubkarre. Fünf Minuten später ist er von Bienen bedeckt, die ihn gierig von Honigresten „säubern“.

Mein Besuch geht zu Ende. Ich fahre weg, aber nicht ohne ein Miniaturglas mit wohltuendem Propolis mitzunehmen (heute Morgen habe ich eine winzige Menge davon in einem Naturjoghurt mit Honig genossen).

Danke, Martine und Pascal, für euren herzlichen Empfang!


Le Rucher de Pascal und Martine
2 rue de Villers

80510 Long


Normalerweise zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet. Es ist jedoch besser, vorher anzurufen, um sicherzugehen, dass jemand da ist:

+33 6 78 05 82 74.


Pascal und Martine sind auch donnerstags und samstags vormittags auf dem Markt in der Halle Jean-Pierre Pernaut, 11 place Jacques Becq in Abbeville anzutreffen.


Auf Anfrage und Reservierung bieten Martine und Pascal Nachmittage mit einem Imbiss (z. B. mit von Martine gebackenen Kuchen) für Personen an, die die Imkerei kennenlernen möchten. Auch hier gilt: Informieren Sie sich vor Ort oder unter +33 6 78 05 82 74.

KAPITEL 5

GÎTE LE 110 - FERIEN WIE BEI JULES VERNE

Le 110

Le 110: Eine Auszeit in Jules Vernes Welt

Wie wäre es, mit einem Aufenthalt in der Welt von Jules Verne? In Long ist das möglich: In der städtischen Ferienwohnung „Le 110“, im Obergeschoss des ehemaligen Wasserkraftwerks von 1902. Um dorthin zu gelangen, muss man am Maschinenraum, heute ein Museum, vorbei und eine alte Holzwendeltreppe, die bei jedem Schritt leicht schwankt. Abgeschiedenheit und Ruhe sind garantiert, vor allem abends, denn abgesehen von der Somme, die sprudelnd, schäumend und tosend über das kleine Wehr fließt, herrscht hier vollkommene Stille.  

 

Ein Nest zwischen Himmel und Fluten

Die Wohnung – zwei Schlafzimmer, Küche, Esszimmer und Wohnzimmer – war bis in die 70er-Jahre das Heim der Mechaniker und ihrer Familien, und bietet heute den Gästen allen Komfort. Geschmackvoll eingerichtet, fühlt man sich dort sofort wie zu Hause, gewiegt vom Rhythmus der umliegenden Fluten. Einige Fenster blicken auf eines der drei Walmdächer und heben das Auge in den Himmel, fernab von der Welt. Andere hingegen öffnen sich flusswärts auf den – ein Versprechen für Spaziergänge am Wasser entlang.

 

Ein Kraftwerk seiner Zeit voraus

Das Kraftwerk wurde 1902 erbaut und 1903 eingeweiht. Es sollte den Bewohnern von Long den Komfort von Elektrizität und fließendem Wasser bringen, das aus einem Grundwasserleiter gepumpt wurde. Damals konnte Long mit einer Lampe und einem Wasserhahn pro Haushalt sogar mit Stolz behaupten, Paris, das noch nicht vollständig elektrifiziert war, einen Schritt voraus zu sein.  Die Überschwemmungen von 1965 bis 1967 verringerten den Wasserfall, was die Stromproduktion teilweise verhinderte. Das Kraftwerk blieb dennoch bis 1968 in Betrieb, als die Gemeinde an das Stromnetz der französischen Staatstromgesellschaft EDF angeschlossen wurde, und versorgte Long bis 1974 weiterhin mit Wasser. Im Dezember desselben Jahres wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Sein letzter Mechaniker, Daniel Delassus, wurde als Gemeindearbeiter übernommen, und das Kraftwerk wurde zu einem Zeugen der Geschichte, dem die Ferienunterkunft seit einigen Jahren neues Leben einhaucht.

 

Le 110: wo die Zeit zu fliegen vergisst

Ein Aufenthalt im 110 bedeutet nicht, einfach am Wasser, sondern über dem Wasser zu wohnen, denn das Gebäude überspannt die Somme. Es heißt, sich dem Träumen hinzugeben und die Gedanken schweifen zu lassen und sich in jene Zeiten zu versetzen, als die Torfstecher die „Hüttenjagd“ erfanden, um im Winter zu überleben; in die Zeit der großen Fortschritte des 19. Jahrhunderts, jene Epoche, in der Schriftsteller und Künstler, sich von der Region verzaubern ließen – wie Jules Verne, der Mann aus Nantes, der sich in eine Tochter der Somme verliebte und Geschichten ersann, die die Atmosphäre des „Le 110“ noch immer heraufbeschwört. Lasst euch davon für die Dauer einer zeitlosen Auszeit entführen.

 

 

Die Ferienwohnung gehört zum städtischen Campingplatz "La Peupleraie" und liegt 100 Meter davon entfernt. Während der Öffnungssaison kann man dessen Dienstleistungen (Brot, Croissants, kleine Snacks usw.) und Waschmaschinen nutzen und an den verschiedenen Veranstaltungen und Animationen teilnehmen, die dort organisiert werden.

 

P.S.: Meine Schwägerin, mein Schwager und ihr Sohn haben dort zweimal mit großer Freude übernachtet, und wir haben dort sehr schöne Abende verbracht.

 

Gîte "Le 110"
110 Rue de la Chasse à Vaches
80510 Long

 

Tel.: +33 3 22 31 84 27
Mobil: +33 6 83 41 22 89


E-Mail: camping.lapeupleraie.long

Internet: CampingLaPeupleraie

Landkarte
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