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Hello So

Auf den Spuren von Amiens’ blauem Gold

 

Isatis tinctoria – das blaue Gold von Amiens, in der Picardie „Waide“ genannt und auf Deutsch als Färberwaid bekannt – ist bis heute tief im kollektiven Gedächtnis der Picarden verwurzelt, beinahe wie ein Mythos. Dabei beleben ihre graugrünen Stängel mit den leuchtend gelben Blütenbüscheln im späten Frühling den Garten des Bischofspalasts an der Kathedrale von Amiens. Hier und da lassen sie auch die braun-grüne Landschaft der Picardie in goldenen Farbtupfern aufleuchten. Zwar wird dieses Gewächs in Amiens oft erwähnt, doch scheint es fast ungreifbar, so selten ist es geworden. Die Amienserin Solène Vasseur hat sich in das tiefe Blau ihres Farbpigments verliebt. In ihrem Atelier Hello So färbt sie damit ihre handgefertigten Schmuckstücke aus Polymerton – winzige Botschafter poetischer und historischer Geschichten.

Ein paar Samen, in der Kindheit gesät

Solène hatte schon immer eine kreative Ader. Sie war zwölf Jahre alt, als ihre Kunstlehrerin am Collège von Ailly-sur-Somme, ohne es zu ahnen, die Weichen für ihren späteren Werdegang stellte: Sie bot ihrer Klasse Abendkurse an. So begann Solène, wie sie sagt, „Photoshop zu spielen“ und aus Spaß Plakate und Logos zu gestalten. Es war der Anfang einer Leidenschaft, die sie bis heute nicht mehr losgelassen hat: Grafikdesign.

 

Als Jugendliche machte sie aus der Not eine Tugend und begann auch, Schmuck herzustellen: Da sie auf Modeschmuck aller Art allergisch reagierte, war sie ganz verzweifelt, weil sie nicht wie ihre Freundinnen welchen tragen konnte. Da hatten ihre Eltern eine Idee: Sie schenkten ihr Creolen aus Edelstahl und eine Schmuckzange – und legten so den Grundstein für eine zweite Leidenschaft.

 

Die dritte Leidenschaft reicht bis in Solènes frühester Kindheit zurück: Sie träumte davon, einen Vogel zu haben. Hatte sie vielleicht besonders inbrünstig dafür gebetet? Wie dem auch sei, an einem 24. Dezembermorgen fand ein kleiner Vogel auf der Suche nach Zuflucht durch das Küchenfenster den Weg in ihr Elternhaus. Die Familie nahm ihn sofort auf und taufte ihn Mimosa. Mehr als zehn Jahre lang lebte er bei den Vasseurs. Doch wie die meisten Kanarienvögel bewahrte sich auch Mimosa seinen kleinen eigenwilligen Charakter. Und so trat 2017 Pablo in Solènes Leben – ein schillernder Wellensittich mit schelmischem Blick, der seither an ihrer Seite lebt.

Hello So
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Eine Expertin für digitale Kommunikation trifft auf eine Blume aus dem Mittelalter

Nach ihrem Kommunikationsstudium arbeitete Solène einige Jahre in mehreren Unternehmen. Als Kind der 90er-Jahre wurden ihr dort Aufgaben rund um soziale Medien anvertraut, auf die sie sich bald spezialisierte. Aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit heraus gründete sie ihre eigene Agentur für digitale Kommunikation. Um einen Ausgleich zur Zeit vor dem Bildschirm zu schaffen, begann sie wieder, Schmuck herzustellen. Ihr erstes Stück war ein weißer Vogel. Da sie häufig gefragt wurde, wo sie ihre Kreationen kaufe, kam sie auf die Idee, einen kleinen Shop zu eröffnen – ein Vorhaben, an das sie ebenfalls spielerisch heranging.

 

Für ihr kleines Unternehmen wählte sie den Namen Hello So – ein Name, der nur so dahinsprudelt und voller Spontaneität und Sonnenschein steckt. Anfangs suchte Solène, mit ihrem Schmuck das Weiß von Porzellan nachzuahmen. Während sie sich näher damit beschäftigte, stieß sie auf das Kobaltblau chinesischer und japanischer Porzellane. Von dort war es nur noch ein kleiner Schritt zum Waid. Jedenfalls beinahe: Ihr Partner half ihr, diesen Schritt zu gehen, indem er die Idee ins Spiel brachte, durch das Blau des Waids eine Verbindung zwischen ihrem Schmuck und der Geschichte von Amiens herzustellen.

 

Doch dieses Pigment ist anspruchsvoll und komplex und will erst einmal gezähmt werden. Da es lichtempfindlich ist, bleicht es in der Sonne aus. Solène konnte das selbst feststellen, als sie ein Schmuckstück einige Wochen lang draußen vergaß: Auf der der Sonne zugewandten Seite war die gesamte Farbe verschwunden. Seitdem experimentiert die junge Frau, um die Lichtbeständigkeit ihrer Kreationen zu verbessern.

 

Immer neugierig darauf, mehr zu erfahren, beschäftigte sich Solène mit der Geschichte dieser robusten Pflanze, der Amiens im Mittelalter einen Teil seines Wohlstands verdankte und deren faszinierende Vergangenheit sie gern erzählt. Solène hätte ihren Schmuck auch mit Indigo färben können, doch sie entschied sich für die Waide, die ihren Kreationen auf einmal eine ganz neue Bedeutung verlieh.

 

Die Begeisterung für die Farbe Blau im 12. Jahrhundert führte dazu, dass die Waid auf der Somme unter anderem nach England verschifft wurde, wo die Textilindustrie gewaltige Mengen davon verbrauchte. So konnten die Waidhändler einen Teil des Baus der Kathedrale von Amiens finanzieren. Die mit stilisierten Waidfriesen geschmückten Sockel zeugen möglicherweise von ihrer Großzügigkeit. Vielleicht symbolisieren sie den Anteil, den diese bescheidene Blume am Bau des Gotteshauses trug.

 

Ein weiterer Hinweis findet sich an der Südfassade der Kathedrale, die den Waidhändlern in drei übereinanderliegenden Bildfeldern Tribut zollt. Unten knien zwei betende Gestalten vor einer Inschrift in mittelalterlichem Picardisch, die besagt: „Die guten Leute aus den Städten rund um Amiens, die Waid verkaufen, haben diese Kapelle aus ihren Almosen errichtet.“ In der Mitte ist ein Waidhändlerpaar dargestellt, zu dessen Füßen ein Sack voll mit Ballenwaid liegt – jenen Kugeln aus zermahlenen Waidblättern, aus denen man das kostbare blaue Pigment gewann. Oben zeigt eine Statue den heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Kaufleute. Wer die Fassade und das Innere der Kathedrale wie ein Bilderbuch erkundet, entdeckt weitere Darstellungen des Waids, die veranschaulichen, welchen Stellenwert das blaue Gold einst in Amiens einnahm.

 

Schmuck, der Brücken baut als verbindendes Element

Obwohl der Hundertjährige Krieg dem blühenden Waidhandel einen Dämpfer versetzte, hielten Manuskripte und technische Schriften das Wissen um die Gewinnung des Farbpigments aus der Pflanze fest. Im 16. Jahrhundert verdrängten Indigoimporte nach Europa den Waid allmählich aus Nordfrankreich und später auch aus dem Pays de Cocagne, wie man das Lauragais früher nannte. Indigo ließ sich zwar leichter verarbeiten, enthielt mehr Farbstoff und war rentabler, doch aus dem Gedächtnis der Menschen in Amiens und im Pays de Cocagne verschwand der Waid nie ganz. Heute setzen sich in beiden Regionen wieder einige Enthusiasten dafür ein, sie zu neuem Ansehen zu bringen.

 

Solène gehört dazu. Doch einige ihrer Kreationen, die mit sehr persönlichen Geschichten und der Verbundenheit der Menschen aus dem Département Somme mit ihrer Heimat verknüpft sind, sind weit mehr als Schmuckstücke. So erzählt die junge Frau von einem Italiener, dessen Frau aus Poix-de-Picardie stammte und unter Heimweh litt. Da Hello So nicht ins Ausland liefert, nahm er kurzerhand die Fahrt bis zur französischen Grenze auf sich, um die bestellte Kreation abzuholen. Solène berichtet auch von zwei Zwillingsschwestern aus Amiens, die inzwischen in Marseille leben und sich nach ihrer Heimatstadt sehnten. Und da war noch jene Frau aus der Somme, die drei Schmuckstücke bestellte – für sich selbst, ihre Schwester und ihre Mutter. Sie sollten an ihren Vater erinnern, einen gebürtigen Amienser, der gern Blau trug und ihnen die Geschichte des Waids erzählt hatte.

 

Einige der Schmuckstücke, die Solène von Hand fertigt, verbinden ihre Trägerinnen und Träger auch durch ihre Symbolik mit Amiens: die vierblättrige Waidblüte mit ihren sechs goldenen Staubblättern, die kugelförmigen Anhänger, die an den Ballenwaid erinnern, oder die Tropfen als Anspielung auf die Somme, auf der die kostbaren Kugeln einst transportiert wurden. Doch alle Kreationen der jungen Frau sind zugleich Ausdruck ihres persönlichen Weges, ihrer Leidenschaft für die Geschichte, die in Mauern und Orten lebendig bleibt, und ihrer Liebe zur Pflanzenwelt. Sie zeigen auf wunderbare Weise, wie spielerisch Solène ans Gestalten herangeht und wie sehr sie sich dabei von ihrer Neugier auf Menschen und Natur leiten lässt. In dieser Freiheit, Dinge zu ersinnen und eigene Ideen Gestalt annehmen zu lassen, steckt noch immer etwas von dem kleinen Mädchen, das einst mit seiner Schmuckzange erste eigene Kreationen fertigte.

Solène
Schmuck in Waidblau
Das blaue Gold der Picardie

 

Wenn mein Artikel Ihre Neugier geweckt hat, erzählt Solène auf www.HelloSo.fr von ihren Recherchen zum Waid, seiner Geschichte und der anspruchsvollen, aufwendigen Gewinnung des blauen Farbpigments. Dort können Sie auch ihre Kreationen entdecken – Blumen, Herzen, Tropfen und stilisierte Blätter, die manchmal mit Blattgold oder Blattsilber veredelt sind. Sogar eine zweifarbige Hundepfote ist dabei: eine liebevolle Anspielung auf ihren vierbeinigen Gefährten und ein kleines Geschenk für den Mann an ihrer Seite. Und weil Solènes Kreationen weit mehr sind als bloßer Schmuck, verrät sie auch deren Symbolik, Bedeutung und Ursprung. So sind ihre Vögel eine stille Hommage an Pablo, ihren Wellensittich, und an die Vogelwelt insgesamt.
 

 

Tel.: +33 1 89 40 40 90
E-Mail: bonjour@helloso.fr
Facebook: @helloso_design
Instagram: @helloso_design

Internet: SoleneVasseur.com

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Eine Reminiszenz an Amiens Blau

Eine Reminiszenz an Amiens Blau

Amiens Kathedrale

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Das Marienportal

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Madonna mit Kind

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Der weinende Engel

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Engelslächeln

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